Die CSU erwartet in Passau so viele Besucher wie schon seit Jahren nicht mehr. Die Parteianhänger wollen Stoibers Abschied feiern. Viele sind jedoch enttäuscht, dass einer der Bewerber um Stoibers Nachfolge nicht dabei sein wird.

Der bevorstehende Rückzug von Ministerpräsident Edmund Stoiber und der Wettstreit um den CSU-Vorsitz prägen den Politischen Aschermittwoch in Bayern. Stoiber will die CSU bei seiner letzten Fastenpredigt in Passau auf einen weiter konservativen Kurs einschwören.

Stoiber beim Politischen Aschermittwoch

Hauptthema: Stoibers Rückzug (© Foto: ddp)

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Parteivize Horst Seehofer sagte seine Teilnahme an der Traditionsveranstaltung kurzfristig ab. Wirtschaftsminister Erwin Huber, Seehofers Konkurrent um den CSU-Vorsitz, hat dagegen als niederbayerischer Bezirkschef Rederecht in der Dreiländerhalle.

Ansturm auf Karten

Die CSU rechnet mit einem Andrang wie seit Jahren nicht mehr. "Es gibt einen Run auf die Karten", sagte ein Partei-Sprecher am Dienstag. Im Vorjahr hatten nur 3500 CSU-Anhänger Stoibers Worten gelauscht - in der Halle mit rund 7000 Plätzen.

Dieses Jahr soll die Veranstaltung nach Angaben von CSU- Generalsekretär Markus Söder "ein Stoiber-Fest" werden. Geschmückt wird mit Transparenten, für die CSU-Anhänger im Internet Vorschläge gemacht hatten. Texte sind unter anderem: "Wir sind Stoiber" oder "Danke für alles, Edmund, Du bist der Beste".

Stoiber hatte Mitte Januar auf massiven innerparteilichen Druck hin angekündigt, er werde seine Ämter als Ministerpräsident und CSU-Chef Ende September niederlegen. Unmittelbarer Auslöser der Krise war die so genannte Spitzelaffäre um die Staatskanzlei und die Fürther Landrätin Gabriele Pauli. Stoiber hatte aber bereits seit Herbst 2005 Ansehen in der CSU eingebüßt, als er ein Ministeramt in der großen Koalition für sich aushandelte, dann aber ausschlug.

Pauli kritisiert Doppelmoral

Angesichts der Debatte um das Privatleben von Bundesagrarminister Seehofer kritisierte Pauli in der Tageszeitung Die Welt eine weit verbreitete Doppelmoral. Viele hätten nach außen hin scheinbar ein perfektes Privatleben aufzuweisen, lebten aber in ihren Ehen nicht glücklich. "Wenn jemand politisch kompetent ist, hat das Privatleben damit nichts zu tun."

Seehofer ist an der CSU-Basis vor allem wegen der Medienberichte über eine Liebesaffäre unter Druck geraten. Auch Pauli ist in Passau bei der CSU-Kundgebung zu Gast. Sie rechne mit einem "schönen Abschied" für Stoiber, sagte sie der dpa.

Mehr als 650 Gäste erwartet die SPD im 30 Kilometer von Passau entfernten Vilshofen an der Donau. Dort tritt erneut SPD-Chef Kurt Beck auf, der bereits vor zwei Jahren Gastredner im traditionsreichen "Wolferstetter Keller", der einstigen Aschermittwochshochburg der CSU war. Vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten sei eine "gemäßigte Rede" zu erwarten, sagte der Sprecher der bayerischen SPD, Harald Schneider.

Hohn und Spott für CSU

Es sei unwahrscheinlich, dass Beck auf Stoiber, der sein Berliner Koalitionspartner ist, "draufhaut." Möglich sei aber, dass er "von Parteichef zu Parteichef Mitleid äußert, wie die CSU auf einmal mit ihrem Vorsitzenden umgeht". Hohn und Spott in Richtung CSU sind dagegen vom bayerischen SPD-Chef Ludwig Stiegler und SPD-Landtagsfraktionschef Franz Maget zu erwarten.

Sowohl bei der CSU als auch bei der SPD haben sich nach Angaben der Parteisprecher so viele Medienvertreter wie noch nie angemeldet. Die SPD hat zu ihrem Polit-Kehraus in Vilshofen den Bundesvorsitzenden Kurt Beck eingeladen.

Auch die anderen Parteien warten mit Politprominenz auf. Bei den jeweiligen Parteiveranstaltungen treten unter anderem FDP-Chef Guido Westerwelle, Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin und Linksfraktionschef Gregor Gysi auf. Bei den Freien Wählern redet der Landesvorsitzende Hubert Aiwanger, der in den vergangenen Monaten mit scharfer Kritik bei der CSU angeeckt war.

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(dpa)