Frankreichs Sozialisten haben erstmals in Urwahlen über den möglichen Herausforderer von Präsident Sarkozy bei den Präsidenschaftswahlen abgestimmt: François Hollande setzte sich ersten Ergebnissen zufolge in der ersten Runde der Vorwahlen durch - und muss sich nun Martine Aubry in einer Stichwahl stellen.
Die Politikforscher sprechen von einer "Revolution", die Sozialisten von einem "vergnügten Sprung ins Unbekannte". Am Sonntag ließ erstmals eine große Partei in Frankreich ihren Präsidentschaftskandidaten in offenen Urwahlen bestimmen.
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François Hollande tritt am Wochenende in einer Stichwahl gegen die zweitplatzierte Martine Aubry an. (© REUTERS)
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Teilergebnissen vom Abend zufolge setzte sich der frühere Chef der Sozialistischen Partei François Hollande mit knapp 40 Prozent der Stimmen durch. Auf den zweiten Platz kam die Parteivorsitzende Martine Aubry mit 30 Prozent. Hollande und Aubry werden sich kommendes Wochenende in einer Stichwahl messen. Bis zu zwei Millionen Bürger sollen sich an der Urwahl beteiligt haben, was die Sozialisten als "gewaltigen Sieg für die Demokratie" bewerteten.
Wahlberechtigt waren nicht nur Mitglieder der Sozialistischen Partei, sondern auch alle anderen Anhänger der Linken. Sie sollten darüber entscheiden, wen die Sozialisten 2012 in den Kampf um den Élysée-Palast schicken. Im ganzen Land hatten 10.000 Wahllokale geöffnet, in denen alle Franzosen abstimmen durften, die eine Charta der "Werte der Linken" unterzeichneten und einen Obolus von einem Euro entrichteten. Die Sozialisten hatten als Ziel ausgegeben, eine Million Bürger zu diesen Vorwahlen nach amerikanischem Vorbild zu bewegen. Tatsächlich konnten sie wesentlich mehr Menschen mobilisieren.
Die sechs Kandidaten hatten sich in den vergangenen Wochen einen engagierten und fairen Wahlkampf geliefert. Ihre drei TV-Diskussionen stießen bei den Franzosen auf großes Interesse. Auch die regierenden Konservativen des amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy räumten den Erfolg der sozialistischen Premiere ein. Ministerpräsident François Fillon sprach von einem "modernen Verfahren", das auch die Rechte ab 2017 anwenden solle. Für die Präsidentschaftswahl 2012 wird erwartet, dass Sarkozy erneut antreten wird.
Die sechs Kandidaten dieser Urwahl unterschieden sich inhaltlich deutlich. Hollande steht für einen pragmatisch-sozialdemokratischen Kurs. Er will den Haushalt sanieren, Schulden abbauen, das Steuersystem gerechter machen und in die Jugend investieren. Seine Rivalin Aubry hat ein linkeres Profil. Sie propagiert die Rückkehr zur Rente mit 60 Jahren, will aber ebenfalls sparen. Ségolène Royal, die 2007 in der Stichwahl Sarkozy unterlegen war, konzentrierte ihren Wahlkampf auf die benachteiligten Banlieues. Sie gilt heute in der Partei als isoliert und kam nur auf sieben Prozent der Stimmen.
Nicht um den Sieg, sondern um einen Achtungserfolg ging es für die drei weiteren Kandidaten. Aufsehen erregte dabei der Abgeordnete Arnaud Montebourg, der eine dezidiert linke Politik der "Entglobalisierung" verfolgt und die französische Wirtschaft protektionistisch verteidigen will. Er schnitt wegen der Finanzkrise und eines besonders engagierten Wahlkampfes mit 17 Prozent fast sensationell gut ab. Sollte er seinen Anhängern empfehlen, bei der Stichwahl für Aubry zu stimmen, könnte es für Hollande noch einmal knapp werden.
Ursprünglich hatte ein ganz anderer Politiker als Favorit der Urwahl gegolten: Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds Dominique Strauss-Kahn musste jedoch wegen der sogenannten "Zimmermädchen-Affäre" auf eine Kandidatur verzichten. Hollande gelang es bislang am besten, in die Lücke zu stoßen. Die Sozialisten hoffen nun, dass sie der Schwung der Vorwahlen bis zum Sieg bei der Präsidentschaftswahl trägt. Sie haben bislang nur einen Präsidenten der Fünften Republik gestellt - François Mitterrand.
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(SZ vom 10.10.2011/cag)
Reiseknigge: Türkei
... ausgeblendet ?
Teil der Republik wo die reiche alte degenerierte Säcke und schöne
dazugehörige aus Osteuropa leben - also, le midi, wählt Front Nationale.
PS ist vom Korruption-Sys TonTon Mitterand nachhaltig ramponiert,
und die Gewerkschaften, die eigentliche Wirbelseule der französischen Linke waren, haben Heute einen kleineren Einfluß als je zuvor. SGT war einmal, FO ditto ....
Ein kleines PR-Stunt, und noch ein Krieglein irgendwo im Afrika, dann ist dieser "Vorsprung" futsch.
Kultur-Kahlschlag im EU hat die meiste Schäden in Frankreich eingerichtet. Eine überparteische, nationalistische Lösung wäre nicht schlecht, aber es wird nicht passieren. Frankreich ist morsch, genauso wie das Rest dieses jämmerlichen Kontinents.
Für 30 Silberlinge :-P