Der Vatikan will Kritikern des Frauen-Priestertums den Übertritt in die katholische Kirche erleichtern. Zu besonderen Konditionen: Übergetretene anglikanische Geistlichen dürfen verheiratet sein.
Erstmals seit der Reformation vor etwa 500 Jahren bietet der Vatikan Christen einer Kirche dieser Reformation die gemeinschaftliche Rückkehr an - zu besonderen Bedingungen. Kardinal William Levada, der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, kündigte nun ein Dokument an, das den Übertritt anglikanischer Christen zur katholischen Kirche erleichtern soll.
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Erstmals seit der Reformation: Papst Benedikt XVI. umwirbt die Anglikaner. (© Foto: dpa)
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Für sie soll es eigene Personalbistümer geben, vergleichbar mit den landesweiten Militärbistümern. Die mit Rom vereinten Gemeinden sollen von übergetretenen anglikanischen Geistlichen geleitet werden, die nach wie vor verheiratet sein können. Der Heilige Stuhl reagiert damit auf die gewachsene Zahl von Anglikanern, die aufgrund der Streitigkeiten in ihrer Kirche zum Katholizismus übertreten.
Levada erklärte, in der geplanten Form könnten anglikanische Priester und Laien ihre Liturgie und ihr geistiges Erbe behalten, zugleich aber in die sichtbare Gemeinschaft mit der katholischen Kirche eintreten. Die Trennung zwischen übergetretenen Anglikanern und römisch-katholischen Christen müsse gewahrt bleiben; Katholiken seien nach wie vor "nicht eingeladen", an Gottesdiensten der anglikanischen Tradition teilzunehmen. Verheiratete katholische Priester könnten nicht in den Gemeinden eingesetzt werden. Bischöfe der neuen Gemeinschaft müssten unverheiratet sein, Frauen dürften nicht Priester werden. Auf die Zölibatspflicht für katholische Priester habe dies keinen Einfluss, betonte Kardinal Levada.
Der Vorstoß der Glaubenskongregation erfolgte offenbar in Absprache mit der anglikanischen Kirche. Der Primas von England, Erzbischof Rowen Williams von Canterbury, nannte in einer gemeinsamen Erklärung mit dem katholischen Erzbischof von Westminster, Vincent Gerard Nichols, den Vorgang eine "notwendige Klärung", der eine "Zeit der Ungewissheit beende". Die anglikanische Kirche, die weltweit mehr als 70 Millionen Gläubige zählt, ist gespalten über der Frage der Frauenordination und der Bewertung von Homosexualität. Seit den 90er Jahren treten Gläubige, die ihre Kirche für zu liberal halten, verstärkt zur katholischen Kirche über, unter ihnen zahlreiche Geistliche. Wie viele Anglikaner auf das Angebot aus dem Vatikan eingehen werden, ist umstritten: Eine Sprecherin der Anglikaner in London sagte, sie rechne mit nur wenigen Übertritten; englische Zeitungen sprechen von bis zu einer halben Million Konvertiten.
Levada nannte das Angebot des Vatikans ein "Zeichen der Ökumene", auch im Hinblick auf den Papstbesuch in Großbritannien im kommenden Jahr. Ein Ökumene-Hindernis seien allenfalls jene Christen, die um aktueller Strömungen willen die apostolische Tradition verlassen hätten. Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, hatte allerdings noch kürzlich vor einem "Fischen in anglikanischen Gewässern" gewarnt. Die evangelische Kirche in Deutschland wollte zu dem Vorgang keine Stellung nehmen. Er habe "keine Auswirkungen" auf den Dialog der Konfessionen, sagte Reinhard Mawick, der Sprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland. Dass Katholiken und Protestanten unterschiedliche Vorstellungen von der Ökumene hätten, sei "bekannt".
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(SZ vom 22. Oktober 2009)
Das ist aber nichts Neues. Es gibt einige evangelische Priester, die konvertiert waren (zum Katholizismus) und auch verheiratet!
Die Lösung ist einfach und im Bereich der Politik bereits bewährt:
Man erklärt die konvertierten Priester einfach zu Schattenpriestern. Die sind dann zwar Priester im weiteren Sinne, aber nicht so richtig waschecht. Und schwups, ... der Liebe Gott hat nix gemerkt.
(Isch lach misch kapott!)
Unser Jesus ist viiiel stärker als eurer !! Ätsch !
"Die Trennung zwischen übergetretenen Anglikanern und römisch-katholischen Christen müsse gewahrt bleiben"
Wie lässt sich so eine Haltung der Ausgrenzung mit den Lehren des Evangelium verbinden?
"Katholiken seien nach wie vor "nicht eingeladen", an Gottesdiensten der anglikanischen Tradition teilzunehmen."
Der Herr spricht "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." -- das kann die römische Kirche natürlich nicht gutheißen.
"Verheiratete katholische Priester könnten nicht in den Gemeinden eingesetzt werden"
Aus dem ersten Brief des Paulus an Timotheus (Kapitel 3) "Es soll aber ein Bischof unsträflich sein, eines Weibes Mann ... der seinem eigenen Hause wohl vorstehe, der gehorsame Kinder habe mit aller Ehrbarkeit"
Noch Fragen???
Ist eigentlich kalter Kaffee!
Auch bei uns in D treten gar nicht so selten evangelische Pfarrer samt ihrer mehrköpfigen Familie in die römische Kirche über - sie dürfen verheiratet bleiben und genießen die gleichen Privilegien wie ein kath. Priester, außer, dass sie eben keine höheren Kirchenämter wie Dekan usw. einnehmen können.
Wesentlich mehr römisch-katholische Priester verlassen ihre Kirche und werden evang. Pfarrer, wo sie durchaus Bischöfe werden können, sofern sie von den vorwiegend von Laien besetzten Synoden gewählt werden - die demokratische Struktur macht es möglich. Es geht sogar so weit, dass Beschlüsse, sich der römischen Kirche anzuschließen, möglich sind. Dieser Umstand ist es, weswegen Rom/Vatikan der evang. Kirche kaum nachzugeben braucht - die Kirche denkt in Jahrhunderten und nicht in Wahlperioden. Irgendwann wird es so sein - Vatikan kann warten! Wenn nicht jetzt, dann eben morgen oder übermorgen!
Im Grunde ist die ökumenische Beziehung zwischen röm. kath. und evangelisch eine sehr asymmetrische!
Die anglikanische Kirche hat zwar viele Aus- bzw. Übertritte zu verzeichnen.
Interessant wäre schon, wie viele den umgekehrten Weg gehen - darüber wird geschwiegen!
Die Anglikanische Kirche und vatikanische Kirche stehen sich sehr viel näher als die kontinental-evangelischen und röm. kath. Und trotzdem wird scharf getrennt!
Die m.E. große Stärke der Anglikaner ist, was hier außer Acht gelassen wird, die Tatsache, dass sich unter dem Dach der Anglikanischen Kirche eine sehr große Spanne der Religiositätsformen versammeln. Man spricht von der "Low Church" und "High Church", von den verschiedenen Auffassungen. Es gibt eben leider bei allen Religionen das große Bedürfnis der Minderheit (!) nach einer enger gefassten bis zur fundamentalen Dogmatik, so groß, dass eine Spaltung Kirche in Kauf genommen wird.
Leider!
Statt nach dem Motto Leben und leben lassen (glauben und glauben lassen), in dem Bewusstsein, dass kein Mensch (egal ob Papst oder Bischof) für sich in Anspruch nehmen oder anmaßen kann, die absolute Kompetenz der Deutung der biblischen Aussagen, die selbst sehr vielfältig ist, in sich zu vereinen, wird die Bibel einseitig gedeutet. Christen müssen eben lernen, die verschiedenen Deutungen der biblischen Aussagen auszuhalten und Unlösbares erst einmal stehen zu lassen bis man persönlich zu einem Schluss kommt.
Die faire Kommunikation der verschiedenen Auffassungen ist bereichernd und trennt nicht!
Paging