Waffen in Nahost Drehkreuz des Terrors

Der internationale Flughafen Imam Khomeini liegt 30 Kilometer außerhalb von Teheran.

(Foto: AFP)

Kurzstrecken-Raketen, Mörsergranaten, Antischiffsraketen: Woher haben militante Gruppen im Nahen Osten ihre modernen Waffen? Der Flughafen in Irans Hauptstadt Teheran soll ein Drehkreuz für illegale Lieferungen geworden sein.

Von Paul-Anton Krüger

Der internationale Flughafen Imam Khomeini ist Irans Tor zur Welt. Etwa 30 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Teheran gelegen, starten und landen hier - allen Sanktionen und aller internationalen Isolation zum Trotz - etliche ausländische Maschinen, zudem Fracht- und Passagierjets der staatlichen Iran Air, der privaten Mahan Air und anderer einheimischer Fluggesellschaften. Allerdings haben nach Informationen westlicher Geheimdienste die Revolutionsgarden den zivilen Flughafen inzwischen auch zu einem Drehkreuz für Waffenlieferungen ausgebaut - an das Regime von Baschar al-Assad in Syrien, die schiitische Hisbollah-Miliz in Libanon und weitere militante Gruppen im Nahen Osten und der arabischen Welt.

Teheran als Drehkreuz für Waffenlieferungen

Seit einigen Monaten sollen die Quds-Brigaden, Eliteeinheit der Islamischen Republik für Operationen im Ausland, demnach für diese Zwecke einen ganzen Hangar im Frachtbereich im Osten des Flughafengeländes übernommen haben. Wer von der Stadt aus mit dem Taxi zum Khomeini-Airport kommt, kann einen Blick erhaschen auf die Rückseite der unscheinbaren, weiß gestrichenen Leichtbauhallen mit ihren roten Dächern. Ein quaderförmiger Hangar, bis vor etwa zwei Jahren noch von Iran Air betrieben, soll nun den Garden als Logistikzentrum und Waffenlager dienen, wie ein westlicher Diplomat der Süddeutschen Zeitung sagte, der Zugang zu den Geheimdienstinformationen hat.

SZ-Grafik: Sarah Unterhitzenberger; Foto: Google Earth

Kurzstrecken-Raketen des Typs Fateh-110 mit mehr als 200 Kilometern Reichweite sollen dort gelagert worden sein, ebenso Fajr-5-Artillerie-Raketen, wie sie schon die Hisbollah wie auch die Gruppe Islamischer Dschihad aus dem Gazastreifen und möglicherweise auch die Hamas eingesetzt haben. Auch Antischiffsraketen des Typs C-802 Noor, Flug- und Panzerabwehrgeschosse, Mörsergranaten sowie Kleinwaffen und Munition sollen hier umgeschlagen worden sein. Verladen wird dieses Arsenal moderner Waffen für den Krieg in Syrien, für militante Gruppen in Libanon und in Gaza nicht nur auf Militärtransporter, sondern auch an Bord von zivilen Fracht- und sogar Passagiermaschinen. Die USA haben deswegen sowohl die staatliche Iran Air als auch die größte private Fluggesellschaft des Landes, Mahan Air, schon im Jahr 2011 mit Sanktionen belegt.

Durch eine Explosion fliegt das geheime Logistik-Zentrum auf

Aufgeflogen war das geheime Logistik-Zentrum durch einen Vorfall Mitte Mai dieses Jahres: Offenbar beim Hantieren mit Mörsergranaten kam es zu einer Explosion, zwei Revolutionsgardisten sollen Verletzungen davongetragen haben, einer von ihnen schwere. Die Explosion richtete keine großen Schäden an dem Gebäude an, möglicherweise war nur eine Zündladung hochgegangen. Aber sie verstärkte zweifelsohne noch das Interesse der Geheimdienste - sie mussten ohnehin davon ausgehen, dass der Imam-Khomeini-Airport für den Waffenschmuggel genutzt wurde, der gegen UN-Sanktionen verstößt, aber auch gegen die Konvention und Richtlinien der Internationalen Organisation für zivile Luftfahrt (ICAO), zu deren Signatarstaaten Iran zählt.

US-Behörden haben davon berichtet, dass Revolutionsgardisten Crew-Mitglieder und Personal von Iran Air und anderen iranischen Fluggesellschaften davon abgehalten haben sollen, die Ladung von Flugzeugen eingehend zu inspizieren - damit Sprengstoffe, Waffen und andere gefährliche Rüstungsgüter ungestört an Bord ziviler Maschinen transportiert werden konnten. Mehrmals schon sind iranische Flugzeuge in Einklang mit UN-Resolutionen von Drittstaaten zur Landung gezwungen worden - regelmäßig kamen bei den Durchsuchungen verbotene Rüstungsgüter, Waffen und Munition zum Vorschein.

Durch die Nutzung des Hangars wollen die Quds-Brigaden offenbar das Risiko verringern, dass Lieferungen nach Damaskus, Beirut oder in die sudanesische Hauptstadt Khartum entdeckt und unterbunden werden - in einem Fall hat die israelische Luftwaffe dem Vernehmen nach im Mai 2013 eine Lieferung von Fateh-110-Raketen noch auf dem Gelände des Flughafens von Damaskus durch einen Luftangriff unschädlich gemacht. Auch dort sollen die Quds-Brigaden inzwischen einen eigenen Bereich zugewiesen bekommen haben, über den die Lieferungen abgewickelt werden. Im Sudan haben die Israelis mindestens einen Konvoi bombardiert, der angeblich Waffen auf dem Landweg über Ägypten in den Gazastreifen bringen sollte, als in Kairo noch der islamistische Präsident Mohammed Mursi herrschte und die Muslimbruderschaft ihren Ableger in Gaza, die Hamas, nach Kräften unterstützte.

Das in den USA für Sanktionsverstöße zuständige Finanzministerium teilte auf Anfrage lediglich mit, man beobachte die Situation. Konkrete Angaben, ob die Geheimdiensterkenntnisse zu neuen Maßnahmen führen werden, könne man nicht machen. Für die Vorwürfe interessieren dürfte sich auch das Experten-Komitee des UN-Sicherheitsrates, das über die Einhaltung der Resolutionen wacht, die Iran Waffenexporte verbieten und Verstöße in regelmäßigen Berichten dokumentiert.

Irans Botschaft in Berlin dementiert

Die Presseabteilung der iranischen Botschaft in Berlin bestritt auf eine Anfrage der SZ hin in einer schriftlichen Stellungnahme alle Vorwürfe. Die "Behauptung, die Islamische Republik Iran habe vom Flughafen Imam Khomeini aus Waffen an Syrien geliefert, ist völlig haltlos und basiert ausschließlich auf unwahren Vermutungen", teilte die Botschaft mit. Eine solche Lieferung sei "unmöglich", da zwischen Iran und Syrien entweder der Irak oder die Türkei überflogen werden müssten und deren Luftraum von amerikanischem Radar erfasst werde.

Allerdings hatten die USA mehrmals auf höchster Ebene bei der Regierung in Bagdad interveniert, weil diese nach Auffassung Washingtons iranische Maschinen mit Waffen an Bord trotz eindeutiger Hinweise durch ihren Luftraum nach Syrien passieren ließ. Mindestens in einem Fall weigerte sich ein iranisches Flugzeug der Anweisung irakischer Behörden zur Landung Folge zu leisten - offenbar, um eine Inspektion der Ladung mit Ziel Syrien zu vermeiden.

Zudem, so heißt es in dem Schreiben der Botschaft weiter, verstoße eine solche Lieferung "gegen internationale Gesetze und Gepflogenheiten". Angesicht der "Fortschritte bei den Atomgesprächen" in Wien und "der Niederlage der Terrorgruppen in Syrien" - Irans Bezeichnung für die gegen Assad kämpfenden bewaffneten Rebellengruppen - hätten "einige Länder und Gruppen, die etwas gegen diese Gespräche haben" oder über die Niederlage der Rebellen verärgert seien, "vorfabrizierte Szenarien ausgedacht".