Von Sebastian Beck

Die Union sucht ihre Delegierten für die Bundesversammlung mit Bedacht aus. Denn unberechenbare Prominente könnten die Wahl von Horst Köhler gefährden.

Wen die CSU am 23.Mai zur Wahl des Bundespräsidenten nach Berlin schicken wird, ist zwar noch offen. Aber eines steht aus Sicht ihres Sprechers Michael Strepp jetzt schon fest: Der Glamourfaktor wird diesmal stark reduziert sein.

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(© Foto: AP)

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Zwar sollen neben Parteimitgliedern wieder Prominente auf der Delegiertenliste für die Bundesversammlung platziert werden, doch allesamt aus "absolut seriösen Bereichen", wie Strepp in verbindlichem Ton versichert.

Was darunter zu verstehen ist, muss die CSU bis spätestens Ende März geklärt haben. Dann läuft die Frist für die Meldung der Wahlmänner aus den Bundesländern ab. Seitdem 1989 erstmals zwei bekannte Nichtpolitiker, der Fußballer Pierre Littbarski (für die CDU) und der Kabarettist Dieter Hildebrandt (für die SPD), an der Bundesversammlung teilnahmen, schmücken sich die Parteien bei der Präsidentenwahl gerne mit Stars.

Auch in diesem Jahr finden sich wieder zahlreiche bekannte Namen auf den Listen: So hat die Berliner CDU abermals die Verlegerin Friede Springer nominiert; die Hauptstadt-Grünen vertrauen auf Marianne Birthler, Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, und den Schriftsteller Feridun Zaimoglu.

Verlegerin, Schriftsteller und ein Honecker-Imitator

Leonard Lansink, dem Fernsehvolk als westfälischer Privatdetektiv Georg Wilsberg geläufig, gibt seine Stimme im Auftrag der SPD ab. Für die Linke aus Sachsen tritt der Polizeiruf-110-Kommissar und Honecker-Imitator Uwe Steimle an. Die Hamburger SPD hat sich ebenfalls ein bekanntes Gesicht ausgesucht: Für sie stimmt Nina Petri ab, die unter anderem im Kinofilm "Lola rennt" mitspielte.

Die Liste der Stars dürfte in den nächsten Tagen deutlich länger werden, weil in der Mehrzahl der Bundesländer die Wahlmänner erst noch bestimmt werden müssen. Doch so gut die Namen auch klingen mögen, aus Sicht der Parteien sind die unabhängigen Promi-Delegierten ein Risiko - gerade bei dieser Wahl.

Denn Amtsinhaber Horst Köhler, Kandidat von Union und FDP, verfügt nur über eine äußerst knappe rechnerische Mehrheit gegenüber seinen Konkurrenten Gesine Schwan (SPD) und Peter Sodann (Linke): Von den 1224 Delegierten benötigt Köhler die absolute Mehrheit von 613 Stimmen, um in den ersten beiden Wahlgängen gewählt zu werden, erst im dritten Wahlgang würde bereits die einfache Mehrheit reichen.

Das Lager von Union und FDP kommt auf 616 Stimmen, wenn die zehn Delegierten der Freien Wähler aus Bayern - unter ihnen Gabriele Pauli - eingerechnet werden. Offiziell haben sie sich zwar für Horst Köhler ausgesprochen, doch inoffiziell ist auch zu hören, was für eine tolle und intelligente Frau diese Gesine Schwan doch sei.

Nur dem eigenen Gewissen verpflichtet

Da die Wahlmänner und -frauen bei der Abstimmung nur ihrem Gewissen verpflichtet sind, aber auch spontanen Eingebungen und schwankenden Stimmungen unterliegen, wird es wohl auch am 23.Mai wieder Abweichler geben - die Frage ist nur, wie viele und auf welcher Seite.

Vor fünf Jahren bereitete Gloria von Thurn und Taxis der CSU eine Peinlichkeit: Die schrille Prinzessin aus der Oberpfalz, bekannt für ihre Thesen über schnackselnde Schwarze, stimmte nicht etwa für Köhler, sondern für Schwan. Zu allem Überfluss fiel sie der unterlegenen Kandidatin auch noch um den Hals und schwärmte: "Sie sind eine wunderbare Frau! Ich habe Sie gewählt."

Die CSU hält seitdem einen Sicherheitsabstand zur Prinzessin. Diesmal, kündigte Ministerpräsident Horst Seehofer an, werde man keine Paradiesvögel nach Berlin schicken.

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(SZ vom 07.03.2009/liv)