Bei der Fahndung nach militanten Globalisierungskritikern fängt die Hamburger Polizei Medienberichten zufolge verdächtige Briefe ab. Im Visier der Ermittler sind dabei Postsendungen ganzer Hamburger Stadtteile.

Polizisten kontrollieren nach einem Bericht der Tageszeitung taz nord auf der Suche nach G-8-Gegnern in einem Hamburger Briefzentrum systematisch bestimmte Postsendungen.

Postkasten

Die Polizei liest mit: Nach Medienberichten fangen Beamte verdächtige Post ab, um militante G-8-Gegner zu ermitteln. (© Foto: dpa)

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Wie das Blatt berichtet, arbeiten Ermittler des Landeskriminalamtes im Briefzentrum Mitte in einem dafür eingerichteten Raum.

Dabei würden auch Briefe geöffnet. Der Sprecher der Hamburger Polizei, Ralf Meyer, sagte auf Anfrage der taz und der dpa, zu polizeitaktischen Fragen mache er aus grundsätzlichen Erwägungen keine Angaben.

Dem Bericht zufolge fangen die Ermittler verdächtige Postsendungen ab und öffnen sie.

Die Aktion laufe unter der Federführung des Bundeskriminalamtes (BKA), die Ausführung habe das Landeskriminalamt (LKA) übernommen. Ein Dutzend LKA-Beamte sei im Einsatz. Besonders im Visier seien die Szenestadtteile Altona, St. Pauli und Eimsbüttel sowie das Schanzen- und das Karoviertel. Das BKA verwies auf auf die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Von dort war eine Stellungnahme nicht zu erhalten.

Das Ausmaß der Aktion sei bisher nicht genau bekannt, schreibt die Zeitung. Es gehe aber nicht nur darum, mögliche Bekennerbriefe an die Medien frühzeitig abzufangen. Postkasten-Entleerern bestimmter Touren seien sogar Briefe aus dem Beutel heraus abgenommen und direkt der LKA-Briefkontrolle zugeführt worden, bevor sie in die Verteilung gelangten.

Hamburgs Datenschutzbeauftragter Hartmut Lubomierski äußerte in der Zeitung erhebliche Zweifel, dass es für derartige Maßnahmen eine rechtliche Grundlage gebe. Der Staatsrechtler und Bundestagsabgeordnete der Linksfraktion, Norman Paech, sagte dem Blatt: "Sollte dies durch einen gerichtlichen Beschluss gedeckt sein, dann haben die Richter jedes Maß für Grundrechtsschutz verloren."

Lob von Kardinal Lehmann

Die Sicherheitsmaßnahmen, die Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble angeordnet hat, erhielten indessen Zustimmung von ungewohnter Seite. Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, hat die Pläne Schäubles vor dem G-8-Gipfel verteidigt. Der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte Lehmann, er habe Schäuble "seit Jahrzehnten als erfahrenen, besonnenen Politiker" erlebt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Mann leichtsinnig handelt."

Schäuble könne aber "selbstverständlich nicht öffentlich alles sagen", was im er Hinblick auf mögliche Gefährdungen wisse.

Lehmann befürwortete Demonstrationen vor dem Gipfel in Heiligendamm, um von den Industriestaaten einen höheren Anteil an Entwicklungshilfe einzufordern. Wer demonstriere, müsse sich aber "glasklar von jeder Gewalt distanzieren".

Dies sei im Augenblick das große Problem. "Es besteht die Gefahr, dass sich kleinere Gruppen, die der Gewalt nicht eindeutig abschwören, in größeren Netzwerken verstecken." Er bedauere die "martialischen Absperrungen in Heiligendamm", habe aber für Schäubles Vorgehen Verständnis.

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(dpa)