Ein Kommentar von Heribert Prantl

In seiner zweiten Amtszeit muss sich Horst Köhler als anderer Präsident präsentieren - denn auch die Republik ist eine andere geworden.

Es waren weniger Stimmen für Horst Köhler als allgemein erwartet, aber sie haben schon im ersten Wahlgang mit knappster Not gereicht. 613 der 1223 Delegierten votierten für Köhler. Die Überraschung gibt es also nicht, die Sensation bleibt aus, der neue Bundespräsident ist der alte - das zeigte sich auch in seiner vorbereiteten, aber doch bescheidenen Dankesrede.

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Der alte ist der neue: Bundespräsident Horst Köhler nach seiner Wiederwahl. (© Foto: AP)

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Aber: Dieser neue alte Präsident wird ein anderer Präsident sein müssen. Die Wahl von 2009 ist nicht einfach eine Wiederwahl Köhlers, sie ist nicht einfach eine Wiederholung seiner Wahl von 2004. Sie kann es nicht sein, sie darf es nicht sein.

Zwischen seiner letzten Wahl 2004 und der Wiederwahl liegen nicht einfach nur fünf Jahre; dazwischen liegt eine ganze politische Epoche, eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Zeitenwende. Das Land ist ein anderes geworden, die Krise wird es weiter verändern. Also wird sich auch der Präsident dieses Landes noch viel mehr ändern müssen, als er dies schon getan hat.

Es wird nicht reichen, wenn er weiterhin den freudenreichen Rosenkranz der Gemeinplätze aufsagt. Die von Köhler darin eingestreuten Fürbitten sind schon in den vergangenen fünf Jahren andere geworden. Sie handeln nicht mehr vom Umbau des Sozialstaats, sondern vom Abbau der Gier der Manager und von den Chancen der Krise. Aber was wird der Präsident sagen, wenn immer mehr arbeitslose Menschen das gängige Reden von den Chancen der Krise als Zynismus empfinden?

Horst Köhler ist wieder Präsident geworden - nicht wegen seiner Brillanz, sondern wegen der vorhandenen rechnerischen Mehrheit (die sich beinahe nicht realisiert hätte). Aber nicht nur dieser Mehrheit wegen heißt der Bundespräsident der nächsten fünf Jahre wieder Horst Köhler.

Köhler verkörpert zwar nicht so sehr den Zeitgeist wie die forsche, kluge und umtriebige Gesine Schwan; aber er verkörpert viel mehr als sie den Volksgeist, den "esprit général d'une nation" - ohne dass man in seinem Fall wirklich von "Esprit" reden könnte. Er ist auf seine ungelenke Weise volkstümlich.

Er hat gelernt, mit seinen Schwächen zu kokettieren, er hat aus seinen Schwächen Stärken gemacht. Gesine Schwan hingegen ist es nicht gelungen, ihre Stärken auszuspielen. Ihre Klugheit blieb akademisch, ihre Intellektualität wurde nicht volkstümlich. Die Leute erschraken davor mehr, als dass sie die Kandidatin dafür bewundert hätten.

Noch am Vorabend der Wahl, beim SPD-Treffen im schönen Hamburger Bahnhof, hielt Gesine Schwan ihren Wahlmännern und Wahlfrauen einen Vortrag über Demokratie, statt ein paar neckisch-liebenswürdig-werbende Sätze zu sagen. So wurde ihre Stärke zu ihrer Schwäche. Aus Professoralität wurde nicht Popularität.

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