"Seien Sie Vorbild und rüsten Sie ab!" - das fordern die Grünen in Stuttgart von den Ministern. Denn die wollen, dass die Bürger ihre Gewehre und Pistolen abgeben - sind aber selbst äußerst waffenverliebt.
Es klang alles nach einer guten Sache. Der Ministerpräsident und der Justizminister von Baden-Württemberg saßen nebeneinander im Stuttgarter Landtag und verkündeten, dass man etwas gegen den Waffenbesitz in der Bevölkerung tun wolle. "Unser Ziel ist es, dass möglichst wenig Waffen in privater Hand bleiben", sagte Justizminister Ulrich Goll (FDP) am Dienstag.
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Baden-württembergische Minister sind fasziniert von ihren gefährlichen Spielzeugen. (© Foto: AP)
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Das Land wolle über den Bundesrat die Amnestieregelung für die Rückgabe illegaler Waffen verlängern und hoffe, dass auch Menschen, die legal eine Waffe besitzen, sich überlegen, ob man wirklich noch eine braucht. Auch im Gedenken an die Opfer des Amoklaufs von Winnenden und Wendlingen solle das Land ein friedlicheres werden.
Goll machte ein ernstes Gesicht dazu. Und erzählte dann, dass er selbst zwei Pistolen besitze. Dabei geriet er ein wenig ins Schwärmen: Eine Heckler & Koch 9-Millimeter und eine Smith & Wesson Kaliber 22. Spaß am "sportlich-technischen Aspekt" habe ihn dazu gebracht, sich Waffen anzuschaffen, erzählte er lächelnd im Landtag.
Die Bürger sollen ihre Waffen zurückgeben, und der Minister erzählt davon, wie gerne er schießen geht, was für tolle Knarren er zu Hause hat. Ob das zusammenpasse? Darüber wird nun diskutiert in Baden-Württemberg. "Man sieht, wie verwurzelt die Waffenlobby in der Politik ist. So werden wir die Waffengesetze nie verschärfen können", sagte Hardy Schober, der Vorsitzende des Aktionsbündnisses Winnenden, der selbst eine Tochter verloren hat. Und die Grünen fordern: "Minister Goll, seien Sie Vorbild und rüsten Sie ab!"
Der Minister will aber nicht abrüsten, seine Pistolen seien ordnungsgemäß verschlossen und er trainiere regelmäßig. Seinen Aufruf an die Bürger, über ihre Waffen nachzudenken, macht das aber nicht unbedingt glaubwürdiger, er droht nach hinten loszugehen.
Die letzte Amnestieregelung war aber ein kleiner Erfolg. Von Juli bis Dezember 2009 wurden bundesweit 200.000 Waffen zurückgegeben, allein in Baden-Württemberg fast 50.000, davon etwa 7000 illegale. Darum gehe es und nicht um die Waffen des Justizministers, sagte Mappus im Landtag und versuchte, die ganze Diskussion wieder in den Griff zu bekommen. Das Kabinett sei ansonsten unbewaffnet, verkündete Mappus also. "Nein, nein", meldete sich aber nun der ebenfalls anwesende Innenminister Heribert Rech (CDU), er schieße auch sehr gerne, sei in einem Schützenverein und kam nun auch ins Erzählen.
Nun gut, meinte Mappus ungeduldig, man könne dann aber doch zumindest sagen, dass zwei der heute vier anwesenden Kabinettsmitglieder, nämlich er selbst und der Finanzminister, waffenfrei seien und machte einen neuen Versuch, zum eigentlichen Thema zurückzukommen - der Abgabe von Waffen, nicht deren Gebrauch. Hier unterbrach ihn aber der Finanzminister, der noch hinzufügen wollte, dass er selbst zwar keine Waffe besitze, wohl aber seine Frau eine zu Hause habe. Und der Innenminister flachste, dass der Landeskassenwart "wohl selber gern eine haben will", um die Sparpläne im Haushalt durchzubringen. Nur der CDU-Fraktionsvorsitzende, der als Jäger viele Waffen besitzt, war nicht anwesend. Das sind also die Politiker, von denen sich die Hinterbliebenen des Amoklaufs eine Verschärfung des Waffenrechts erhofften.
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(SZ vom 29.4.2010/wolf)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
Ein Verbot bringt keine Sicherheit. Nur wenn es eingehalten würde. Wenn aber alle Vorschriften eingehalten würden, gäbe es auch jetzt schon keine Toten durch Schußwaffen.
Was passiert denn, wenn jeglicher privater Schußwaffenbesitz verboten ist? Die gesetzeskonformen geben ihre Waffen ab, diejenigen, die bereit sind, Gesetze zu brechen, geben sie nicht ab. Nun stellt sich noch die Frage, vor wem fürchtet sich jemand, der Schußwaffenbesitz verbieten will. Vor den Gesetzeskonformen? Wohl kaum. Also werden diese bestraft, ohne dass das gewünschte Ergebnis eintritt.
Vergleichen sie es einfach mal damit, wenn auf deutschen Autobahnen ein Tempo100-Limit eingeführt würde. Was würde dann wohl passieren? Die einen halten sich dran und die anderen rasen weiter. Darauf, das es dadurch weniger Tote gäbe, würde ich aufgrund der höheren Tempounterschiede aber nicht wetten.
Im Übrigen halte ich ihre Zahlen bezüglich Unfällen beim Reinigen etc. für utopisch. Oder können sie mir Quellen für derartige Unfälle in Deutschland aufzeigen?
OK, den Wikipedaartikel habe ich gefunden, Ihren Kommentar zum Waffenreinigen konnte ich nicht nachvollziehen. Bitte Quellenangabe!
Zu Wiki: Die Statistik schließt Opfer durch Polizei ein. Die ist in USA manchmal allzu "trigger happy". Kein Vergleich zu Deutschland möglich.
Die Statistik zeigt nur, dass Deutschland trotz 20 Mio illegaler und 10 Mio legaler Waffen ein sehr sicheres Land ist. Im Gegensatz dazu zitiere ich den Absatz zu Großbritannien:
Die Waffengesetze von Großbritannien zählen zu den schärfsten der Welt...Dieses führte zu einem Totalverbot von Kurzwaffen.
.. Trotzdem stieg die Zahl von Straftaten mit Schusswaffen seit 1996 von 14.000 auf 21.500 in der Periode 2005/2006.
Merken Sie was? Waffenverbote und Sicherheit gehen nicht Hand in Hand.
Danke für Ihre Quelle! Ich habe nur daraus zitiert.
laut Wikipedie jährlich ca 10.000 (nur Straftaten)
dazu kommen ca 10 - 15.000 Tote durch Unfälle (Waffenreinigen etc.)
Merke: Wer keine Waffe hat, muss sie auch nicht reinigen und auch der Haushund kann keinen Abzug betätigen.
... denn ein unbewaffnetes Volk kann man besser beherrschen.
Das ist so nicht richtig!
Teppichmesser, ja sogar Taschemesser waren schon vor den Anschlägen nicht in der Kabine erlaubt. Nun ist es aber auch nicht mehr erlaubt, Nagelscheren und Wasserflaschen mit an Bord zu nehmen. So sieht Ihre sichere Zukunft aus!
Natürlich muss das Mitnehmen von Waffen im Flugzeug reglimentiert sein - so wie bisher auch. Waffen und Munition getrennt von einander nur im aufgegebenen Teil des Fluggepäcks. Das versteht auch jedes Kind - nur sie scheinen damit Schwierigkeiten zu haben.
Erzählen Sie doch mal, wo Sie die Zahlen für die Waffenopfer in USA herhaben. Das deckt sich nicht mit meiner Statistik.
Übrigens, es gibt in Deutschland keine "Waffenlobby" für die privaten Waffenbesitzer.
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