Familie Clinton kämpft: Kandidatin Hillary erteilt Forderungen, sie solle aus dem Rennen ausscheiden, eine Absage. Ehemann Bill versucht die aufgeregte Partei zu beruhigen. Und Tochter Chelsea kritisiert sexistische Tendenzen des Wahlkampfes.

Eine Fortsetzung des knappen Rennens um die Präsidentschaftskandidatur bei den US-Demokraten schmälert nach Ansicht von Expräsident Bill Clinton die Chancen der Partei bei der Wahl im November nicht. Clinton wies damit Äußerungen von Anhängern des Bewerbers Barack Obama zurück. Sie hatten Clintons Frau Hillary nahegelegt, angesichts ihres Rückstands bei den Delegiertenstimmen aus dem Rennen auszuscheiden, da sie sonst der Partei schade.

Bild vergrößern

Bill Clinton auf dem Parteitag der kalifornischen Demokraten (© Foto: AP)

Anzeige

Es gebe die Vorstellung, dass die lebhafte Debatte darüber, wer der beste Präsident wäre, die Partei im Herbst schwäche, sagte Bill Clinton am Sonntag beim Parteitag der kalifornischen Demokraten in San Jose. "Beruhigt euch. Wir werden diese Wahl gewinnen, wenn wir uns einfach entspannen und jeden zu Wort kommen lassen", sagte er.

Obama selbst stimmte nicht in den Chor von Parteifreunden ein, seine Rivalin solle sich aus dem Rennen um die Kandidatur zurückziehen. "Meine Einstellung ist: Senatorin Clinton kann so lange kandidieren, wie sie will", erklärte Obama am Wochenende. Er sagte, die Forderung seines Anhängers Patrick Leahy, der als erster US-Senator Clinton öffentlich zum Ausstieg aufgefordert hat, sei nicht mit ihm abgesprochen gewesen.

Leahy hatte die Sorge geäußert, eine Fortsetzung des Duells zwischen der früheren First Lady und Obama werde allein dem republikanischen Kandidaten John McCain nutzen. Der Senator aus Arizona erhalte einen "Freifahrtschein", weil sich die Aufmerksamkeit auf das Rennen der demokratischen Bewerber richte.

Hillary Clinton machte vor jubelnden Anhängern bei einem Wahlkampfstopp klar, dass sie keineswegs an einen Verzicht denke. Die frühere First Lady wies Forderungen aus der eigenen Partei zurück, angesichts ihres Rückstandes gegenüber ihrem Rivalen das Handtuch zu werfen. "Es gibt Leute, die das hier beenden wollen und ich denke, sie haben Unrecht", sagte sie in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der Washington Post.

Bislang hat Obama für den Nominierungsparteitag im August 1623 Delegiertenstimmen gesammelt, bei Clinton sind es 1499.

Obama setzte am Sonntag seine sechstägige Bus-Wahlkampftour durch Pennsylvania fort, dem nächsten wichtigen Staat auf dem Vorwahl-Kalender. Beide Kandidaten rückten die Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik ins Zentrum des Wahlkampfs.

Der Senator aus Illinois räumte ein, dass verlorengegangene Arbeitsplätze in der Industrie zum Teil für immer vernichtet seien. Es komme daher darauf an, ein Klima für neue Arbeitsplätze in anderen Branchen zu schaffen.

Clinton machte am Wochenende Wahlkampf in Indiana und in Kentucky, wo am 6. Mai beziehungsweise am 20. Mai gewählt wird. Sie versprach der Wirtschaft Unterstützung bei der Erschließung neuer Branchen wie der Umwelttechnik. "Ich denke, bei dieser Wahl geht es besonders hier in Indiana um Jobs, Jobs und noch mal Jobs."

Clintons Tochter Chelsea kritisierte auf derselben Veranstaltung, dass sie noch nie so deutlich sexistische Tendenzen wahrgenommen habe wie in diesem Wahlkampf. So habe ihr ein Mann in New Hampshire gesagt, dass er sich einfach keine Frau als Oberbefehlshaberin vorstellen könne.

In Pennsylvania entscheiden die Mitglieder und Sympathisanten der Demokratischen Partei am 22. April, wen sie als Präsidentschaftskandidaten bevorzugen.

In Texas streiten die Demokraten derweil weiter um das Ergebnis der Wählerversammlungen vom 4. März. Bevor die Stimmenauszählung unterbrochen wurde, lag Obama mit 59 Prozent in Führung. Das Endergebnis soll erst auf einer Parteiversammlung dieses Staates im Juni verkündet werden. Dabei geht es um 67 Delegierte für den Nominierungsparteitag im August.

Leser empfehlen 

(AP/dpa/bavo/gal)