Horst Köhler dagegen ist ein Kunststück gelungen: Die Deutschen, auch die Mehrheit der Wahlfrauen und Wahlmänner der Bundesversammlung, mögen ihn auch für das, was er nicht kann. Köhler kann wirklich nicht gut, was Bundespräsidenten angeblich können müssen - die großen Streitfragen intellektuell ins Schweben bringen.

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Man hat das am Vortag der Bundespräsidenten-Wahl wieder erleben müssen, als er die Festrede zum 60. Jubiläum des Grundgesetzes hielt. Er nannte das Grundgesetz zutreffend einen "Leuchtturm", seine Rede aber war alles andere als dies; sie war nur ein Teelicht. Aber die meisten Leute sind zufrieden. Wichtiger als gescheites Daherreden ist ihnen, dass Köhler die Tränen in die Augen steigen bei seiner Trauerrede in Winnenden.

Schadet ihm die bescheidene Stimmenzahl des ersten Wahlgangs? Nein, gewählt ist gewählt. Und im Publikum kommentierte einer: "Ein gutes Pferd springt auch nur so hoch, wie es muss." Köhler wäre zwar gern höher gesprungen. Aber das knappe Ergebnis wird bald vergessen sein.

Und Gesine Schwan? Sie hat zum zweiten Mal mit Anstand verloren. Und die SPD hat eine Wahl verloren, bei der sie nicht selten den Eindruck machte, gar nicht gewinnen zu wollen. Sie ist zufrieden, obwohl sie eigentlich nicht zufrieden sein kann. Aber das sagt ja einiges über den Zustand der Sozialdemokratie.

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  1. Der neue alte Köhler
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(sueddeutsche.de/mati)