In den USA gibt es unterschiedliche Abstimmungs- und Auszählverfahren in den Bundesstaaten. Viele Menschen sind verunsichert, denn das Trauma Florida ist unvergessen.
Al Gore weiß, wovon er spricht: "Glaubt mir, Wahlen sind wichtig, jede Stimme ist wichtig", ruft er seinem Publikum zu. Und weil der inzwischen wohlgerundete Nobelpreisträger auf einer Bühne in West Palm Beach steht und für Barack Obama Wahlkampf macht, fügt er hinzu: "Auf geht's Florida, bring zu Ende, was du vor acht Jahren begonnen hast."
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Al Gore und seine Frau Tipper beim Wahlkampf in West Palm Beach in Florida. (© Foto: AP)
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Vor acht Jahren, das war Gores Albtraum, als er gegen George W. Bush um die Präsidentschaft kämpfte und nach einem langen und erbittert umkämpften Auszählungsverfahren zum Verlierer im Sonnenscheinstaat erklärt wurde. Die Mehrheit der Wahlmänner war dahin, Bush wurde Präsident.
Das Trauma Florida steckt tief in den Knochen der Demokraten, und deswegen will noch niemand an einen leichten Sieg für den Kandidaten Barack Obama glauben, wenn Amerika an diesem Dienstag wieder einen Präsidenten wählt.
Zu viele Unwägbarkeiten hält das US-Wahlsystem bereit, und wieder sind die Anwälte der Parteilager in Alarmbereitschaft, um notfalls vor Gericht die Wählerkreuze zu einer gültigen Stimme zu machen. Obamas Lager soll bereits 5000 Anwälte rekrutiert haben, die in Florida einem zweiten Gore-Augenblick vorbeugen sollen. Landesweit stehen bis zu 10.000 Anwälte nur für die Demokraten auf Abruf parat.
Zwar haben die USA nach dem Florida-Debakel aus dem Jahr 2000 ein umfassendes Wahlgesetz verabschiedet, aber noch immer leidet das Land unter der Vielfalt der Systeme und Abstimmungswege in den einzelnen Bundesstaaten. Die Menschen sind verunsichert. Wehe also, wenn es wieder knapp wird. Um sicherzugehen, dass die eigene Stimme auch zählt, haben Millionen von Wahlberechtigten bereits ihr Kreuzchen gemacht - angeblich bereits ein Viertel der Wähler.
Seit Tagen sind in 32 Bundesstaaten die Wahllokale für Frühwähler geöffnet, es bilden sich beeindruckende Schlangen. Vor allem Anhänger der Demokraten fürchten, dass sie am eigentlichen Wahltag nicht zum Zug kommen - das Land erwartet eine beispiellose Beteiligung, die viele Verantwortliche vor Ort überfordern könnte.
Tücken in Ohio
Das Problem: Werden die Schlangen nicht kleiner, dann dürfen die Wahllokale länger öffnen. Allerdings gelten die in dieser Nachspielzeit abgegebenen Stimmen in vielen Bundesstaaten nur vorläufig. Gerade in Ohio, wo die entscheidende Schlacht erwartet wird, hält das Gesetz Tücken parat - zum Nachteil der Spätwähler. Ihre Stimmen können vor Gericht angefochten werden und liegen möglicherweise für Wochen ungezählt in der Urne.
Nächstes Problem: wieder mal die Technik. Zwar wurden die aus dem Florida-Debakel berüchtigten Stanzmaschinen ausgemustert, diesmal aber gibt es Probleme mit Scannern, die das auf Papier gemalte Wählerkreuz automatisch erfassen sollen, dabei aber oft versagen.
Ansonsten häufen sich die Beschwerden von Wählern aus allen Landesteilen, die entweder von den Wahllisten gestrichen wurden oder erst gar nicht in der Kartei geführt werden. In den Vereinigten Staaten, wo es kein zentrales Meldesystem gibt, kann es leicht zu Problemen mit der Identifizierung der Wähler kommen, von denen die meisten wenn schon keinen Reisepass, so doch wenigstens einen Führerschein haben sollten, um ihre Stimme abgeben zu können.
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(SZ vom 04.11.2008/gdo)
Bundespräsident Gauck