In Kürze schließen in Israel die Wahllokale - unmittelbar danach wird mit ersten Prognosen gerechnet. Fest steht bisher nur: Die Wahlbeteiligung ist überraschend hoch.

Bei den Parlamentswahlen in Israel zeichnet sich eine rege Wahlbeteilgung ab. Etwa fünf Millionen Menschen sind wahlberechtigt - und nach Angaben des Wahlkomitees gaben bis 20 Uhr Ortszeit 59,7 Prozent ihre Stimme ab. Das sind 2,5 Prozentpunkte mehr als bei den vergangenen Wahlen vor drei Jahren zur selben Uhrzeit.

Wahlen in Israel: Livni bei der Stimmabgabe, AP

Ein ultra-orthodoxer Jude bei der Stimmabgabe in Jerusalem. (© Foto: dpa)

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Die rege Wahlbeteiligung überraschte insbesondere angesichts des für Israel untypischen regnerischen und stürmischen Wetters. Es war nach Fernsehangaben das erste Mal seit 60 Jahren, dass es in dem Land an einem Wahltag regnete.

Polizei in höchster Alarmbereitschaft

Mit ersten Prognosen wird direkt nach Ende der Wahl um 21 Uhr (MEZ) gerechnet. Wenige Wochen nach der blutigen Militäroffensive im Gaza-Streifen ist die Polizei aus Furcht vor möglichen Anschlägen in höchste Alarmbereitschaft versetzt.

Um Anschläge zu verhindern, riegelte das israelische Militär am Montagabend die Grenzübergänge zum Westjordanland ab. Auch die Grenzübergänge zum Gazastreifen blieben geschlossen. Nur am Kontrollpunkt Eres sollte es Ausnahmen für "humanitäre Fälle" geben.

Es sind die 18. Parlamentswahlen in der gut 60-jährigen Geschichte des Staates Israel. Zur Auswahl stehen 33 Listen. Knapp in Führung liegt nach letzten Umfragen die rechtsorientierte Likud-Partei des Oppositionsführers Benjamin Netanjahu, gefolgt von der Kadima-Partei von Außenministerin Tzipi Livni. Der ultrarechte Avigdor Lieberman von der Einwandererpartei Israel Beitenu (Unser Haus Israel) könnte erstmals auf den dritten Platz kommen und die Arbeitspartei von Verteidigungsminister Ehud Barak verdrängen.

Nach dem Gaza-Krieg zu Beginn des Jahres stand das Thema Sicherheit im Mittelpunkt der kurzen Wahlkampfs. Während Netanjahu ankündigte, die Hamas "stürzen" zu wollen, forderte Lieberman unter anderem einen Treueeid für den israelischen Staat von den arabischen Bürgern, die mit 1,2 Millionen Menschen etwa ein Fünftel der israelischen Bevölkerung ausmachen.

Kandidaten appellieren an die Wähler

Livni rief die Wahlberechtigten auf, trotz heftiger Regenfälle und starken Sturms nicht zu Hause zu bleiben. "Regen oder kein Regen, Kälte oder Hitze, sie müssen in die Wahlkabinen gehen", sagte Livni in Tel Aviv. Eine geringe Wahlbeteiligung galt laut Experten als günstig für die Rechtsparteien Likud und Israel Beitenu. Livni forderte die Bevölkerung auf, nicht die Hoffnung zu verlieren. "Ich weiß, dass den Stimmzettel, den ich gewählt habe - Kadima - noch viele andere Menschen wählen werden", sagte Livni in Tel Aviv.

"Die Bevölkerung will einen Wechsel, und den wird sie heute wählen", sagte Netanjahu bei seiner Stimmabgabe in Jerusalem. Wer einen "neuen Weg einschlagen" wolle, werde für die Likud-Partei stimmen. Auch Lieberman gab am Vormittag seine Stimme ab. "Ich rufe alle Bürger Israels, Christen, Muslime und Juden, dazu auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, weil das politische System eine klare Entscheidung nötig hat", sagte Lieberman bei der Stimmabgabe in der Siedlung Nokdim bei Bethlehem, wo er lebt.

Polizei geht gegen Rechtsextremen vor

Die Polizei hinderte unterdessen den rechtsextremen jüdischen Aktivisten Baruch Marsel daran, die arabische Stadt Umm el-Fahm zu betreten. Ein Polizeisprecher bestätigte, Marsel sei kurz vor der Ortschaft festgenommen worden, weil er seine eigene und die öffentliche Sicherheit gefährde.

Marsel von der ultrarechten Nationalen Union hatte darauf bestanden, in der arabischen Stadt Vorsitzender in einer örtlichen Wahlstation zu sein. Arabische Einwohner werteten dies als Provokation und betonten, sie würden Marsel notfalls mit Gewalt daran hindern, nach Umm el-Fahm zu kommen.

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(Reuters/dpa/AFP/ihe/gdo/cop)