Vor seinem ersten Gipfeltreffen mit der EU hat Russlands Präsident Dmitri Medwedjew um eine langfristige Zusammenarbeit geworben. Der Kreml-Herr setzte durchaus andere Akzente als sein Vorgänger - nur in Sachen Pressefreiheit klang er wie Wladimir Putin.

Der angestrebte Partnerschaftsvertrag solle die Beziehungen auf eine breite Grundlage stellen und "unsere prinzipiellen Positionen für die kommenden Jahre festhalten", sagte Medwedjew vor dem für Donnerstag geplanten Treffen. Er wünsche sich ein Rahmenabkommen und keine Vereinbarung, die sich in Details verliere.

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Anders als sein Vorgänger Wladimir Putin sandte der 42-jährige Staatschef in seinem ersten Interview mit einem westlichen Medium versöhnliche Signale an die europäischen Verhandlungspartner, die wegen ihrer Abhängigkeit von russischem Gas unter Druck stehen.

Russland als "Teil von Europa"

Russland verstehe sich als "großer europäischer Staat" und "Teil von Europa", sagte der seit Anfang Mai regierende Präsident. Putin hatte wiederholt damit gedroht, für den Rohstoffreichtum seines Landes auch andere Abnehmer zu finden. Zudem setzte der frühere Präsident Konflikte wie den Streit um die Stationierung von Teilen des US-Raketenschilds in Polen und Tschechien gerne als Druckmittel ein.

Medwedjew schloss sich zwar Putins Grundsatz an, dass Außenpolitik von nationalen Interessen geleitet werde. Er nannte im selben Atemzug aber auch Freiheit, Rechtstaatlichkeit und Respekt vor dem Eigentum als Prinzipien. "Das sind die Werte, die wir auch in unseren Beziehungen zu unseren internationalen Partnern hochhalten", sagte Medwedjew. "Unsere Außenpolitik kann nicht als liberal oder konservativ beschrieben werden. Sie muss eine Politik sein, die unsere nationalen Interessen unterstützt und fördert. Das ist der Kern."

Auf die ausländische Kritik an der russischen Haltung in internationalen Konflikten angesprochen vermied Medwedjew die von Putin zuletzt gewohnten Tiraden gegen westliche Scheinheiligkeit und Doppelstandards. Es sei normal, dass es Einwände gebe, sagte er in größter Ruhe. Schließlich habe auch Russland seine Schwierigkeiten mit anderen Ländern.

Medwedjew: Es gab nie Probleme mit Pressefreiheit

Als größte Gefahren für Russland listete er Probleme auf, vor die sich die Staatengemeinschaft insgesamt gestellt sieht: die Lebensmittelkrise, Terrorismus, internationale Kriminalität. Diese Entwicklungen müssten global und gemeinsam angegangen werden, auf europäischer und internationaler Ebene im Rahmen der G-8-Gruppe aus führenden Industriestaaten. "Ich bin überzeugt, die Gefahren für die moderne Welt sind dieselben für alle", sagte er.

Nur beim Thema Medienfreiheit klang Medwedjew ganz und gar wie sein Vorgänger: Anders als vom Westen vorgeworfen seien russische Fernsehsender, Zeitungen und Webseiten "absolut frei". "Es gibt keine Probleme damit, dass Informationen in Russland zurückgehalten werden", betonte er in plötzlich energischem Tonfall. "Es gab sie nie und es wird sie nie geben."

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(Reuters/odg)