Vor dem Parteitag der neuen Linken Die Partei der alten Herren
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Nicht nur Gysi, Bisky, Lafontaine: In der Führung der neuen Linken werden Männer dominieren. Die Frauen sind schon jetzt verärgert und drängen auf Korrektur.
Dass Links- und Emanzipiert-Sein nicht immer miteinander einhergeht, ist keine ganz neue Erkenntnis. Schon die Männer des SDS liebten eher die Körper der Uschi Obermaiers als den Geist ihrer Mitstreiterinnen. Dass es mit der Gleichberechtigung in der neuen deutschen Linken aber so schwer würde, hätten ihre Frauen trotzdem nicht gedacht.
Im Überblick Die geplante neue Führung für die neue Linke
Noch heute erzählen sie mit Schaudern von der Wortmeldung eines Delegierten auf dem letzten WASG-Parteitag. Da klagte ein "Rudi aus Bocholt" mit großer Emphase über die Einführung der Frauen-Quote. "Unerträglich" sei es, dass der neuen Partei damit "eine Diktatur der Frauen aufgedrängt wird", empörte sich der Mann. In der WASG steht die Emanzipation bisher nicht unbedingt auf Platz eins der Agenda.
Die 50-Prozent-Quote für alle Gremien wurde dann zwar doch noch beschlossen, aus der Diktatur der Frauen dürfte trotzdem nichts werden. Der Parteivorstand wird zwar erst am Samstag gewählt. Doch schon jetzt ist klar, dass an der Spitze der neuen Linken eine Altherren-Riege stehen wird.
Gleichberechtigte Parteichefs sollen der 65-jährige Lothar Bisky und der 63 Jahre alte Oskar Lafontaine werden. Der Bundestagsfraktion werden weiterhin Lafontaine und Gysi - der genießt auch schon das 60. Lebensjahr - vorstehen.
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Komplettiert werden soll der Führungszirkel durch den 62-jährigen Schatzmeister Karl Holluba und Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch - mit seinen 49 Jahren im Kreise der anderen fast ein Jüngling. Wenn sich die Delegierten an die Absprachen halten, werden fünf ältere Männer an der Spitze der neuen Partei stehen.
Kritik am "Triumvirat"
Kein Wunder, dass es unter den Genossinnen grummelt. Für Donnerstag haben sie zum "Frauenplenum" nach Berlin geladen. Unter dem Motto "Brot und Rosen - ermutigen und selbst ermächtigen" wollen sie sich Luft verschaffen. Was ihnen stinkt, haben die Frauen schon in die Einladung geschrieben: Die "rein männliche Doppelspitze", der "Schlingerkurs in bezug auf die Frauenquoten" und das Umgehen von Quotierungen bei Listenaufstellungen.
Katja Kipping, zusammen mit Dagmar Enkelmann prominentestes weibliches Gesicht der Linken, monierte bereits am Montag die Benachteiligung der Frauen. Es sei ein politischer Fehler, dass das "Herren-Triumvirat" Bisky-Lafontaine-Gysi die Führung allein übernehme, sagte sie dem Spiegel. Die Frauen würden "auf die Korrektur dieser Entscheidung drängen". Spätestens 2008 müsse auch eine Frau Partei- oder Fraktionschefin sein.
Daraus dürfte jedoch nichts werden. Lafontaine, Gysi und Bisky haben unisono erklärt, Partei und Fraktion mindestens bis zur Bundestagswahl 2009 führen zu wollen. Außer ihrem Geschlecht spricht auch nichts gegen diese Lösung.
Lafontaine und Gysi sind die einzigen bundesweit bekannten Linkspolitiker - und Zugpferde aller Wahlkämpfe. Der eine gibt das Raubein für die Bierzelte, der andere den Kulturbeflissenen für die Feingeistigen. Und Bisky ist nicht nur das Scharnier zwischen den beiden Diven, sondern auch unbestrittene Identifikationsfigur aller Altgenossen und so etwas wie der Kuschel-Opa der gesamten Partei.
Die drei könnten unterschiedlicher kaum sein, verstehen und respektieren sich aber. Bisher gibt es keine Frau, die einen der drei gleichwertig ersetzen könnte.
Bei der Wahl der vier Stellvertreter gibt es dieses Problem nicht: Für die Linkspartei.PDS sollen Kipping und Katina Schubert Parteivize werden, sie haben sich bereits in ihrer jetzigen Partei als stellvertretende Vorsitzende einen Namen gemacht. Für die WASG werden voraussichtlich deren bisheriger Chef Klaus Ernst und die Verdi-Bildungssekretärin Ulrike Zerhau Parteivize.
Quoten mit Trick erfüllt
Nun muss die Partei aber alle Gremien zu 50 Prozent mit Frauen besetzen. Um dies trotz der vielen Männer an der Spitze zu erreichen, sollen in den "geschäftsführenden Bundesvorstand" - wie das Parteipräsidium offiziell heißt - zusätzlich zu den acht eigentlichen vier "weitere Mitglieder" kooptiert werden.
Dadurch lässt sich auch die zweite Quote erfüllen: 50 Prozent aller Führungsämter stehen der WASG zu. Die Namen der vier weiteren Mitglieder stehen noch nicht endgültig fest. Sicher ist angesichts der Quoten-Arithmetik aber, dass unter ihnen drei WASG-Mitglieder und drei Frauen sein müssen.
Ob der Trick mit den kooptierten Vorstandsmitgliedern reichen wird, um der Partei ein weiblicheres Gesicht zu geben, darf bezweifelt werden. Dabei wäre dies dringend notwendig. In Bremen haben ein Drittel weniger Frauen als Männer die Linken gewählt. Bei der Bundestagswahl 2005 war es kaum anders. Zumindest das müsste eigentlich auch Rudi aus Bocholt stören.