Vorwahlkampf der Demokraten Sogar die Frauen verschmähen Hillary Clinton

  • Bernie Sanders gewinnt haushoch unter Jungwählern, Hillary Clinton spricht die Älteren an.
  • Wieso Clinton sich beim Blick auf ihre weibliche Unterstützung Sorgen machen muss.
  • Was New Hampshire von anderen Bundesstaaten unterscheidet.
Von Johannes Kuhn, New Orleans

Noch 2008 gewann Hillary Clinton in New Hampshire, nun verliert sie deutlich gegen Bernie Sanders. Was sagt das Ergebnis über das Duell der Demokraten aus? Ein Blick auf Ergebnisse und die Wählerbefragungen für CNN und Associated Press.

New Hampshire ist zunächst einmal nicht repräsentativ für die USA, da der Minderheitenanteil hier - wie schon in Iowa - gering ist: 93 Prozent der demokratischen Vorwähler sind weiß.

Damit kann die Frage, ob Bernie Sanders auch bei Latinos und Afroamerikanern punkten kann, noch nicht beantwortet werden. In den Umfragen zu den nächsten Vorwahlen in Nevada (viele Latinos) und South Carolina (große schwarze Community) liegt Hillary Clinton vorne - allerdings sind die Meinungsbilder dort schon mehrere Wochen alt. In New Hampshire lagen beide bei den sieben Prozent nicht weißen Wählern gleichauf.

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Eine weitere Besonderheit: In New Hampshire konnten auch Wähler abstimmen, die keiner Partei angehören. Mit 72 Prozent schnitt Sanders außergewöhnlich gut unter den "Unabhängigen" ab, die 40 Prozent der abgegebenen Stimmen ausmachten. Unter den Parteigängern gewann er nur knapp (52 zu 48 Prozent).

Erstaunlich - und für Hillary Clinton angesichts ihrer Bewerbung als Kandidatin der Frauen beunruhigend - dürfte die Tatsache sein, dass Sanders mit 53 zu 46 Prozent auch die Mehrheit unter den Wählerinnen erreichte. In der Altersgruppe von 18 bis 34 Jahren gewinnt er hier sogar mit 87 Prozent, so wie er insgesamt 85 Prozent der unter 34-Jährigen von sich überzeugen konnte. Clinton wiederum konnte zwei Drittel der Wähler über 65 auf sich vereinen.

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Damit deutet sich ein Generationenkonflikt im Zweikampf der Demokraten an - auf Wählerseite. Theoretisch könnte Clinton, die in der Gruppe der 45- bis 64-Jährigen ungefähr gleichauf mit Sanders liegt, mit ihrer Unterstützung durch ältere Wähler einen Vorteil haben: In den nächsten Vorwahlstaaten ist die Beteiligung erfahrungsgemäß geringer, wer abstimmt, ist tendenziell älter. Allerdings hat Sanders bislang zwei Mal ausgezeichnet Jungwähler mobilisiert. In New Hampshire stimmten 78 Prozent der Erstwähler für ihn.

Ein Drittel der Wähler erklärte, dass Ehrlichkeit die wichtigste Eigenschaft der Anwärter sein sollte - mehr als Erfahrung oder Wählbarkeit, wenn es im November gegen einen Republikaner geht (Argumente, die Clinton und ihre Anhänger häufiger nennen). Die Wirtschaft und Einkommensungleichheit waren die wichtigsten Themen.

Einkommensungleichheit war auch bei der Wählerverteilung zu beobachten: Clinton konnte einzig in der Gruppe der Bürger mit mehr als 200 000 Dollar jährlichem Haushaltseinkommen die Mehrheit gewinnen. Die ehemalige Außenministerin verlor in urbanen Milieus, besonders deutlich aber auf dem Land (nur 36 Prozent). Nach Bildungsabschluss ausgewertet war sie in New Hampshire nur bei Inhabern höherer Studienabschlüsse etwa gleichauf mit dem Senator aus Vermont.

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Zumindest aber scheint die Basis ihr gegenüber nicht so negativ eingestellt, wie es das Ergebnis vermuten ließe: 78 Prozent der Wähler am Dienstag wären mit Bernie Sanders als Kandidaten zufrieden, immerhin 64 Prozent mit Hillary Clinton.

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