Traditionszeitung in der Defensive: Die New York Times muss ihren Lesern erklären, warum sie die angebliche Affäre von John McCain publik gemacht hat.

Seit der Veröffentlichung einer Skandalstory über eine angebliche Affäre von John McCain sind viele Leser der New York Times von ihrer Zeitung entsetzt. Rund 2400 Menschen haben online einen Kommentar zu dem Artikel hinterlassen und eine Flut von 4000 E-Mails brach über die Redaktion herein. Jetzt stellten sich die verantwortlichen Redakteure der Kritik der Leser.

McCain Skandal Affäre New York TImes

US-Präsidentschaftskandidat Jon McCain: die New York Times wirft ihm eine Affäre mit einer Lobbyistin vor. (© Foto: AFP)

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In dem Artikel hatte die angesehene Zeitung von der Beziehung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten mit einer Lobbyistin berichtet und nahe gelegt, dass es sich dabei auch um eine "romantische Beziehung", sprich eine sexuelle Affäre gehandelt haben könnte.

An genau diesem Detail störten sich die meisten Leser der New York Times. So sehr, dass Redakteur Jill Abramson zu einer gewundenen Verteidigung ausholen musste: "Hätte die Redaktion beschlossen, diesen Aspekt zu verschweigen, dann hätte unser Artikel eben nicht genau und akkurat wiedergegeben, was unsere Quellen uns zugetragen haben."

Nach Ansicht der Redakteure ist es im Zusammenhang mit dem Skandal wichtig gewesen, den Lesern genau darzulegen, was McCains Berater so aufgebracht habe, dass sie ihn, McCain, persönlich darauf ansprachen. Es sei aber keinesfalls darum gegange, sexuelle Anzüglichkeiten zu verbreiten.

Die Entscheidung, die angebliche Affäre publik zu machen, bereut die New York Times trotz aller Kritik nicht: "Dieser Mann der seine Ehre über alles andere stellt (...) hat schon öfter bewiesen, dass er mit seinem Ruf und mit dem Verdacht auf unsaubere Machenschaften manchmal etwas sorglos umgeht. (...) Wir hatten (und haben) den Eindruck, dass unsere Leser das über einen Mann wissen sollten, der Präsident werden will."

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(nytimes.com/maru/schä)