Die Wahl des Bundespräsidenten könnte spannend werden, denn die Mehrheit von Union und FDP ist Christian Wulff keineswegs sicher. Der Niedersachse wirbt für die Geschlossenheit des bürgerlichen Lagers, Gegenkandidat Gauck warnt vor Parteiengeschachere.
Christian Wulff ist der Kandidat der Koalitionsparteien - sicher ist die Wahl des CDU-Politikers zum Bundespräsidenten aber nicht: In den Reihen von Union und FDP regte sich am Wochenende zunehmend Unmut gegen seine Nominierung.
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Der CDU-Politiker Christian Wulff ist der Kandidat der Koalitionsparteien für das Amt des Bundespräsidenten - von einem sicheren Sieg geht er trotzdem nicht aus. (© AP)
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Auch in der Gunst der Bevölkerung liegt Wulff einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid zufolge derzeit nur knapp vorne. 41 Prozent sind demnach für den langjährigen niedersächsischen Ministerpräsidenten, 32 Prozent votieren für Gauck. 83 Prozent der Befragten hätten sich gewünscht, dass Horst Köhler im Amt geblieben wäre. Nur elf Prozent fanden das nicht. Emnid befragte am Freitag insgesamt 501 Personen.
Wulff selbst hält einen Sieg trotz der schwarz-gelben Mehrheit in der Bundesversammlung nicht für gesichert. "Es kommt auf die Geschlossenheit von CDU, CSU und FDP an", sagte Wulff der Bild am Sonntag. "Sicher bin ich mir erst, wenn die Mehrheit verkündet ist."
Mut und Versöhnung
Sein Gegenkandidat, der Stasi-Aufklärer und frühere DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck, warnte indes vor Parteiengeschachere um das höchste deutsche Staatsamt. Es gehe in dem Amt darum, "Mut zu machen und zu versöhnen", sagte Gauck der Bild am Sonntag. Deshalb sei es gut, wenn der Bundespräsident mitten aus dem Volk komme. "So wichtig Parteien sind, dieses Amt sollte keine Beute von Parteien sein", sagte Gauck.
Der bisherige Bundespräsident Horst Köhler war nach sechsjähriger Amtszeit am vergangenen Montag überraschend zurückgetreten. Die Regierungskoalition suchte daraufhin fieberhaft nach einem geeigneten Nachfolger. Nachdem zunächst Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) als Favoritin gehandelt worden war, präsentierten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), FDP-Chef Guido Westerwelle und CSU-Chef Horst Seehofer schließlich Wulff als ihren Kandidaten.
Allerdings trifft Gegenkandidat Gauck auch im schwarz-gelben Regierungslager auf Sympathien. Vor allem in der FDP wurden am Wochenende vermehrt Bedenken gegen Wulff laut. Es gebe "keinen Blankoscheck" für ihn, sagte der sächsische FDP-Chef Holger Zastrow der Welt am Sonntag.
Selbst Unionspolitiker äußerten Sympathien für Gauck. Der langjährige brandenburgische CDU-Vorsitzende Jörg Schönbohm stellte im Spiegel die Frage, warum es nicht möglich gewesen sei, "sich im bürgerlichen Lager mit der SPD auf Gauck zu einigen".
Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) würdigte Gauck in einem Interview als "seriösen und intelligenten Mann mit großen Verdiensten". CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hob indes im Hamburger Abendblatt hervor, er zweifle nicht daran, "dass CDU, CSU und FDP in der Bundesversammlung geschlossen für Christian Wulff stimmen".
Linke will eigenen Kandidaten vorstellen
Gauck sagte der Bild, er hätte sich auch von Union und FDP für das Amt des Bundespräsidenten nominieren lassen. "Ich hätte mich gefreut und hätte Ja gesagt." Seine Nominierung durch SPD und Grüne begreife er als "Signal der Öffnung". Es sei eine unkonventionelle Entscheidung gewesen, "dass ich von diesem Lager nominiert wurde", sagte er.
Die Linke will Anfang der Woche einen eigenen Kandidaten vorstellen. Der Linkspartei-Vorsitzende Klaus Ernst sagte der Thüringer Allgemeinen, mit höchster Wahrscheinlichkeit werde eine Frau nominiert. Die Parlamentsgeschäftsführerin der Linken im Bundestag, Dagmar Enkelmann, sprach sich hingegen in der Rheinpfalz am Sonntag für einen Verzicht auf einen eigenen Kandidaten aus.
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(sueddeutsche.de/AFP/Reuters/dpa/AP/aho/mel)
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Wenn ich "aho" oder "mel" aus der SZ-Redaktion wäre, würde ich bei Emnid (und Forsa) mal deutlich nachfragen, wie dort gearbeitet wird und eine Erklärung für das eklatante Auseinanderdriften einfordern. Denn ansonsten sind sie wohl einem Spin-Doctor aufgesessen, merken es nicht mal und veröffentlichen bald wieder eine "Umfrage".
Tipp aus der Journalistenschule: follow the money
Den Unterschied zwischen Online- und repräsentativer Umfrage verstehe ich durchaus. Wenn sich jedoch quer durch alle Medien (und Wählerkategorien) ein eklatant anderes Ergebnis abzeichnet, gerate ich ob der Repräsentativität ins Grübeln.
Lesen Sie hierzu doch einfach den Spiegel-Artikel "Gauck hängt Wulff in Umfrage ab": 42 Prozent der Bundesbürger würden für den früheren Stasi-Akten-Beauftragten Gauck votieren, wenn sie den Bundespräsidenten selbst wählen könnten, wie aus der am Mittwoch vom Hamburger Magazin "Stern" veröffentlichten Forsa-Umfrage hervorgeht. 32 Prozent würden sich für den niedersächsischen CDU-Ministerpräsidenten entscheiden.
Also eine Umkehr der Emnid-Ergebnisse in der Forsa-Studie. Ergo, einer von beiden liegt entweder methodisch voll daneben oder hat bewußt ein Gefälligkeitsgutachten erstellt.
Zitat:"Der Niedersachse wirbt für die Geschlossenheit des bürgerlichen Lagers,.."--------------- Da kann er lange werben. Die 'Geschlossenheit des bürgerlichen Lagers' bekommen wir Bürger jeden Tag aufs neue vorgeführt. In Presse, Funk, Fernsehen und Internet. Wie lautete doch die zuletzt verwendeten Zärtlichkeiten? Traumatisch? Wildsau?
Ist es wirklich so schwer, den Unterschied zwischen repräsentativen Umfragen und Online-Umfragen auf Internetseiten zu verstehen?
healt weder Ochs noch Esel auf.
Paging