Bundespräsident: Der Live-Ticker Christian Wulff gewinnt Zitterwahl - nach drei Wahlgängen

Das Warten hat ein Ende: Christian Wulff gewinnt den dritten Wahlgang und wird doch noch Bundespräsident. Lesen Sie hier die Chronologie des Wahlmarathons im Live-Ticker von sueddeutsche.de.

Die Entscheidung ist gefallen: Christian Wulff wird der Nachfolger von Horst Köhler in Schloss Bellevue. Von 12 Uhr an wählte die Bundesversammlung, um den zehnten Bundespräsidenten zu küren. Eigentlich hatten Union und FDP eine komfortable Mehrheit - dennoch musste Wulff, der Kandidat der Kanzlerin, im ersten Wahlgang eine Schlappe hinnehmen. Auch im zweiten Versuch scheiterte der Ministerpräsident aus Niedersachsen. In der dritten Runde enthielt sich die Linke dann fast komplett - und als um 21:15 das Ergebnis verkündet wurde, war Christian Wulff der Sieger. sueddeutsche.de war live dabei. Die Ereignisse des Tages zur Nachlese im Live-Ticker.

21:30 Uhr

Mit den Worten "Gott schütze unser Land" beendet Christian Wulff seine erste Rede als neues Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Am Freitag wird er an selber Stelle vereidigt. Bundestagspräsident Lammert schließt die Bundesversammlung, bedankt sich bei den Schriftführern, "aber nicht zuletzt auch bei den vielen unauffälligen Mitarbeitern der Bundestagsverwaltung, die diese Versammlung in ungewöhlich kurzer Frist und mit ungewöhnlichem persönlichen Aufwand organisiert und ermöglicht haben". Mit der gesungenen Nationalhymne endet dieser lange Tag im Berliner Reichstag. Norbert Lammert: "Ich erkläre die 14. Bundesversammlung für geschlossen, Sie können sagen, Sie sind dabei gewesen. Schönen Abend!"

21:25 Uhr

Eine kurze Rede hält Wulff - seine erste als Bundespräsident. Er bedankt sich für das Vertrauen und bei Joachim Gauck. Einen kleinen Scherz erlaubt er sich auch noch: In Anbetracht der Tatsache, dass ihn sein Weg in die niedersächsische Staatskanzlei neun Jahre gekostet habe, sei die heutige Bundesversammlung wirklich kurz gewesen.

21:21 Uhr

Fast beiläufig erwähnt Lammert noch, dass Wulff sein Amt als niedersächsischer Ministerpräsident niedergelegt habe. Lammert fragt Wulff nun: "Nehmen Sie die Wahl an?" Wulff antwortet: "Sehr geehrter Herr Präsident, ich nehme die Wahl außerordentlich gern und aus Überzeugung an und freue mich auf die verantwortungsvolle Aufgabe." Und jetzt kommen auch endlich die Blumensträuße zum Einsatz, die sich Lammert vor dem ersten Wahlgang - vor mehr als acht Stunden - noch verbeten hatte.

21:19 Uhr

Die Reihe der Gratulanten ist lang. Unter anhaltendem Applaus nimmt sie Wulff lächelnd entgegen. Es war ein langer Tag - für ihn und für Angela Merkel, die nach dieser Zitterwahl sicherlich nicht weniger Probleme haben wird, ihre schwarz-gelbe Koalition zu führen. Nach fünf Minuten wieder Lammert: "Ich stelle fest, dass damit Christian Wulff zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt ist." Wieder Applaus.

21:15 Uhr

"Auf Christian Wulff sind 625 Stimmen entfallen", sagt Lammert - und löst Jubelschreie und langen Applaus in den Reihen von Union und FDP aus. Der unterlegene Gauck schreitet hinüber zu Wulff und gratuliert ihm. SPD-Fraktionschef Steinmeier reiht sich ein, Jürgen Trittin und Sigmar Gabriel folgen. Wulff lächelt.

21:13 Uhr

Lammert macht es spannend. Der Bundestagspräsident blättert in seinen Papieren. "1242 abgegebene Stimmen, zwei ungültige. 121 Enthaltungen." Großes Raunen. Und dann die entscheidende Zahl: 494 Stimmen für Gauck, was mit langem Applaus quittiert wird. Gauck nimmt die Glückwünsche entgegen. Er sitzt, während die SPD- und die Grünen-Fraktion um ihn herum aufgestanden ist. Er ist sichtlich bewegt.

21:12 Uhr

Der Gong ertönt - Norbert Lammert tritt an sein Pult. Die Entscheidung.

21:01 Uhr

Es wird nun sogar das genaue Abstimmungsergebnis verbreitet: 625 Wahlleute haben demnach für Wulff gestimmt. Gauck kommt angeblich auf knapp 500 Stimmen. Der Appell von Merkel scheint gefruchtet zu haben. Sie kommt mit einem Lächeln im Gesicht in den Plenarsaal.

20:59 Uhr

Erste Informationen von der Auszählung des dritten Wahlgangs tröpfeln nach außen: Demnach hat es Wulff - endlich - geschafft. Aus Koalitionskreisen, wie die Nachrichtenagentur dpa erfahren haben will.

20:27 Uhr

Lammert stellt die Frage, die er schon zwei Mal gestellt hat am heutigen Mittwoch: ob denn alle Stimmen abgegeben worden seien. In einer halben Stunde, so verspricht der immer noch gutgelaunte Bundestagspräsident, werde das Ergebnis dann verkündet.

20:10 Uhr

Linken-Abgeordneter Diether Dehm wählt drastische Worte: Die zwei Kandidaten Gauck und Wulff seien für ihn wie "Tuberkulose und Lungenkrebs". Er ist glücklich, dass er sich enthalten könne.

19:52 Uhr

Die Linke will sich im dritten Durchgang mehrheitlich enthalten. Twitternde SPD-Abgeordnete schäumen vor Wut: "Wie peinlich! Muttis-Hilfstruppe", schreibt Johannes Kahrs, Bundestagsabgeordneter aus Hamburg. Und Gabriele Hiller-Ohm aus Lübeck empört sich: "Die Linken sind echt das Letzte! Jetzt helfen sie Wulff ins Amt!"

19:28 Uhr

Bundestagspräsident Lammert eröffnet die Sitzung. Aus "Humanisierungsgründen", wie er süffisant sagt, würde er gern die Verpflegungsmöglichkeiten nach Beginn des Namensaufrufs öffnen. Will heißen: Das Buffet ist eröffnet - auch wenn noch kein Bundespräsident feststeht. Der Applaus des Plenums ist ihm sicher. Und dann geht es wieder los. Runde drei.

19:15 Uhr

Gregor Gysi tritt vor die Presse - und entschuldigt sich zunächst einmal bei den Medien. Ein Novum, wahrscheinlich. Er habe immer gesagt, die Medien würden sich Illusionen hingeben, wenn sie von einem dritten Wahlgang sprachen. "Sie hatten recht, ich hatte unrecht." Er gibt bekannt, dass Linken-Kandidatin Jochimsen nicht mehr antreten wolle. "Ich gehe davon aus, dass sich die meisten enthalten werden" - auch wenn die Abstimmung für die Linken-Wahlleute "selbstverständlich frei" sei. Zerplatzt hier eine Traum? Gysi wirkt nicht wirklich gelöst - er verwickelt sich in einen lautstarken Streit mit einem Zwischenrufer. Der Übeltäter ist Werner Schulz von den Grünen, der den Linken Versagen vorwirft. Da platzt selbst dem anfangs so jovialen Gysi der Kragen.

18:59 Uhr

Die Fraktionskreise lassen aber eine wichtige Nachricht hinaussickern, wie die Nachrichtenagentur AFP erfahren haben will: Linken-Bewerberin Luc Jochimsen zieht ihre Kandidatur für den dritten Wahlgang angeblich zurück. Somit kann der von SPD und Grünen nominierte Kandidat Gauck im dritten Wahlgang auf Stimmen der Linken hoffen.

18:57 Uhr

Langsam füllt sich der Plenarsaal wieder. Union und FDP waren pünktlich, es folgten die SPD- und Grünen-Wahlleute - doch die Linke lässt noch auf sich warten. Der Diskussionsbedarf scheint hier am größten zu sein.

18:42 Uhr

Man merkt, dass gerade die Fußball-Weltmeisterschaft läuft. Selbst die Kanzlerin greift nun zu entsprechenden Metaphern. Merkel ruft die Teilnehmer der Unionsfraktionssitzung dazu auf, den Koalitionskandidaten Wulff im dritten Wahlgang mit einer klaren Mehrheit zu wählen. "Ich habe eine herzliche Bitte: Lassen Sie uns im dritten Wahlgang ein kraftvolles Symbol abgeben. Wir haben jetzt das Serbien-Spiel gehabt, jetzt kommt das England-Spiel. Lasst uns das richtig machen!" Die Union habe auch den eigenen Anhängern gegenüber die Verpflichtung, klarzumachen, dass die Koalition über eine eigene Mehrheit verfüge. "Deutschland braucht einen Präsidenten, der das Land mit innerer Sympathie begleitet", sagt Merkel. Deshalb dürfe es jetzt "nicht irgendein Ergebnis" geben.

18:25 Uhr

"Gute Gespräche" habe die SPD mit der Linken geführt, sagt Sozialdemokrat Matthias Platzeck fast schon geheimnisvoll, ehe es um 18.45 Uhr wieder in den Plenarsaal geht - sofern die Parteien keinen Gesprächsbedarf mehr haben. Der dritte Wahlgang verschiebt sich, weil SPD, Linke und Grüne noch beraten.

18:08 Uhr

Die Türen zur Unionsfraktion waren lange verschlossen: Angela Merkel, Horst Seehofer und sogar der scheidende hessische Ministerpräsident Roland Koch haben die Union offenbar noch einmal auf den letzten Wahlgang eingeschworen. Das jedenfalls twittern verschiedene CDU-Abgeordnete.

17:55 Uhr

Die Linken-Kandidatin Jochimsen will sich unmittelbar nach dem zweiten Wahlgang noch nicht festlegen, ob sie ihre Kandidatur jetzt zurückzieht. "Ich bin kein Solist, auf die Gruppe kommt es an", sagt Jochimsen. Sie selbst werde im dritten Wahlgang nicht für Gauck votieren. Die Parteispitzen von SPD und Grünen versuchen trotzdem gerade hinter verschlossenen Türen die Linkspartei noch umzustimmen.

17:49 Uhr

Nichts Neues von der FDP: Die Partei steht nach den Worten von Parteichef Westerwelle auch im dritten Wahlgang mit großer Einigkeit zu Christian Wulff. Seine Partei werde Wulff mit "derselben Geschlossenheit und Entschlossenheit" wie in den ersten beiden Wahlgängen unterstützen, erklärt Westerwelle. Ob das Wulff vielleicht sogar als Drohung auffasst?

17:33 Uhr

Und auch ein kleiner Twitter-Skandal darf nicht fehlen: Die Schauspielerin Martina Gedeck ("Das Leben der Anderen"), Wahlfrau der Grünen, schien in den vergangenen Stunden allzu seltsame Botschaften in die Welt zu schicken. Doch Äußerungen wie "ein tag voller überraschungen: gauck im zweiten wahlgang, fussel im kaffee :)" oder "Haha! Wulff fällt nochmal durch. Wie Göring damals, als er nicht Reichstagspräsident wurde. Ätsch!" stammen nicht von ihr. Offenbar hat sich ein Scherzbold unter ihrem Namen registriert - Gedeck selbst twittert nicht.

17:22 Uhr

Heute Abend steigt in Berlin noch das "rot-rot-grüne Sommerfest", das einige junge Abgeordnete der drei Parteien organisieren. Dort soll unter anderem das gemeinsame Thesenpapier zum "sozial-ökologischen Umbau" Deutschlands diskutiert werden. Das Fest verschiebt sich - oder findet symbolisch im Bundestag statt, sollte die Linke Gauck tatsächlich genügend Stimmen geben.

17:15 Uhr

Und schon positionieren sich die ersten hinsichtlich des dritten Wahlgangs. FDP-Generalsekretär Lindner hat zum Beispiel "keine Angst vor einem Erdbeben im dritten Wahlgang".

17:10 Uhr

Der Plenarsaal leert sich. Die Fraktionen ziehen sich erneut zu Beratungen zurück.

17:08 Uhr

Die schwarz-gelbe Koalition hat ihren Kandidaten zwar wieder nicht durchgebracht. Doch das Ergebnis des zweiten Wahlgangs könnte für Wulff-Anhänger auch ermutigend sein. Mehr Stimmen für Wulff, und je weniger Stimmen für Gauck und Jochimsen: Die Tendenz ist eindeutig.

17:06 Uhr

Auch im zweiten Wahlgang hat keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit erreicht. Es kommt zum dritten Wahlgang. Eine Stunde Pause, sagt Lammert - und unterbricht die Sitzung.

17:04 Uhr

Lammert kommt in den Plenarsaal. Abgegebene Stimmen: 1239, eine ungültige. Sieben Enthaltungen. Joachim Gauck: 490 Stimmen. Luc Jochimsen: 123 Stimmen. Frank Rennicke: drei Stimmen. Christian Wulff: 615 Stimmen. Wieder reicht es nicht.

17:01 Uhr

Die Klingel ertönt, die Wahlleute werden wieder in den Saal geholt. Das Ergebnis wird gleich verkündet. Wieder twittert der SPD-Abgeordnete Sönke Rix die Gerüchte, die gerade durch den Plenarsaal schwirren. "Es gibt wohl einen 3. Wahlgang. Die Demokratie und Freiheit setzt sich weiter durch", schreibt er.

16:51 Uhr

Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder bedauert das Scheitern von Christian Wulff im ersten Wahlgang. "Es hätte uns gutgetan, in der Tat, wenn es im ersten Wahlgang geklappt hätte", sagt Söder der ARD. Dies gelte für das "gesamte Klima" in der Berliner Koalition. Söder mahnt zugleich: "Jeder wäre jetzt klug beraten, die Nerven zu behalten."

16:31 Uhr

Der Vorsitzende der Linken, Klaus Ernst, dementiert jetzt die im Reichstag kursierenden Gerüchte, dass die Linke einen neuen Kandidaten ins Rennen schicken könnte. "Das ist einfach Unfug", erklärt Ernst mit einem verschmitzten Lächeln. "Einen dritten Kandidaten wird es von uns nicht geben."

16:17 Uhr

Der Wahlgang ist abgeschlossen - wieder werden die Urnen herausgetragen, wieder gilt es etwa 40 Minuten zu warten. Kommt es zu einem dritten Wahlgang - oder besinnen sich jene Wahlleute, die Wulff ihre Stimme im ersten Wahlgang verweigert haben, und wählen nun den Mann der schwarz-gelben Koalition? Auch der Live-Ticker von sueddeutsche.de gönnt sich eine Pause. Pünktlich zum Ergebnis sind wir zurück.

15:57 Uhr

Unermüdlich zeigt sich Hildegard Hamm-Brücher. Präsident könne nur jemand sein, der die Entfremdung und den Verlust an Glaubwürdigkeit zwischen Politikern und Bürgern überwinden könne. "Das ist Joachim Gauck für mich." Fazit: Sie glaubt an einen dritten Wahlgang.

15:48 Uhr

Gesine Lötzsch, Linken-Vorsitzende, erweitert bei Phoenix in einem Interview den Raum für Gedankenspiele. Wenn sich die Bundesversammlung nicht einigen könne, müsse man vielleicht über einen ganz neuen Kandidaten nachdenken. Ach so.

15:32 Uhr

Bloß keine Selbstzerfleischung! Kanzlerin Merkel hat die Unionswahlleute davor gewarnt, sich gegenseitig die Schuld zu geben, verlautet aus Fraktionskreisen. CSU-Chef Horst Seehofer habe sich ebenfalls gegen "vorschnelle Verdächtigungen" gewandt. Die Stimmung sei ernst und leicht bedrückt gewesen. Die Kanzlerin habe an die Wahlleute appelliert, nun zu schauen, "was uns die Verantwortung rät", wurde aus den Kreisen weiter berichtet.

15:20 Uhr

"Das erste Gefühl: Demokratie ist lebendig und funktioniert", sagt Joachim Gauck, als er auf den ersten Wahlgang angesprochen wird.

15:17 Uhr

Da capo: Pünktlich und wie angekündigt ruft Bundestagspräsident Lammert um 15.15 Uhr zum zweiten Wahlgang auf.

15:16 Uhr

Der hessische FDP-Abgeordnete Björn Sänger schreibt auf Twitter, dass im zweiten Wahlgang aus dem liberalen Lager mit maximal sieben Stimmen für Gauck zu rechnen ist. "Für die Linke gilt jetzt das alte FDJ-Lied: Sag mir wo Du stehst, sag mir wo Du stehst", twittert Volker Beck von den Grünen. Halina Wawzyniak, stellvertretende Parteivorsitzende der Linken, ätzt zurück: "Mit diesem nostalgischen Zeug demotivierst Du nur."

15:08 Uhr

Eine Grande Dame rührt die Werbetrommel? Hildegard Hamm-Brücher, Wahlfrau der Grünen, will offenbar bei der Linksfraktion für Stimmen für Gauck werben. Das vermeldet die Grünen-Abgeordnete Tabea Rößner.

15:02 Uhr

Die FDP-Fraktionssitzung dauerte nur kurz, schreibt der Abgeordnete Florian Toncar via Twitter. Und lässt seinem Zynismus freien Lauf: "FDP bleibt bei fast geschlossener Unterstützung für Wulff."

14:57 Uhr

Noch eine indirekte Schuldzuweisung? Die FDP wehrt sich gegen Vorwürfe, die Liberalen hätten bei der Bundespräsidentenwahl dem schwarz-gelben Kandidaten Wulff die Stimme verweigert. Genauer: Guido Westerwelle wehrt sich. "Die Freien Demokraten werden Wulff erneut geschlossen unterstützen, wie sie dies im ersten Wahlgang getan haben", lässt Westerwelle die Journalisten wissen. "Wir sind geschlossen und klar aufgestellt." Dies habe ein Meinungsbild in der Fraktionssitzung ergeben.

14:45 Uhr

Offenbar bewegt sich wenig, wenn man der Twitter-Front Glauben schenkt. "Linke wollen im 2. Wahlgang NICHT Gauck wählen. Die lernen es nicht!!" schreibt die Grünen-Abgeordnete Priska Hinz.

14:42 Uhr

Für die grüne Spitzenfrau Renate Künast ist das alles "keine Überraschung", schließlich war es eine freie und geheime Wahl. Erst im zweiten Wahlgang zeige es sich, ob das nur ein Denkzettel für Merkel gewesen sei und nun die Reihen geschlossen werden können. Und im dritten, ja im dritten Wahlgang, da entscheide sich alles via Linkspartei - und die solle doch bitte noch mal in sich gehen, ob sie nicht doch einen Bundespräsidenten Gauck wolle - oder sich lieber später fragen lassen würde: "Ein Bundespräsident Gauck ist möglich gewesen."

14:37 Uhr

Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel bleibt ganz locker. Es haben sich "in dem eingespielten" Verfahren im Vorfeld der Wahl nur vier Wahlmänner oder Wahlfrauen vorher geoutet, dass sie Gauck wählen wollen. Und deshalb glaube er auch daran, dass es nur vier von der FDP gewesen seien. Beginnen da schon die Schuldzuweisungen?

14:32 Uhr

Die Schadenfreude bei der Opposition ist groß. Grünen-Parteichefin Claudia Roth, mal wieder ganz in Grün gekleidet, lobt ihren Kandidaten Gauck über den Klee. Und es sei "so toll", dass das auch von vielen Abgeordneten von Union und FDP so gesehen werde. Daneben strahlt SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, ziemlich in Rot gekleidet. Sie deutet den ersten Wahlgang zugleich als Vertrauensbeweis für Gauck und als Ausdruck der Unzufriedenheit mit Merkel.

14:25 Uhr

Von dieser Überraschung müssen sich die Wahlleute erst mal erholen. Bundestagspräsident Norbert Lammert unterbricht die Bundesversammlung, nachdem Wulff im ersten Wahlgang gescheitert ist. Der zweite Wahlgang soll um 15.15 Uhr stattfinden. SPD und Grüne gehen schon mal von drei Durchgängen aus.

14:20 Uhr

Auch dieses Mal wussten Twitter-Nutzer mehr: Etwa fünf Minuten vor der Verkündung durch Bundestagspräsident Lammert hatte der SPD-Abgeordnete Sönke Rix getwittert, dass es wohl einen zweiten Wahlgang geben werde. Bereits zuvor hatte ein Piratenpartei-Mitglied aus Baden-Württemberg unter Berufung auf "gut informierte Kreise" ein genaues Ergebnis getwittert, das im Netz die Runde macht. Es stellte sich jedoch als falsch heraus.

14:18 Uhr

Um 23 Stimmen hat Wulff die absolute Mehrheit verpasst. 44 Abgeordnete, die für den CDU-Politiker hätten stimmen müssen, haben sich für den Denkzettel entschieden.

14:17 Uhr

Bundestagspräsident Lammert stellt fest, dass Wulff nicht genügend Stimmen erhalten hat. Ein zweiter Wahlgang ist vonnöten.

14:14 Uhr

Joachim Gauck: 499 Stimmen. Luc Jochimsen: 126 Stimmen. Frank Rennicke: drei Stimmen. Christian Wulff 600 Stimmen.

14:10 Uhr

Schauspielerin Martina Gedeck, Wahlfrau für die Grünen, freut sich, "mal in der Wirklichkeit" zu sein. Das letzte Mal, als sie im Bundestag war, habe sie einen Film gedreht. Sie freue sich über die Freundlichkeit im Plenarsaal und sagt, dass alle "gut drauf" seien. Nun hat es geklingelt. Es geht los!

14:06 Uhr

Das Ergebnis wird für die nächsten Minuten erwartet. Zuvor meldet sich noch schnell Wolfgang Kubicki zu Wort, Schleswig-Holsteins bekanntester FDP-Mann. Er wirkt resigniert: Die Mehrheit der Liberalen habe sich für Wulff entschieden und das müsse er so hinnehmen. "Mein Herz schlägt für Gauck, mein Kopf für Wulff." Und so habe er sich für Wulff entschieden, aus einem Gebot der Fairness, weil sich Schwarz-Gelb "nun mal" dazu entschieden habe. Überzeugung klingt anders.

13:56 Uhr

Es scheint sich etwas herumzusprechen. "Ich kenne das Ergebnis der Präsidentenwahl - aber ich würde es natürlich nie vorher verraten!", twittert der Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz. Er ist kein Mitglied der Auszähl-Kommission. Vielleicht wollte er nur einmal im sueddeutsche.de-Ticker vorkommen. Auf Twitter mehren sich aber die Gerüchte, dass Wulff gewonnen hat.

13:32 Uhr

Lammert schließt die Wahl, nachdem er sich noch mal vergewissert hat, dass auch wirklich alle Mitglieder der Bundesversammlung ihre Stimme abgegeben haben, und unterbricht die Sitzung nun. Den Wahlleuten gibt der fürsorgliche Bundestagspräsident noch Tipps für ihre Freizeitgestaltung mit auf den Weg. Die Auszählung werde wohl ungefähr 40 Minuten dauern, "das reicht für einen Spaziergang um das Reichstagsgebäude herum, für einen Ausflug zum Wannsee wohl nicht". Jetzt werden die Urnen herausgetragen. Die Sitzung ist unterbrochen.

13:23 Uhr

Oskar Lafontaine, Ex-SPD- und -Linken-Vorsitzender, bekräftigt abermals wieso Gauck für die Linke nicht wahlfähig ist. Vor allem wegen Afghanistan. Und da sei Gauck einfach grundsätzlich anderer Auffassung als Lafontaines (aktuelle) Partei. Lafontaine beruft sich zudem auf einen "Arbeitskreis Willy Brandt" in der SPD (!), der festgestellt habe, dass die "Gauck-Behörde" nicht dazu geeignet gewesen sei, die DDR-Vergangenheit aufzuarbeiten. Aber das sei nicht der eigentliche Grund der Ablehnung gewesen, sondern eben seine Haltung in der Kriegsfrage. Mit Brigitte Zypries' Aufruf endet die erste Abstimmung. Jetzt wird gezählt.

13:10 Uhr

Der langwierige Abstimmungsprozess wird auch für die Mitglieder der Bundesversammlung allmählich zur Qual - wenn man ihren Tweets glauben darf. "Stelle Antrag auf Umkehr der Wahlreihenfolge" zwitschert die CSU-Abgeordnete Dagmar Wöhrl. Sie muss weiter auf ihre Stimmabgabe warten.

13:05 Uhr

Ein bisschen ist die Bundesversammlung auch ein Klassentreffen der Großen der deutschen Politik - von früher, von heute und von morgen. Hildegard Hamm-Brücher, Grande Dame der FDP und nun grüne Wahlfrau, scherzt mit Bernhard Vogel, dem früheren CDU-Ministerpräsidenten Thüringens; der Verleger Hubert Burda unterhält sich mit Finanzminister Wolfgang Schäuble; Kanzlerin Merkel spricht mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und FDP-Chef Guido Westerwelle ist überall zu finden. Einige weniger prominente Wahlmänner und Wahlfrauen zücken auch mal eine kleine Digitalkamera, um diesen Tag, diese Wahl fürs Familienalbum festzuhalten. Dem Charakter eines Klassentreffens kommt man so noch ein Stückchen näher. Schade eigentlich - und ein wenig befremdlich, handelt es sich hierbei doch um die Wahl des Staatsoberhauptes.

12:53 Uhr

Erwin Staudt, Präsident des VfB Stuttgart und Wahlmann für die SPD, wird vom Phoenix-Moderator gefragt, was wahrscheinlicher sei: ein WM-Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft oder ein Wahlsieger Gauck. Staudt betont, er wünsche beiden den Erfolg, aber wahrscheinlicher sei, dass Jogis Mannen den Pokal holen. Der Fußball ist auch bei Twitter ein Thema: "Das Langweiligste bei so einer Bundespräsidentenwahl ist ja doch die Vorrunde. Ihr sagt beim Halbfinale Bescheid, ja?"

12:46 Uhr

Die Wahlmänner und Wahlfrauen wuseln unter der Reichstagskuppel, während Name nach Name heruntergelesen wird. Spitzenpolitiker unterhalten sich über alle Fraktionsgrenzen hinweg. Doch Lammert sitzt auf seinem angestammten Platz - der Bundestagspräsident überwacht leicht erhöht das Treiben. Christian Wulff sitzt neben der Kanzlerin. Beide lächeln, aber entspannt sieht anders aus. Immerhin darf Wulff schon mal ein Autogramm geben. Vielleicht das letzte, unter dem nicht steht: Christian Wulff, Bundespräsident.

12:23 Uhr

Die Wahl des Bundespräsidenten geht in die entscheidende Phase. Die Wahlmänner werden nun alphabetisch aufgerufen. Zuvor ermahnt Lammert die Wahlleute, etwaige Blumengebinde für den Sieger bitte doch erst nach der Verkündung des Ergebnisses in den Saal zu bringen. Ein Seitenhieb auf die letzte Bundesversammlung, bei der die Blumensträuße schon frühzeitig im Saal waren.

12:17 Uhr

Während Lammerts Rede wächst die Ungeduld im Netz. "Steigt schon weißer Gauck auf?", fragt jemand über Twitter. Und auch aus dem Plenum wird bereits getwittert - das Wahlergebnis kennt jedoch noch niemand. Eine Staatskrise sei die Neuwahl des Bundespräsidenten nicht, betont Lammert indes in seiner Rede. Köhlers Amtsverzicht habe aber in der Öffentlichkeit "eine Nachdenklichkeit erzeugt, die bei allen direkt und indirekt Beteiligten Anlass auch zur selbstkritischen Befassung mit ihrer eigenen Rolle und zum Umgang mit öffentlichen Ämtern gibt". Dies gelte für Amtsinhaber wie Bewerber, für politische Parteien, aber auch für die Medien.

12:14 Uhr

Bundestagspräsident Lammert hält eine Rede, die auch eines Bundespräsidenten würdig ist. Er verweist auf die Bedeutung des Amtes und auf das freie Mandat, um das es ja im Vorfeld so viel Aufregung gegeben hatte. Dann stellt er den Unterschied zwischen einer Erbfolge und einer freien Wahl dar. Applaus aus den Reihen der Grünen. Verunsicherung. Kleiner Eklat. Lammert fasst sich und ist ironiefähig: "Ich bin mir nicht sicher, ob das Protokoll jetzt alle Anhänger der Erbmonarchie erfasst hat." Lammert setzt seine Rede fort: "Niemand steht unter Denkmalschutz. Nicht einmal das Staatsoberhaupt. Kritik muss sein." Aber Köhler habe durchaus zu Recht Respekt eingefordert. Sein Rücktritt sei "alles andere als ein normaler Vorgang“ und in der deutschen Demokratiegeschichte einmalig, sagt Lammert - und kann sich indirekt doch nicht verkneifen, dass immer noch große Ratlosigkeit über die Beweggründe Köhlers herrscht. Die Entscheidung und die Gründe Köhlers seien zu respektieren, "auch wenn viele von uns sie noch immer nicht wirklich verstehen können".

12:02 Uhr

Falls die Gauck-Sympathisanten wirklich mit einer Überraschung gerechnet haben, wird ihr Optimismus durch Folgendes sicherlich etwas eingetrübt: Die Sozialdemokraten müssen auf zwei Delegiertenstimmen verzichten. Die Bundestagsabgeordneten Sabine Bätzing-Lichtenthäler und Uta Zapf fehlen, wie ein Sprecher der SPD-Fraktion berichtet. Die 35-jährige Bätzing-Lichtenthäler ist hochschwanger und die 68-jährige Zapf hat sich krankgemeldet. Somit sinkt die Zahl der SPD-Stimmen von 333 auf 331. Union, Grüne und FDP sind hingegen vollständig. Auch die Linke rechnet mit Vollzähligkeit, allerdings sind noch zwei Wahlmänner auf dem Weg vom Flughafen zum Reichstagsgebäude. Kurz nach zwölf, die 14. Bundesversammlung ist eröffnet.

11:54 Uhr

Tarek Al-Wazir, Landes- und Fraktionschef der Grünen in Hessen und legitimer Nachfolger von Joschka Fischer, haut noch mal auf die Linke ein, die "völlig irrational" sei. Er spricht ihr schlicht die Politikfähigkeit ab. Warum diese Partei denn mit ihrem Verhalten im Grunde Wulff stütze, das verstehe er nicht.

11:50 Uhr

Jörg-Uwe Hahn, Hessens FDP-Landes- und Fraktionschef, betont die gute Stimmung in seiner Fraktion: "Wir haben auch viel gelacht eben." Es gehe darum, eine Persönlichkeit zu wählen. Gauck sei nur eine Seite der Medaille, und in der Rolle des Vermittlers zwischen den Parteien brauche man den Ex-Bürgerrechtler nicht. So wie Hahn schon immer unerschütterlich zu seinem Busenfreund Roland Koch gehalten hat, sichert er nun einem anderen CDU-Mann seine Loyalität zu. Apropos Roland Koch: Der scheidende Ministerpräsident Hessens glaubt natürlich auch fest daran, dass Wulff gewählt werde. Wenn es nicht im ersten Wahlgang klappe, sei dies Demokratie. So einfach ist Politik manchmal.

11:43 Uhr

David McAllister, Niedersachsens CDU-Partei- und Fraktionschef und designierter Ministerpräsident, lobt Christian Wulff über den Klee. Muss er ja auch, sonst wird der 39-Jährige morgen nicht Regierungschef in Hannover. Kurt Beck, Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz, setzt sich noch einmal für Gauck ein: "Bei geheimen Wahlen hat man immer eine Chance. Aber natürlich auch wir können rechnen …" Sehr realistisch, der Mann aus Mainz, hätte er nicht noch hinterhergesetzt, er habe ein gutes Gefühl bei der Wahl. Hubert Aiwanger, Landeschef der Freien Wähler in Bayern, sichert noch mal die Unterstützung seiner Abgeordneten für Gauck zu. "Allerdings kann es die ein oder andere Stimme für Wulff" geben, sagt er in lockerer Liberalität.

11:29 Uhr

Freunde der Polemik kommen bei Twitter auf ihre Kosten: "Das interessanteste an Wulff ist, dass er mit zwei f geschrieben wird", heißt es dort. Dass er zuletzt im Film "Zweiohrkücken" war, wird ihm als Mangel an Intellekt ausgelegt. Doch auch Gauck bekommt sein Fett ab: Er spalte die Linken und sei "eitel wie eine Lore nackter Affen", heißt es da.

11:20 Uhr

Die drei FDP-Dissidenten aus Sachsen ändern anders als ihr Parteikollege aus Thüringen ihre Meinung nicht mehr. Sie wollen bei der Bundesversammlung über alle Wahlgänge hinweg für Joachim Gauck stimmen. "Unsere Wahl ist keine taktische Überlegung. Ich will, dass Gauck Bundespräsident wird", sagt der sächsische FDP-Chef Holger Zastrow der Nachrichtenagentur dpa vor der Abstimmung in Berlin. "Wir haben alle unsere politischen Wurzeln in der friedlichen Revolution. Das prägt ganz besonders", begründet er die Entscheidung für Gauck. Diese Ansicht werde auch von den beiden anderen sächsischen FDP-Wahlleuten geteilt.

11:14 Uhr

Auch bei Twitter stimmen sich die User langsam auf die Abstimmung ein und diskutieren bereits jetzt aufgeregt über die anstehende Wahl. In Sachen Sympathie liegt Gauck dort deutlich vorne, auch wenn inzwischen kritische Stimmen zu hören sind: So kritisiert die Piratenpartei, dass sich der Oppositionskandidat jüngst für stärkere Eingriffe ins Internet ausgesprochen hat. Beim Ausgang der Wahl rechnen aber nur wenige mit einer Überraschung: Die meisten Tipps sehen Christian Wulff vorne.

11:11 Uhr

"Kommt Gauck mit dem Auto oder wandelt er schwebend über die Spree?" Friedrich Nowottny ist begeistert von Gauck, aber eben mit dem ihm eigenen Humor. Bei Phoenix versucht der prominente Journalist das "Phänomen Gauck" zu erklären, der wirklich für das Volk spreche. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier ist auf sich selbst stolz, dass es Rot-Grün gelungen sei, einen so "überzeugenden Kandidaten" aufzustellen. Und er hoffe inständig, er werde auch eine Mehrheit bekommen.

10:56 Uhr

NRW-SPD-Chefin Hannelore Kraft wirbt bei Phoenix noch mal für Gauck, der wirklich ein "unabhängiger Kandidat" sei. Und genau so eine Persönlichkeit brauche das Land. Uwe Barth, Landes- und Fraktionsvorsitzender der Liberalen in Thüringen, hat sich umentschieden. In letzter Stunde wurde der Unterstützer von Gauck in einem persönlichen Gespräch noch von Wulff überzeugt, für ihn zu stimmen. Begründung: "Der kennt die Parteien einfach besser." Na denn.

10:52 Uhr

Vielleicht legt sich die Linke aber doch noch fest: Kurz vor der Wahl des neuen Bundespräsidenten beginnen in diesen Minuten die letzten Beratungen der Delegierten. Im Reichstagsgebäude kommen die Wahlleute der Linken als erste zusammen - weil sie am meisten zu diskutieren haben? Die Sitzungen der anderen Parteien sollen gegen 11 Uhr beginnen.

10:33 Uhr

Die Haltung der Linken ist auch knapp eineinhalb Stunden vor der Abstimmung nicht jedem klar – vor allem den Linken selbst nicht, wie es scheint. Während die Parteivorsitzende Gesine Lötzsch ihre Ablehnung gegen Joachim Gauck im ZDF-Morgenmagazin unterstreicht und ohnehin von einer kurzen Wahl ausgeht ("Wir haben gemerkt, dass unsere zentralen Fragen, Afghanistan und die Sozialpolitik, von ihm anders bewertet werden als von uns"), will es sich der stellvertretende Fraktionschef Dietmar Bartsch offenhalten, Gauck im zweiten und dritten Wahlgang vielleicht doch zu wählen. Die Linkspartei werde im ersten Wahlgang ihre eigene Kandidatin Luc Jochimsen wählen, sagte Bartsch dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Danach werden wir jeweils neu beraten. So haben wir es entschieden. Und dabei sollten wir bleiben."

10:21 Uhr

Und wer wird es jetzt? Christian Wulff zeigt sich wenige Stunden vor der Wahl optimistisch, den Reichstag heute als Gewinner der Wahl zu verlassen. "Ich bin ganz zuversichtlich, dass es gelingen wird, der zehnte Bundespräsident zu werden", lässt Wulff am Mittwochmorgen noch die Nachrichtenagentur dpa wissen. "Das ist ein wichtiger Tag, und ich hoffe sehr, dass es uns gelingt, heute eine faire und eindrucksvolle Wahl in der Bundesversammlung durchzuführen." Auf die Frage, wie er geschlafen habe, sagte Wulff: "zu kurz, aber die wenigen Stunden perfekt". Auch der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hans-Peter Friedrich, ist zuversichtlich. "Wir haben eine Mehrheit von 21 Stimmen, das müsste eigentlich ausreichen." Friedrich weist zugleich den Vorwurf zurück, dass die Parteien zu großen Druck auf die Wahlmänner und -frauen in der Bundesversammlung ausgeübt hätten. "Die Abstimmung ist frei. Sie ist geheim. Insofern ist die Diskussion unsinnig." Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sieht die Sache natürlich ein wenig anders. Bei den Delegierten von Union und FDP sei eine "angsterfüllte Disziplin" spürbar, sagt er. Es herrsche die Sorge, wie es bei einem schlechten Abschneiden des schwarz-gelben Kandidaten Wulff mit der Bundesregierung weitergehe.

10:14 Uhr

Bevor es in den Plenarsaal geht, sind die Mitglieder der Bundesversammlung zu einem ökumenischen Gottesdienst zusammengekommen. Auch die Kandidaten Wulff, Gauck und Jochimsen finden sich in der St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin ein. Am Gottesdienst in der katholischen Kirche nehmen auch Kanzlerin Merkel und mehrere Kabinettsmitglieder teil. Um 12 Uhr wird die Bundesversammlung dann im Reichstag zusammen, um das neue Staatsoberhaupt zu wählen. Je nach der Zahl der notwendigen Wahlgänge kann die Entscheidung erst am Nachmittag oder Abend fallen.

09:39 Uhr

Es ist angerichtet: Von 12 Uhr an wählt die Bundesversammlung das neue Staatsoberhaupt. Im Rennen sind Christian Wulff, der Kandidat der schwarz-gelben Koalition, Joachim Gauck, der für SPD und Grüne antritt, und Luc Jochimsen, Kandidatin der Linken. Für den reibungslosen Ablauf der Wahl zeichnet Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) verantwortlich. Lammert, der auch Präsident der Bundesversammlung ist, hat im Interview mit dem ZDF-Morgenmagazin die Ruhe weg: "Ich habe keinen Zweifel daran, dass trotz der knappen Fristen alles perfekt vorbereitet ist." Die Twitter-Panne, die im vergangenen Jahr bei der Wiederwahl Köhler für Schlagzeilen sorgte, hat der CDU-Mann indes nicht vergessen. Er werde deswegen heute noch einmal mit den Schriftführern reden, sagte Lammert. "Ich werde nicht nur an die Erfahrungen des letzten Males erinnern, sondern auch an den Wunsch des Ältestenrates des Bundestages, dass sich das nicht wiederholt." Im vergangenen Jahr hatten gleich zwei Delegierte, Julia Klöckner von der CDU und SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber, über den Internet- Kurzmitteilungsdienst Twitter vor der offiziellen Verkündigung die Wiederwahl Köhlers verkündet.