Waffenstillstand im Gaza-Streifen "Ruhe wird mit Ruhe beantwortet"

Israelis und Palästinenser haben sich nach mehrtägigen Kämpfen auf eine Waffenruhe im Gaza-Streifen verständigt. Laut ägyptischen Verhandlungskreisen gilt die Vereinbarung seit der Nacht. Seit Freitag wurden 25 Menschen getötet und mehr als 70 Personen verletzt.

Nach viertägigen Kämpfen mit Toten und Verletzten haben Israel und die militanten Palästinenser im Gaza-Streifen einen Waffenstillstand vereinbart. Nach Angaben eines an den Gesprächen beteiligten ägyptischen Geheimdienstvertreters einigten sich beide Seiten auf eine "umfassende und gegenseitige" Waffenruhe. Die Vereinbarung sei um ein Uhr Ortszeit in Kraft getreten, sagte der ranghohe Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Ägypten werde dafür sorgen, dass sich beide Seiten an die Vereinbarungen halten werden.

Israel und die radikale Palästinenserbewegung Islamischer Dschihad haben den Waffenstillstand bestätigt. "Es gibt tatsächlich eine Übereinkunft", sagte der israelische Heimatschutzminister Matan Vilnai dem öffentlichen Rundfunk. Nach seinen Angaben beruhigte sich die Lage in der Region seit der Nacht. "Wir akzeptieren einen Waffenstillstand, wenn sich auch Israel an ihn hält und seine Angriffe und gezielten Tötungen beendet", sagte der Sprecher des Islamischen Dschihad im Gaza-Streifen, Daud Schebab, der Nachrichtenagentur AFP. Von der Hamas-Führung blieb eine Bestätigung zunächst aus.

Wie das ägyptische Staatsfernsehen berichtete, erklärten sich die Palästinenser bereit, keine weiteren Raketen auf Südisrael abzuschießen. Israel habe zugesagt, seine Luftangriffe auf Ziele im Gaza-Streifen zu stoppen. Unklar war zudem, ob sich auch der bewaffnete Arm des Islamischen Dschihad an eine Waffenruhe halten wird.

Im Sender hieß es, intensive Gespräche und Anstrengungen, die Ägypten in den vergangenen Stunden unternommen habe, hätten zu dem Abkommen geführt. Zu Berichten über einen Waffenstillstand zwischen Israel und militanten Palästinensergruppen im Gaza-Streifen hatten israelische Beamte nach Angaben der Jerusalem Post zuvor erklärt: "Ruhe von der palästinensischen Seite wird mit Ruhe beantwortet."

Der jüngste Schlagabtausch hatte am Freitag mit der gezielten Tötung des Chefs des palästinensischen Volkswiderstandskomitees, Suheir al-Kaissi, begonnen. Die israelische Armee machte ihn für einen Anschlag im vergangenen August verantwortlich und warf ihm die Planung eines weiteren Anschlags "für die kommenden Tage" vor.

Bei Luftangriffen kamen 25 Palästinenser ums Leben

Bei rund 40 gezielten israelischen Luftangriffen im Gaza-Streifen seit Freitag wurden nach palästinensischen Angaben insgesamt 25 Menschen getötet - sechs davon Zivilisten - und mehr als 70 verletzt. Die meisten Getöteten waren militante Kämpfer. Auf Israel wurden seit Beginn der jüngsten Runde der Gewalt nach Angaben der Armee insgesamt 195 Raketen und Mörsergranaten abgeschossen. Davon seien gut 50 von dem Raketenabwehrsystem Iron Dome abgefangen werden.

Die internationale Gemeinschaft reagierte mit großer Sorge auf die neuerliche Gewalt. Bei einem Treffen in New York forderte das Nahost-Quartett beide Seiten zur Zurückhaltung auf. In einer gemeinsamen Erklärung appellierten die Vertreter von EU, den USA, Russland und der UN zudem an beide Seiten, sich weiter in den seit Monaten stockenden Friedensprozess einzubringen. Es war das erste Treffen der Gruppe seit sechs Monaten. Eine neue Sitzung ist für April in Washington geplant.