Waffenhandel Globaler Waffenhandel: Asien und Nahost rüsten auf

Lieferung ins Krisengebiet: Deutsche Panzerfäuste, Gewehre und Munition werden für Iraks Kurden verladen.

(Foto: Jan Woitas/dpa)
  • Die weltweit größten Waffenexporteure sind USA, Russland und China. Deutschland liegt auf Platz fünf.
  • Die größten Einkäufer sind Indien, Saudi-Arabien und China. Vietnam hat seine Nachfrage um 700 Prozent gesteigert.
  • Deutschland beliefert vor allem die USA, Israel und Griechenland sowie aus alten Aufträgen Katar.
Von Silke Bigalke, Stockholm

Die Menge weltweit gehandelter Waffen hat zugenommen. Im Zeitraum von Anfang 2011 bis Ende 2015 lag sie um 14 Prozent höher als in den fünf Jahren zuvor, berichtet das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri. Die meisten Waffen lieferten die USA, Russland und China. Deutschland, das bis vor zwei Jahren drittgrößter Exporteur gewesen ist, liegt hinter Frankreich auf Platz fünf.

Die wichtigsten Abnehmer waren Indien, Saudi-Arabien und China, das sowohl zu den größten Herstellern als auch den wichtigsten Waffenkäufern zählt. Weil die Lieferungen von Jahr zu Jahr stark schwanken können, rechnet Sipri in Zeiträumen von fünf Jahren.

Innerhalb dieser Zeitspanne haben sich die deutschen Exporte im Vergleich zu den fünf Jahren zuvor halbiert. Deutschlands Hauptabnehmer waren die USA, Israel und Griechenland. Alle Exporte zusammengenommen liefert die Bundesrepublik jedoch vor allem innerhalb Europas, und dort ist die Nachfrage um 41 Prozent eingebrochen. Zwar hat unter anderem der Konflikt mit Russland dazu geführt, dass Polen und die baltischen Länder ihre Armeen nun modernisieren wollen. Dennoch spürt Europas Rüstungsindustrie den Spardruck in vielen EU-Staaten. Griechenlands Importe etwa sanken um 77 Prozent, obwohl 2015 laut Sipri zwei U-Boote aus Deutschland geliefert wurden, die es vor 15 Jahren bestellt hatte. Größter Waffeneinkäufer Europas war Aserbaidschan, das vor allem von Russland beliefert wurde.

Saudi-Arabien und Katar setzen ihren neuen Waffen in Jemen ein

Der umstrittenste Kunde der deutschen Rüstungsindustrie ist derzeit Katar. Vergangenes Jahr hat die Bundesrepublik damit begonnen, Leopard-Panzer und Haubitzen an den Wüstenstaat auszuliefern, ein Geschäft im Wert von 1,66 Milliarden Euro. Das treibt die Bilanz in die Höhe: Vor wenigen Tagen ist bekannt geworden, dass die Bundesregierung 2015 Einzelausfuhren im Wert von 7,56 Milliarden Euro genehmigt hat. Es ist ein vergleichsweise hoher Wert, der jedoch auf alte Aufträge wie den aus Katar zurückgeht.

Katar steht gemeinsam mit Saudi-Arabien, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emirate auf der Liste der Staaten, die seit 2015 in den Krieg in Jemen eingreifen und dabei laut Sipri von Waffenlieferungen profitiert haben. "Eine Koalition aus arabischen Staaten setzt in Jemen hauptsächlich aus den USA und Europa stammende Waffen ein", sagt Sipri-Experte Pieter Wezeman.

Sowohl Saudi-Arabien als auch Katar haben ihre Rüstungsimporte in den vergangenen fünf Jahren beinahe vervierfacht. Weitere Lieferungen in die Krisenregion sind bereits geplant: In den USA hat Saudi-Arabien 150 Kampfflieger und Tausende Luft-Boden-Raketen bestellt, in Großbritannien weitere 14 Kampfflieger, zudem eine große, bislang unbekannte Zahl gepanzerter Fahrzeuge aus Kanada.

Die ausstehenden Lieferungen nach Katar umfassen unter anderem 24 Kampfhubschrauber aus den USA, 24 Flieger aus Frankreich und 52 Panzer aus Deutschland. Ägypten bestellte 2014 und 2015 Waffen in Frankreich, Deutschland und Russland.

Indien kauft 14 Prozent der weltweit gehandelten Waffen

Seit einigen Jahren zeigen die Sipri-Zahlen, dass sich die Gewichte im internationalen Waffengeschäft verschieben: Die westliche Welt rüstet ab, der Rest rüstet auf. Asien und Ozeanien kaufen inzwischen beinahe die Hälfte der weltweit gehandelten Waffen, der Nahe Osten ein Viertel. Die neuen Märkte stärken neue Anbieter, östliche Rüstungsindustrien wachsen. Russland liefert vor allem an Indien, den weltweit größten Importeur, sowie an China und an Vietnam. Indien allein kauft 14 Prozent der weltweit gehandelten Waffen auf.

Vietnam hat seine Nachfrage um 700 Prozent gesteigert, vor allem Schiffe und U-Boote gekauft - als Reaktion auf den Streit mit China um Gebiete im Südchinesischen Meer. China wiederum liefert an Pakistan, Bangladesch und Myanmar, die als Nachbarländer auf Indiens Aufrüstung reagieren.

Dieser Trend reicht jedoch nicht, um die USA als mit Abstand größten Waffenlieferanten abzulösen. Sie sind für ein Drittel der weltweiten Exporte verantwortlich und lieferten zuletzt hauptsächlich an Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Türkei. Die amerikanische Rüstungsindustrie versucht zudem, in Indien Fuß zu fassen, die Importe dorthin steigen. Trotzdem wird Russland, das etwa ein Viertel am weltweiten Rüstungsmarkt hält, Sipri zufolge Indiens wichtigster Waffenlieferant bleiben. Die Auftragsbücher der US-Rüstungsindustrie sind dennoch gut gefüllt: Bestellt sind allein 611 Kampfflugzeuge von neun verschiedenen Staaten.