Ein Kommentar von Christiane Schlötzer

Die radikale Hisbollah mag die Wahl verloren haben. Der Libanon bleibt dennoch gespalten.

In Washington, Jerusalem und auch in Brüssel dürfte die Erleichterung groß sein: Im Libanon hat das von dem Sunniten Saad al-Hariri angeführte prowestliche Bündnis nach erbittertem Wettstreit die Parlamentswahl gewonnen.

Bild vergrößern

Der Gewinner der Wahl im Libanon: Saad al-Hariri (© Foto: dpa)

Anzeige

Die von Iran und Syrien unterstützte schiitische Hisbollah-Miliz, die in den USA als Terrororganisation gilt, hat den angestrebten Machtwechsel verfehlt. Saad al-Hariri aber wusste, warum er seine Anhänger noch in der Nacht zum Montag dazu aufrief, allzu provokative Siegesfeiern zu unterlassen. Denn, so erleichtert der Westen auch sein mag, die tiefe politische Spaltung des Libanon wird auch dieses Wahlergebnis nicht beseitigen.

Die Polarisierung geht dabei quer durch die konfessionellen Lager, ganz besonders aber durch die Wählerschaft der Christen: Der christliche Ex-General Michel Aoun hatte sich mit seiner "Bewegung der Freien Patrioten" vor der Wahl mit der äußerst selbstbewussten Hisbollah verbrüdert - und wurde für so viel Opportunismus nun deutlich abgestraft.

Die Hisbollah-Gegner hatten zudem diesmal viele Helfer. Saudi-Arabien mit seinem Geldsegen gehörte dazu, weil Riad den Einfluss Irans im Nahen Osten, wo immer es geht, einzudämmen versucht.

Womöglich hatte auch Barack Obama seinen Anteil. Schließlich nährte der US-Präsident nur wenige Tage vor der libanesischen Richtungswahl mit seiner Rede in Kairo neue Friedenssehnsucht im Nahen Osten. Die Kampf-Rhetorik der Hisbollah passt da wenig ins Bild.

Am meisten geschadet aber hat sich die Schiiten-Miliz wohl selbst, als sie vor einem Jahr mitten in Beirut ihre Waffen erstmals gegen politische Gegner richtete. Nach diesen blutigen Scharmützeln erzwang die Hisbollah zwar eine libanesische Einheitsregierung, in der ihr gar eine Art Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen zukam. Aber diese Regierung brachte dann angesichts der internen Blockaden so gut wie gar nichts mehr zustande, was keine Wahlempfehlung war.

Wenig erfreut waren viele Libanesen außerdem, als sie jüngst erfuhren, dass die Hisbollah die palästinensische Hamas im Krieg gegen Israel unterstützt hatte. Dies beunruhigte viele Libanesen nicht deshalb, weil sie Sympathien für Israel hätten. Sie wollen nur schlicht nicht, dass es wieder Krieg in ihrem eigenen Land gibt, das schon zu viel Gewalt erlebt hat.

Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/bavo/cmat)