Vorschlag der CSU Anreize zum Abnehmen

Fast jeder vierte Mensch in Deutschland ist fettleibig. Die CSU fürchtet, dass deshalb das Gesundheitssystem langfristig kollabieren wird. Abnehmen soll leichter werden, findet die CSU - und fordert ein Millionenprogramm gegen den Speck.

Von Guido Bohsem

Wer Johannes Singhammer in seinem Berliner Büro besucht, darf sich freuen. Der CSU-Mann bietet eigentlich immer etwas Leckeres an, Kuchen zum Beispiel oder Croissants - gerne auch die mit Schokofüllung. Womit man eigentlich auch gleich bei der Sache ist, die den 59-jährigen Gesundheitsexperten in diesen Tagen umtreibt.

Adipositas: Fast jeder vierte Deutsche ist krankhaft fettleibig.

(Foto: dpa)

Singhammer sorgt die Dickleibigkeit der Deutschen. Und deshalb will er in dem Präventionsgesetz der Koalition unbedingt auch eine Regelung unterbringen, die seinen schwergewichtigen Landsleuten das Abnehmen leichter macht. "Wir müssen das jetzt angehen", kündigte der stellvertretende Unions-Fraktionschef am Montag an. Ansonsten stehe das Gesundheitssystem in zehn bis zwanzig Jahren vor dem Kollaps, ausgelöst durch zu viele zu dicke Menschen. "Der Anstieg der Dickleibigkeit in den letzten Jahren ist beängstigend", sagte der große und offenkundig normal-gewichtige CSU-Politiker.

In internationalen Vergleichen gehören die Deutschen zu den Dicksten. Laut Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGSI) sind unter den 18- bis 79-Jährigen 67,1 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen übergewichtig. Diese Zahl ist seit Jahren mehr oder weniger konstant. Besorgniserregender ist, dass 23,3 Prozent der Männer und 23,9 Prozent der Frauen krankhaft fettleibig sind - im Vergleich zur Vorgängerstudie von 1998 ist das vor allem bei den Männern ein deutlicher Anstieg von 4,4 Punkten.

Fettleibigkeit ist ein Grund für viele Volkskrankheiten. Sie gilt als möglicher Auslöser für Bluthochdruck und als Risikofaktor für Entwicklung der Zuckerkrankheit Diabetes. Besonders schwergewichtige Menschen leiden zudem häufig an Gelenkproblemen in Knie und Hüfte. Die Behandlung dieser Krankheiten kostet Geld.

"Mit der Dickleibigkeit ist häufig ein großes persönliches Unglück verbunden", sagte Singhammer, "es entstehen aber auch hohe Kosten für die Allgemeinheit." Er verwies in diesem Zusammenhang auf Berechnungen, die eine Kostenexplosion im Gesundheitssystem prognostizieren falls die Zahl der adipösen Menschen weiterhin im bekannten Ausmaß und mit unverminderter Geschwindigkeit zunehme.

Die derzeit gute Finanzlage bei den Kassen und im Gesundheitsfonds will Singhammer deshalb nutzen, um gegen die Dickleibigkeit vorzugehen. "Das Verfassen von Papieren und gutes Reden reicht nicht aus. Wir müssen auch Geld in die Hand nehmen", argumentierte der Abgeordnete. "Das kann schon eine höhere Summe im dreistelligen Millionenbereich sein."

Im Präventionsgesetz soll deshalb nach seinen Vorstellungen eine Regelung enthalten sein, die durch Anreizprogramme gezieltes Abnehmen und gesündere Ernährung möglich machen soll. Denkbar sei es, als Belohnung für eine erfolgreiche Diät eine Beitragsminderung bei der Krankenkasse in Aussicht gestellt zu bekommen. "Selbstverständlich muss das unter Aufsicht eines Arztes geschehen", sagte Singhammer. Der Mediziner könne dann auch die Instanz sein, der den Erfolg der Therapie beurteile. So wie die Zahnärzte für die Zahn-Prophylaxe von der Kasse Honorar erhielten, sollte nach Singhammers Worten die Adipositas-Vorbeugung ebenfalls vergütet werden.