Aus dem Fernsehen erfuhr Susanne Osthoffs Mutter von der Freilassung ihrer Tochter. Mit der guten Nachricht kamen auch der Ansturm der Journalisten und die Hoffnung auf die baldige Heimkehr.
Wie eine Lawine bricht das Glück über Robert Osthoff herein. Kurz nachdem er die Nachricht über die Freilassung seiner Schwester Susanne Osthoff vom Bundeskriminalamt in seiner Wohnung erfahren hat, stehen Telefon und Türklingel nicht mehr still. "Hallo? Ja, wir sind überglücklich", ruft der Bruder gleichzeitig in Handy und Telefonhörer.
Champagner auf die Freiheit der Tochter: Susanne Osthoffs Mutter Ingrid Hala. (© Foto: Reuters)
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Mutter nichtsahnend unterwegs
Journalisten aus der ganzen Republik rufen an und bedrängen ihn mit Fragen. Vor der Tür warten bereits Fernsehreporter. Seine Mutter Ingrid Hala sitzt zu diesem Zeitpunkt noch nichtsahnend im Auto. Gemeinsam mit ihrem Ehemann befindet sie sich nach einem Weihnachtsbesuch bei dessen Tochter auf dem Heimweg. Als sie um kurz nach acht Uhr den Fersehapparat anstellt, kann sie es kaum fassen: Nach mehr als drei Wochen Warten ist ihre Tochter frei.
"Ich fühl' mich völlig überrollt", sagt die 66-Jährige überwältigt von der guten Nachricht. "Ich hoffe, Susanne kommt bald heil wieder nach Hause und kann ihre Tochter Tarfa in die Arme schließen." Mit dem Bundeskriminalamt habe sie noch nicht gesprochen. Und auch nicht mit ihrer Tochter Anja, die zuletzt immer wieder öffentlich an die Entführer appelliert hatte, Susanne Osthoff freizulassen.
Die Hoffnung fast verloren
Anja habe sich nach dem Medienrummel der Berliner Mahnwache am vergangenen Mittwoch zurückgezogen, um wieder zu Kräften zu kommen, sagte Ingrid Hala. "Sie war total fertig." Auch sie selbst habe trotz der positiven Zeichen in den vergangenen Tagen fast die Hoffnung verloren. "Überall waren nur Fragezeichen, das war so schlimm", sagte sie. Die Familie habe in den vergangenen Tagen den Druck kaum mehr ausgehalten, bestätigte auch ihr Sohn Robert Osthoff. "Das überlebst du fast nicht", sagte er.
Einzelheiten über die Umstände der Befreiung kennen die Familienangehörigen bislang nicht. Der Bruder berichtete, die Beamten hätten ihm am Telefon nur gesagt, seine Schwester sei in der deutschen Botschaft in Bagdad. Alles weitere erfahre er in den Fernsehberichten.
Engagement für weitere Entführte
Osthoff kündigte an, am 26. Dezember, dem zweiten Weihnachtstag, um 12 Uhr, bei Bad Aibling eine Danksagung für die Freilassung zu organisieren, die zugleich Mahnwache für alle anderen noch im Irak verschleppten Geiseln sein solle. "Ich wünsche niemandem, dass er so etwas mitmachen muss wie wir, das ist einfach furchtbar", sagte er.
Zu Spekulationen, ob es sich um eine politisch motivierte Entführung gehandelt habe oder ob es um Lösegeld ging, wollte sich Robert Osthoff nicht äußern. Er betonte aber, dass es seiner Schwester mit ihrer Arbeit im Irak stets darum gegangen sei, auf "den Ausverkauf" des Landes hinzuweisen.
(SZ vom 19.12.2005)