Vor dem 11. September 2001 Bush war angeblich vor Terrorangriffen gewarnt

Der US-Präsident ist nach Medienberichten mehr als einen Monat vor dem 11. September 2001 über geplante Flugzeugentführungen der al-Qaida informiert worden. Erst am Donnerstag hatte Bushs Sicherheitsberaterin Rice abgestritten, dass es konkreten Hinweise auf die solche Anschläge gegeben hätte.

Entsprechende Terror-Warnungen seien in einem Memorandum enthalten gewesen, das dem Präsidenten am 6. August 2001 vorgelegt wurde, berichteten US-Medien wie die renommierte New York Times unter Berufung auf Regierungsbeamte.

Danach enthielt das Informationspapier auch Hinweise, denen zufolge Terroristen Flugzeuge zur Freipressung Ende der 90er Jahre gefangen genommener al-Qaida-Mitglieder entführen wollten.

Erst am Donnerstag hatte Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice vor dem unabhängigen Untersuchungsausschuss des Kongresses zum 11. September ausgesagt, das Memorandum habe in erster Linie aus "geschichtlichem" Hintergrund zur al-Qaida-Bedrohung bestanden, das heißt, im Wesentlichen aus Angaben über mögliche Strategien und Pläne in der Vergangenheit. Besondere Warnungen vor etwaigen künftigen Anschlägen in den USA seien nicht enthalten gewesen.

"Bin Laden zu Anschlägen innerhalb der USA entschlossen"

Der Ausschuss hatte nach der Aussage von Rice eine Veröffentlichung des bisher als geheim klassifizierten Memorandums gefordert und das Weiße Haus hatte mitgeteilt, dass eine Freigabe vorbereitet werde. Ein Sprecher erklärte inzwischen, dass sich die Freigabe wegen der dafür erforderlichen "komplexen Abstimmungen" mit verschiedenen Stellen wie etwa den Geheimdiensten verzögern werde.

Den Medienberichten zufolge enthält das Papier mit dem Titel "Bin Laden zu Anschlägen innerhalb der USA entschlossen" unter anderem folgende Punkte:

- Im Mai 2001 erhielt ein US-Geheimdienst Informationen, "die auf Versuche Bin Ladens hindeuteten, Terroristen zwecks Sprengstoffanschlägen über Kanada in die USA zu schicken". Diese Informationen seien an Geheimdienste und Bundespolizei weitergegeben worden.

- Die al-Qaida suchte nach Wegen, um amerikanische Flugzeuge zu entführen. Ziel sei die Freipressung von Terroristen gewesen, die 1998 und 1999 festgenommen worden seien.

- Bin Laden wollte schon in den Jahren 1997 bis 2001 Anschläge in den USA ausführen.

- Einige Gehimdienstinformationen deuteten darauf hin, dass mutmaßliche al-Qaida-Mitglieder in die und aus den USA gereist seien und möglicherweise auf amerikanischem Boden ein Netzwerk zur Unterstützung gehabt hätten.

- Im Jahr 2001 liefen mindestens 70 Ermittlungen des Bundeskriminalamts FBI mit Blick auf mögliche Operationen von al-Qaida-Zellen in den USA.

Der US-Sender CNN zitierte unterdessen "Kreise" mit Kenntnis des am Memorandums mit den Worten, viele der genannten Geheimdienstinformationen beruhten auf Angaben lediglich aus einer einzigen Quelle. Keiner dieser Hinweise habe einen Bezug zu den wenig später erfolgten Anschlägen vom 11. September.