Der "erste schwarze Präsident der USA" war eine Art Ehrentitel für Bill Clinton. Seiner Frau Hillary gaben die schwarzen Wähler trotzdem nicht ihre Stimmen.
Barack Obamas Sieg bei der Vorwahl der Demokraten von South Carolina ist ein Triumph. Der schwarze Senator aus Chicago hat mit 55 Prozent der Stimmen mehr Rückhalt als seine beiden Kontrahenten zusammen erhalten. Er ließ nicht nur die beiden weißen Kandidaten Hillary Clinton und John Edwards fahl erblassen. Nein, er hat obendrein noch einen US-Präsidenten geschlagen: Bill Clinton nämlich, den 42. und vorletzten Mann an der Spitze der Vereinigten Staaten.
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Hillary und Bill Clinton beim Wahlkampf in South Carolina: Mit List, Tücke und Lügen gegen Barack Obama (© Foto: dpa)
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Der Ehemann der ersten Präsidentin in spe nämlich war es, der zuletzt am heftigsten in den inner-demokratischen Kampf gegen Obama gezogen war. Getrieben von dem Ehrgeiz, nach acht Jahren Pause ins Weiße Haus zurück zu kehren und eine Art dritte Amtszeit an der Seite der früheren First Lady auszukosten, ritt er die Attacke gegen "den jungen Mann", gegen "den Bengel" namens Obama.
Obamas Sympathie für Reagan
Mit List und Tücke und - ja, auch mit Lügen versuchte der inzwischen ergraute, 61 Jahre alte Haudegen, Vorbehalte gegen den Emporkömmling zu schüren: Clinton behauptete, Obamas Widerstand 2002 gegen den Irakkrieg (und unterschwellig: dessen gesamte Kampagne) sei "ein Märchen", er zieh den Konkurrenten, im Grunde seines Herzens Sympathien für die Ideen des erzkonservativen Republikaners Ronald Reagan zu hegen. Und Clinton gelang es, mit ein paar Andeutungen zu suggerieren, Obama sei eigentlich nur ein Kandidat der Afro-Amerikaner - weshalb ein Sieg im ehemaligen Sklavenstaat, wo über die Hälfte der Demokraten Farbige sind, völlig normal und ergo wenig wert sei.
Also benötigte Obama am Samstag einen überwältigen Sieg. Den hat er bekommen. Eine Analyse des Ergebnisses zeigt: Es waren vor allem die Schwarzen (acht von zehn), die für seine Hoffnung votierten. Unter weißen Demokraten vermochte Obama nur jeden vierten Parteifreund für sich gewinnen, hier lagen Hillary Clinton bei den Frauen und der Drittplazierte John Edwards bei den Männern vorn.
An dieser Schwachstelle dürften die beiden Clintos weiter bohren: Sie werden versuchen, Obamas Verheißung einer fundamentalen Erneuerung, seinen Ruf nach einer Art Volksbewegung für Wandel und sein Plädoyer für ein alle Rassengräben überwindendes Amerikas weiter zu zersetzen. Das verärgert, ja entsetzt inzwischen selbst langjährige Clinton-Anhänger - und mit Robert Reich sogar einen ehemaligen Minister des 42. Präsidenten ("erniedrigend", "unaufrichtig"). Aber es wirkt, der Zweck heiligt den Clintons offenbar jedes Mittel.
Die Umfragen besagen nach wie vor, Hillary Clinton sei die klare Favoritin im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur. Am 5. Februar, wenn 22 der 50 US-Bundesstaaten ihre Vorwahl veranstalten, dürfte sie dem Weißen Haus ein gutes Stück näherkommen. Aber diesen Vorhersagen trauen die Clintons offenbar nicht.
Clintons Giftspritze
Die Art und Weise, wie sie nun subkutan Gift gegen Obama injizieren, könnte sich rächen, wenn im November die eigentliche Wahl ansteht: Machen Bill und Hillary so weiter wie zuletzt, werden manche Demokraten und unabhängige Wähler nicht für sie an die Urne gehen.
Noch ein Ergebnis von South Carolina sollte dem Pärchen deshalb schwer zu denken geben: 60 Prozent der Vor-Wähler vom Samstag erklärten, Bills Wahlkampf im Süden sei wichtig gewesen für ihre Entscheidung - und von denen stimmten nur 37 Prozent für Hillary. 62 Prozent von ihnen hingegen wollten lieber einen anderen - und votierten zumeist für Obama.
(sueddeutsche.de/bavo/gdo)
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