Finanzminister Wolfgang Schäuble plädiert dafür, Steuerentlastungen zu verschieben, zu verringern oder durch Etatkürzungen auszugleichen - denn der Stufenplan des Koalitionspartners FDP könnte zu Ungerechtigkeiten führen.
Die FDP stößt mit ihren Plänen für weitere massive Steuersenkungen in der Koalition auf immer größeren Widerstand. Kurz vor dem Krisentreffen der Koalitionsspitzen hieß es in Regierungskreisen, die Reform müsse abgespeckt, verschoben oder durch Einsparungen an anderer Stelle gegenfinanziert werden. Sonst sei sie nicht zu verantworten. Die Bedenken werden von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) geteilt.
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Für Finanzminister Schäuble werden die geforderten Steuersenkungen zunehmend zum Problem. (© Foto: AP)
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Nach Lesart der FDP hat die Koalition vereinbart, die Steuerlast von Bürgern und Unternehmen von 2011 an noch einmal um 20 Milliarden Euro pro Jahr zu senken. Die Union verweist jedoch darauf, dass die Reform "unter Finanzierungsvorbehalt" stehe, also nur in Kraft treten könne, wenn sie bezahlbar sei.
"Ein Riesenproblem"
Daran jedoch gibt es bei CDU/CSU angesichts der Wirtschaftskrise Zweifel. "Wir haben ein Riesenproblem damit, die mit einer Steuersenkung verbundenen Einnahmeausfälle und die sich aus der Schuldenbremse ergebenden Sparerfordernisse miteinander in Einklang zu bringen", hieß es in den Kreisen.
Um einen Ausweg zu finden, werden im Finanzministerium derzeit unterschiedliche Modelle berechnet. Das Problem dabei ist der von den Liberalen geforderte steuerliche Stufentarif. Um ihn einführen zu können, müsste die Steuerlast im Vergleich zum jetzigen Stand um mindestens 15, wahrscheinlich sogar um 20 Milliarden Euro verringert werden.
Anderenfalls würden zwar viele Bürger sehr stark entlastet, einige wenige Gruppen müssten aber womöglich sogar mehr Steuern zahlen als bisher. Das will die Koalition in jedem Fall vermeiden. "Wir können weder darauf setzen, dass sich die gesamte Reform durch mehr Wirtschaftswachstum selbst finanziert, noch darauf, dass wir brutal einsparen können", hieß es in den Kreisen. Deshalb sei auch eine Streckung oder Verschiebung der Reform auf 2012 oder 2013 denkbar.
Druck auf die Liberalen
Die Parteichefs von CDU, CSU und FDP, Angela Merkel, Horst Seehofer und Guido Westerwelle, wollen am kommenden Sonntag im Kanzleramt das weitere Vorgehen der Koalition besprechen.
Mit konkreten Entscheidungen ist dabei noch nicht zu rechnen. Vielmehr könnte Schäuble beauftragt werden, parallel zur Aufstellung des Bundeshaushalts 2011 Modelle für Steuersenkungen bei gleichzeitiger Einhaltung der Schuldenbremse auszuarbeiten. Der Finanzminister hatte intern zu verstehen gegeben, dass die Befolgung der Schuldenregel im Grundgesetz für ihn unabdingbar ist.
Mit der Drohung, die Reform zu verschieben, soll nach Angaben aus den Kreisen auch Druck auf die Liberalen ausgeübt werden, endlich Einsparvorschläge zur Finanzierung der Steuersenkungen vorzulegen. Es könne nicht sein, dass die FDP für die Geschenke und die Union für die Grausamkeiten zuständig sei, hieß es.
Aus den Reihen der Freidemokraten verlautete hingegen, man werde unter allen Umständen an den im Koalitionsvertrag vereinbarten Steuersenkungen festhalten. Dabei gehe es Parteichef Guido Westerwelle vor allem um die Glaubwürdigkeit seiner Partei. "Die Bürger brauchen jetzt ein faires steuerpolitisches Gesamtkonzept mit Entlastungen und Vereinfachungen", sagte FDP-Generalsekretär Christian Lindner der SZ. Es sei deshalb unverständlich, "dass der im Koalitionsvertrag vereinbarte Zeitplan mit dem zweiten Entlastungsschritt für 2011 von manch einem in der Union hinterfragt wird". Es seien schließlich auch führende Köpfe der Union und vor allem die CSU gewesen, die während der Koalitionsverhandlungen das Jahr 2011 mit forciert hätten.
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(SZ vom 12.01.2010/ehr)
Die Ärzte in München
Nachtrag zu Ankur:
Auch mit Stufenmodell würden Steuerberater nicht arbeitslos. Denn die verdienen ja ihr Geld nicht mit Austricksen des linearen Verlaufs des Grenzsteuersatzes, sondern mit betriebswirtschaftlicher Beratung, Erstellung von Steuererklärungen, Erstellung von Jahresabschlüssen und Bequatschen der Finanzbehörden und allerlei mehr.
@Hallo Ankur:
Ich las in der SZ, daß die FDP ab 42.000 nur 35% Grenzsteuer fordert. Stimmt das etwa nicht?
Und mir ist auch klar, daß den Spitzensteuersatz kaum jemand zahlt. Die Rechnung war ja nur als Vergleich gedacht, um zu zeigen, daß daß die von der FDP geforderten Steuersätze nur Spitzenverdiener entlasten.
Schauen Sie bitte in die amtliche Steuerstatistik, die theoretischen 45% Plus Soli = 50% zahlen unsere Spitzensteuerzahler nicht. 35% der FDP ist sicher etwas niedrig, aber mit 40% wären Sie gut dabei.
Dumm nur, dass dann tausende selbstständige Steuerberater und zig Finanzbeamte "arbeitslos" würden. Die Beamten müssten dann ja wieder Arbeit finden und könnten die lieben Selbstständigen öfter als einmal in 30 Jahren prüfen. Was wetten wir, dass die Klientel der FDP das ganz sicher auch nicht will?
Ihr wolltet diese Regierung.... ihr habt Sie !!!!!
gut... es war die Wahl zwischen Pest und Cholera....
Neue Männer braucht das Land ! :-)
"Was an dem leidigen Dreistufentarif fair und gerecht sein soll, hat sich mir auch noch nicht wirklich erschlossen: Die Sprünge an den Grenzsteuersätzen sind doch viel zu extrem!"
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Die FDP nutzt den Stufentarif lediglich als Trojanisches Pferd. Sie startet eine Scheindiskussion in der Öffentlichkeit und bedient mit populistischen Wertungen die schlichten Gemüter, wenn sie meint mit "ihrem" Stufentarif würden sie ein einfacheres, leichter verstehbares Steuersystem einführen.
Eigentlich gehts der FDP gar nicht darum, ob der Tarif linear-progressiv oder stufig ist. Es geht ihr nur darum den effektiven Steuersatz und den Grenzsteuersatz im hohen Einkommensbereich für ihre Klientel signifikant zu senken. Bei 10% ab 8000, 25% ab 15.000 und 35% ab 42.000 machen selbst für einen Gutverdiener mit 10.000 monatl. Einkommen die Vorteile des FDP-Vorschlags noch nichts aus. Beim Steuermodell bis Dez. 2009 lag für diesen Verdiener der eff. Steuersatz bei ca. 35%. Nach dem Stufenmodell FDP läge er nur minimal niedriger bei 34,7%. Denn beim FDP-Steuermodell konvergiert der gegen 35%.
Interessant wirds daher bei Jahreseinkommen beispielsweise ab 250.000 . Diese Einkommen werden spürbar entlastet. Bei der FDP wie gesagt nur knapp 35% effektiver Steuersatz, doch nach bisherigen Modell 38,7%. Dass sind 9200 Steuergeschenk im Jahr für diesen wirklich Reichen. Ein Einkommensmillionär zahlt mit bei der FDP 8,4% weniger Steuern. Statt 43,4% effektiven Steuersatz nur eben die 35%. Das sind 84.000 weniger.
Das FDP-Modell kommt wie man sieht nur den besser verdienenden Großunternehmern und Industriellen zugute.
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