Wahl in Frankreich Juppé verschärft Krise der französischen Konservativen

  • Frankreichs Ex-Premier Alain Juppé hat endgültig ausgeschlossen, anstelle von François Fillon bei der Präsidentschaftswahl in zwei Monaten anzutreten.
  • Fillon hält bislang an seiner Kandidatur fest, obwohl er Ärger mit der Justiz hat und seine Umfragewerte sinken.
  • Die Republikaner treffen sich am Montagabend zu einer Krisensitzung.
Von Lilith Volkert

Alain Juppé steht nicht als Ersatzkandidat für die französische Präsidentschaftswahl zur Verfügung. Er sei nicht in der Lage, das Lager der bürgerlichen Rechten hinter sich zu versammeln, sagte Juppé am Montagvormittag in Anspielung auf den Kandidaten François Fillon und dessen Anhänger. "Deshalb bestätige ich ein für alle Mal, dass ich nicht Kandidat für die Präsidentschaft der Republik sein werde."

Der Wahlkampf des konservativen Kandidaten Fillon wird seit Wochen vom Verdacht einer Scheinbeschäftigung belastet, die Umfragewerte des ehemaligen Favoriten sinken rapide. In den vergangenen Tagen hatten zahlreiche Politiker aus den eigenen Reihen Fillons Rücktritt gefordert. Dieser bekräftigte aber am Sonntagabend in einem Fernsehinterview, auf jeden Fall anzutreten. Ein Rückzug würde seine politische Familie "in eine Sackgasse führen".

Bei den parteiinternen Vorwahlen im November hatte Fillon so überraschend wie deutlich den - lange Zeit in Umfragen führenden - Ex-Premier Juppé aus dem Rennen geworfen. Dieser hatte sich daraufhin zurückgezogen und erst in der vergangenen Woche wieder zu Wort gemeldet. Doch auch da hatte er schon signalisiert, er werde nur als Kandidat zur Verfügung stehen, wenn Fillon freiwillig abtrete und seiner Kandidatur zustimme.

Auch Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ist bei der Vorwahl wegen Fillon ausgeschieden. Er bietet nun an zu vermitteln. Sarkozy schlug am Montagmorgen ein Krisentreffen mit Fillon und Juppé vor, um einen "würdevollen und glaubwürdigen Ausweg aus dieser Situation" zu finden. "Unsere Zwietracht bereitet der Rechtsextremen den Boden", heißt es in seiner Presseerklärung.

Fillon hielt am Sonntag vor etwa 40 000 Menschen eine Rede auf dem Platz der Menschenrechte in Paris. Darin entschuldigte er sich zwar für den Fehler, seine Frau angestellt und nicht klar darüber gesprochen zu haben. Gleichzeitig griff er aber jene an, die ihm den Rücken gekehrt hatten. Die Vorwürfe gegen ihn seien ein politisch motivierter Angriff.

Auch wegen solcher Aussagen sind viele Republikaner verärgert über Fillon. Am Montagabend trifft sich die Partei zu einer Krisensitzung. Beobachter waren zunächst davon ausgegangen, dass diskutiert werden sollte, wie man Fillon von einem Verzicht überzeugen könnte. Das ist nun nicht mehr nötig: Der einzige Erfolg versprechende Ersatzmann hat am Vormittag abgesagt.

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