Waffendebatte nach Parkland-Massaker Schüler bringt Floridas Senator mit NRA-Frage in Erklärungsnot

  • Auf einer Podiumsdiskussion trifft der republikanische Senator Marco Rubio auf einen Schüler, der den Amoklauf in Parkland miterlebte.
  • Auf die Bitte des Jungen, sich von der NRA zu distanzieren, reagiert der Politiker unbeholfen.
Von Xaver Bitz

Das Video ist weniger als vier Minuten lang und doch zeigt es recht deutlich, welche Fronten in der in den USA hochkochenden Waffendebatte aufeinandertreffen. Auf der einen Seite sind da die Opfer, die Hinterbliebenen - in diesem Fall die Schüler, die den Amoklauf an der Stoneman Douglas High School in Parkland miterlebt haben. Und die nun Konsequenzen aus dem Tod von 14 Schülern und drei Erwachsenen fordern. Auf der anderen Seite steht Marco Rubio, republikanischer Senator des US-Bundesstaates Florida, der seine Kampagnen auch von der mächtigen Waffenlobby NRA finanzieren lässt.

"Können Sie mir jetzt versprechen, dass Sie keine einzige Spende der NRA mehr annehmen werden?", fragt Cameron Kasky auf der Podiumsdiskussion des TV-Senders CNN, die in Form eines Townhall-Meetings stattfindet, den Senator. Und erntet als Reaktion darauf nicht nur den donnernden Applaus des Publikums, sondern auch einen sichtlich konsterniert dreinblickenden Rubio. Der tippelt während der standing ovations für diese Frage erst einmal hin und her. Doch Kasky legt direkt nach. "Ich wünschte, ich hätte der NRA-Lady einige Fragen stellen können. Denn ich hätte sie gefragt, wie sie überhaupt noch in den Spiegel schauen kann - auch angesichts der Tatsache, dass sie selbst Kinder hat." Mit der "NRA-Lady" meint der Schüler übrigens Dana Loesch, die als Sprecherin der mächtigen National Rifle Association mit an der Diskussion teilnahm.

Jetzt endlich hat sich Rubio gefangen. Auch wenn er nicht wirklich auf die Frage des Schülers antwortet. Er betont, für den zweiten Verfassungszusatz einstehen zu wollen, der der US-Regierung verbietet, das Recht auf den Besitz oder das Tragen von Waffen einzuschränken. Danach versucht der Republikaner, Kasky zu umgarnen: "Ich unterstütze das Recht von Ihnen und jedem hier im Raum, sicher zur Schule zu gehen. Und ich unterstütze jedes Gesetz, welches Waffen von den Händen eines potenziellen Mörders fernhält."

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Doch weder die Zuschauer, noch der ihm gegenüberstehende Schüler sind mit dieser Nicht-Antwort auf die Frage zufrieden. "No more NRA-money?", hakt Kasky nach. Rubio kommt ins Stottern. Er setzt mehrfach an und antwortet dann wieder nicht wirklich: "Der Einfluss dieser Gruppen kommt nicht durch ihr Geld, sondern durch die Millionen Menschen, die ihre Agenda unterstützen." Hierauf hagelt es wütende Buhrufe aus dem Publikum, Moderator Jake Tapper schreitet ein und ruft die Zuschauer zur fairen Debatte auf.

Rubio wiederholt daraufhin noch einmal seine Standardantwort, dass seine politische Agenda nicht käuflich sei. Doch Kasky will sich damit nicht zufriedengeben. "Sie können die NRA im Namen von 17 Menschen nicht bitten, Ihnen kein Geld mehr zu spenden?" Erneut wiederholt Rubio, dass er im Namen dieser Menschen ein Gesetz unterstützen werde, welches die Waffen von gefährlichen Bürgern fernhalten soll.

Die Diskussion geht weiter, der Schüler bietet dem Senator an, dass er in dem Townhall-Meeting genauso viel Geld sammeln werde, wie die NRA ihm ansonsten spende. Und trifft damit offenbar einen wunden Punkt. Denn Rubio antwortet: "Damit haben Sie recht. Es gibt für jedes Problem in Amerika viel Geld, welches von beiden Seiten zur Verfügung gestellt wird. Wir als Politiker müssen eine Entscheidung treffen, basierend auf dem, was wir für richtig erachten." Und er bekräftigt, nicht nur Politik auf Basis der NRA-Agenda zu machen: "Ich unterstütze eine Forderung, dass Bürger erst mit 21 Jahren Waffen kaufen dürfen, statt mit 18 Jahren. Und so weit ich weiß, ist die NRA nicht dafür."

Danach spricht er über einen Plan, den der US-Präsident hat: Lehrer bewaffnen. "Ich kenne die Position der NRA dazu nicht, aber ich denke nicht, dass das gut ist. Es ist eine schreckliche Idee. Ich werde weiter zu meinen Überzeugungen stehen."

Hier bricht der Moderator den Dialog der beiden ab. Eine Antwort auf die Frage Kaskys bleibt Rubio bis zum Schluss schuldig.

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