Vor Verfassungsreferendum in Ägypten Straßenschlachten in Alexandria

Proteste in Ägypten: Anhänger und Gegner von Präsident Mursi liefern sich in Alexandria Straßenschlachten.

(Foto: AP)

Salafisten und Anhänger der liberalen Opposition gehen in Alexandria mit Steinen und Stöcken aufeinander los. Mehrere Menschen werden verletzt. Die ägyptische Polizei setzt Tränengas gegen die Kontrahenten ein.

Vor dem zweiten Teil des ägyptischen Verfassungsreferendums haben sich Anhänger und Gegner von Präsident Mohammed Mursi Straßenschlachten geliefert. In der Hafenstadt Alexandria im Norden des Landes bewarfen sich Angehörige beider Gruppen gegenseitig mit Steinen. Dann sollen Salafisten und Anhänger der liberalen Opposition mit Stöcken aufeinander losgegangen sein. Die Polizei versuchte mit Tränengas, die Ausschreitungen zu beenden.

Tausende Islamisten, die den Verfassungsentwurf befürworten, gingen in der zweitgrößten Stadt des Landes auf die Straßen und riefen "Gott ist groß". Sie hatten sich unter dem Motto "Schutz der Religionsgelehrten und Moscheen" versammelt. Die Opposition demonstrierte gleichzeitig andernorts gegen den Verfassungsentwurf, über den an diesem Samstag die restlichen 17 Provinzen abstimmen sollen.

Am vergangenen Samstag war bereits in zehn Provinzen über den umstrittenen Entwurf für das neue Grundgesetz abgestimmt worden. Dabei hatten sich etwa 57 Prozent der Wähler für den Entwurf ausgesprochen, etwa 43 Prozent hatten dagegen gestimmt.

Liberale, Säkulare, Christen und andere Kritiker monieren, die Verfassung würde dem islamischen Recht, der Scharia, zu viel Raum geben. Sie fürchten, dass Bürgerrechte und Freiheiten zu kurz kommen. Präsident Mursi und die ihm nahestehende Muslimbruderschaft dagegen wollen, dass mit der Verabschiedung des Texts endlich die Übergangsphase seit dem Sturz des Präsidenten Hosni Mubarak im Februar 2011 beendet wird.

In den vergangenen Wochen war es zu massiven Protesten der Opposition gegen das Referendum und die Politik von Präsident Mursi gekommen. Bei gewaltsamen Ausschreitungen wurden mindestens zehn Menschen getötet, etwa tausend wurden verletzt.