Von Barbara Vorsamer

Kaum eine Person ist im Kandidaten-Duell zwischen Obama und Clinton so begehrt wie Al Gore, denn sein Einfluss könnte entscheidend sein. Nun wirbt Obama erneut - der Nobelpreisträger schweigt.

"Al Gore ist die Antwort", titelte Time-Blogger Joe Klein vor einigen Tagen. Seine These: Eine Kandidatur des Friedensnobelpreisträgers mit Barack Obama würde Hillary Clinton den Wind aus den Segeln nehmen und das Dilemma der Demokraten endlich beenden.

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Noch unentschlossen: Al Gore (© Foto: AP)

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Auf Kleins Wunschticket ist jedoch Gore der Präsidentschaftskandidat und Obama der Vize - ein unrealistisches Szenario. Doch wie der Autor richtig anmerkt: Es ist ein außergewöhnlicher Wahlkampf. Und so haben auch weit hergeholte Spekulationen Hochsaison.

Senator Obama heizt die Gerüchteküche jetzt wieder an. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania antwortete er auf die Frage, ob der den prominenten Klimaschützer Gore in sein Kabinett holen würde mit: "Würde ich." Eine Sensation - wenn es denn wirklich so kommen sollte.

Er telefoniere regelmäßig mit Gore, sagte der Senator aus Illinois weiter. Sollte er ins Weiße Haus einziehen, würde Gore mit am Tisch sitzen und eine zentrale Rolle bei der Lösung des Problems Klimawandel spielen. Obama weiter: "Der Klimawandel ist Wirklichkeit. Das ist ein Problem, das wir jetzt angehen müssen."

Sollte sich Gore tatsächlich hinter Obama stellen, wäre das ein herber Schlag für dessen Konkurrentin um die Präsidentschaftskandidatur, Hillary Clinton. Al Gore amtierte acht Jahre lang als Vizepräsident ihres Mannes Bill. Die Gores und Clintons haben sich in Wahlkämpfen als schlagkräftiges, politisches Quartett inszeniert - Bilder von damals zeigen vier dicke Freunde.

Allerdings hatte sich während Gores eigener Präsidentschaftskampagne im Jahr 2000 das Verhältnis merklich abgekühlt: Kandidat Gore hatte in weiten Teilen auf Wahlkampfhilfe des Ex-Präsidenten verzichtet, weil er nicht mit dessen Lewinsky-Skandal in Verbindung gebracht werden wollte. Bill Clinton soll ihm das übelgenommen haben. Trotzdem würde es verwundern, wenn nicht auch die Clintons in regelmäßigem Telefonkontakt mit Gore stehen.

Al Gore ist vermutlich die am meisten umworbene Person im Duell der Demokraten. Er ist in der Bevölkerung beliebt, wirkt authentisch und hat mit dem Klimawandel ein wichtiges Thema besetzt. Doch viel entscheidender: Der Mann ist ein altgedienter Demokrat, dessen Einfluss weit über seine eigene Superdelegierten-Stimme hinausgeht. Seine Unterstützung - sei es für Obama, sei es für Clinton - wäre ein entscheidendes Signal für die Partei.

Keine Antwort von Al Gore

Kein Wunder also, dass sich beide Kandidaten um ihn bemühen und seine Unterstützung gerne auf ihrer Homepage vermelden würden. Al Gore jedoch sagte bisher: nichts. Bereits mehrmals betonte er, dass ihm seine Rolle am Rande der Tagespolitik, als weltweite Stimme des Klimawandels, als Redner und Filmemacher sehr behagt.

Auch die aktuelle Meldung ist einseitig: Obama verkündet, dass er Gore fragen würde. Doch keiner kennt Gores Antwort. Übrigens nicht zum ersten Mal, bereits im Oktober hatte der Senator aus Illinois gesagt, er wünsche sich Gore auf einem hohen Posten in seiner Regierung. Damals fügte er aber noch hinzu: "Für einen Nobelpreisträger und Oscar-Gewinner ist die Vizepräsidentschaft wahrscheinlich ein Rückschritt."

Würde man alle derartigen Äußerungen Obamas für bare Münze nehmen, hätte der Kandidat bereits ein recht illustres Kabinett zusammen: Schließlich hatte er im November auch gesagt, er würde Ex-Präsident Bill Clinton jederzeit einen Posten anbieten. Und dessen Frau Hillary kann er sich als seine Stellvertreterin vorstellen: "Hillary Clinton ist eine sehr kompetente Person und sie wäre für jeden in der engeren Wahl", so Obama vor einigen Wochen.

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(sueddeutsche.de/gba)