In Afghanistan ist Wahlkampf - doch er ist von Angriffen auf die Bewerber überschattet. Die Wahllokale müssen dreifach bewacht werden: von der Polizei, der Armee und internationalen Truppen.
Der Zeitpunkt für die Attacke war genau geplant. Als Militante vergangene Woche die afghanische Hauptstadt Kabul mit sieben Raketen angriffen, war dies vor allem als Warnung an den neuen Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen gedacht. Denn der machte gerade seinen Antrittsbesuch in Afghanistan.
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Anhänger des afghanischen Präsidentschaftskandidaten Abdullah Abdullah (© Foto: Getty)
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Den Extremisten war klar, dass ihre Tat maximale Aufmerksamkeit erhalten würde. Getötet wurde bei dem Angriff zwar niemand, aber das Muster solcher Überfälle ist immer gleich: Wenn sich hochrangiger Besuch aus dem Westen ankündigt, bemühen sich die Islamisten um spektakuläre Aktionen.
Und nicht nur dann - die Gewalt wächst vor der Präsidentschaftswahl am 20. August. Im Juli starben 76 ausländische Soldaten, so viele wie in keinem Monat zuvor seit dem Einmarsch des Westens nach den Anschlägen vom 11. September 2001.
Der Wahlkampf ist von Angriffen auf die Bewerber überschattet. Zwei Mitarbeiter des aussichtsreichsten Herausforderers von Präsident Hamid Karsai, Abdullah Abdullah, wurden erschossen. Auch auf den Konvoi des designierten Vizepräsidenten Mohammad Qasim Fahim gab es einen Anschlag.
Abdullah warf der Regierung vor, der Gewalt untätig zuzuschauen. "Unglücklicherweise versagt die afghanische Regierung darin, für Sicherheit während des Wahlkampfes zu sorgen", sagte er in Kabul.
Beobachter rechnen damit, dass die Zahl der Anschläge noch zunehmen könnte, je näher der Wahltag rückt. Etliche internationale Organisationen werden ihre Mitarbeiter daher während der Abstimmung aus Kabul abziehen.
Die Angst vor einer weiteren Eskalation der Gewalt im Land ist spürbar, und das Thema Sicherheit wird bei Gesprächen über die Zukunft des Landes stets an erster Stelle genannt. Restaurants, Banken, Hotels und auch viele Privathäuser werden seit langem schon von Männern mit Maschinengewehren bewacht.
Nach Angaben der Regierung haben die Aufständischen etwa ein Dutzend der 400 Distrikte im Land komplett unter ihrer Kontrolle, 119 weitere Distrikte hätten Probleme, sich dem Einfluss der Taliban zu erwehren. Und auf mehr als einem Viertel des afghanischen Territoriums sei die Sicherheit während der Präsidentschaftswahl "flächendeckend gefährdet", schreibt der Afghanistan-Experte Thomas Ruttig in einer Analyse für die Stiftung Wissenschaft und Politik. Gerade im Süden des Landes, wo die US-Armee jüngst eine Offensive gegen die Taliban gestartet hat, dürften etliche Wahllokale aufgrund der instabilen Lage geschlossen bleiben.
Der Anführer der selbsternannten Gotteskrieger, Mullah Omar, ruft die Afghanen dazu auf, die Abstimmung zu boykottieren. Zwar bemüht sich Präsident Hamid Karsai seit längerem darum, die Taliban an den Verhandlungstisch zu bekommen - die Extremisten verweigern sich aber und stellen stets die gleiche Bedingung: Alle ausländischen Truppen müssten das Land sofort verlassen.
Interessant ist jedoch , dass es in vielen Gebieten, in denen die Taliban stark sind, eine hohe Wählerregistrierung gegeben hat. Und bei den gleichzeitig stattfindenden Wahlen zu den Provinzräten stellen sich offenbar sogar einige den Taliban nahestehende Kandidaten der Abstimmung, sichert die Position doch Einfluss und Pfründe.
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