Die Sozialisten und die Konservativen machen die französische Präsidentschaft jetzt unter sich aus. Entschieden ist die Wahl noch nicht.
Die Schöne und das Biest: Ségolène Royal, das sozialistische Schneewittchen, und Nicolas Sarkozy, der konservative Wolf, haben die Zwerge der französischen Politik abgewehrt.
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Madame Royal liegt zwar klar hinter dem vormaligen Innenminister Sarkozy, trotzdem ist seit Sonntag wieder alles möglich, auch wenn die Rechte rein rechnerisch in Front liegt. Sicher ist erst einmal, dass seit Valéry Giscard d'Estaing kein jüngeres Staatsoberhaupt im Elysée residiert hat, und wenn Jacques Chirac Mitte Mai die Schlüssel an seinen Nachmieter übergibt, dann wird das auch ein Generationswechsel sein.
Die französische Linke hat ihre Lektion gelernt und sich nicht wieder verzettelt wie beim vorigen Mal. Am Tag vor der Wahl hatte die linke Tageszeitung Libération nur sieben Buchstaben auf ihrem weißen Titelblatt: ,,À GAUCHE'', nach links.
Damit ist das Trauma von 2002, als der Rechtsradikale Jean-Marie Le Pen den sozialistischen Kandidaten aus dem Feld schlug, überwunden. Gewiss, mit all den Prozenten, die ein trotzkistischer Briefträger einfuhr, und denen, die auf weitere Links-Kandidaten entfielen, hat die Linke die Möglichkeit verschenkt, ihrer Kandidatin schon im ersten Wahlgang einen Vorsprung zu sichern. Das Ergebnis zeigt, dass genügend Spielraum bleibt. Für Ségolène Royal wird es schwer sein, doch nicht unmöglich, nach dem 6. Mai als erste Frau in den Elysée einziehen.
Sarkozy, der wie kein anderer Sicherheit und Immigration zu seinen Wahlkampfthemen gemacht hat, bleibt der Favorit. Entscheidend ist, wer mehr Reserven mobilisieren und vor allem den 18-Prozent-Anteil des gescheiterten Zentristen François Bayrou erobern kann.
Sarkozy, der Frankreich erneuern will, der mit einer Rhetorik, die immer an der Grenze der Demagogie entlangschrammt, das Land spaltet, gilt vielen als die rechte Gefahr. Selten ist der Kandidat einer demokratischen Partei so geschlossen attackiert worden. Er wird in Frankreich fast so gesehen wie einst Franz Josef Strauß in der alten Bundesrepublik - heiß geliebt und tief verachtet.
Ségolène Royal ihrerseits hat sich im Wahlkampf viele Schnitzer geleistet. Bisweilen erschien sie inkompetent bis hin zur Ängstlichkeit. Die Experten ihres Teams haben manches mit Entsetzen aufgenommen und mussten gelegentlich reparieren, was sie aus Unwissenheit oder Naivität in die Welt gesetzt hatte. Dabei hat sie oft versucht, Angriffe als Beleidigung abzuwehren. Wer sie in Frage stellte, sah sich in die Macho-Ecke gedrängt. Das wird gegen Sarkozy nicht ausreichen.
Sie unterschätzen sich beide nicht mehr. Auch Madame Royal kann demagogische Talente einsetzen. Über Sarkozy rief sie ihren Anhängern zu: ,,Sein Projekt ist er selber, mein Projekt seid ihr.'' Er wird seinen Kurs verschärfen und weiter nach rechts rücken, um die 11,5 Prozent von Le Pen einzusacken. Er wird die Stimmung weiter anheizen und noch manchen Scheit Demagogie ins Feuer werfen.
(SZ vom 23.4.2007)
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