Jetzt ist es offiziell: Erstmals in der deutschen Geschichte hat die CDU hat die SPD als mitgliederstärkste Partei überrundet - die Partei will ihre 530.755 Mitglieder nun nachhaltig sichern.

Mit einer verstärkten Mitgliederkampagne will die CDU in den nächsten Monaten den neugewonnenen Platz als größte deutsche Partei verteidigen.

CDU; Wulff; Pofalla, Koch; dpa

Freuen sich über den Status als mitgliederstärkste Partei: die CDU-Granden Christian Wulff, Ronald Pofalla und Roland Koch. (© Foto: dpa)

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Derzeit zählen die Christdemokraten genau 530.755 Mitglieder, wie Generalsekretär Ronald Pofalla am Montag in Berlin mitteilte. Das sind rund 750 mehr als die SPD nach aktuellem Stand Mitglieder hat (Ende Juni: 529 994). Damit löst die CDU erstmals die SPD als mitgliederstärkste Partei ab. Insgesamt liegt die Union - also CDU und bayerische Schwesterpartei CSU gemeinsam - allerdings schon seit 1995 vorn.

In den Grundzügen war auch die jüngste Entwicklung bereits seit Ende vergangener Woche bekannt. Mit der Veröffentlichung der genauen Zahl ließ sich die Partei von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aber bis Montag Zeit. "Heute ist ein historischer Tag in der Geschichte der CDU", freute sich Pofalla. Allerdings musste der Generalsekretär einräumen, dass seine Partei ebenfalls Mitglieder verliert. Trotz 9600 Neuzugängen in den ersten sechs Monaten des Jahres hat die CDU etwa 6000 Mitglieder weniger als zu Jahresbeginn.

Mehr Eintritte als Austritte

Deshalb will die CDU ihre Mitgliederwerbung noch einmal verstärken, um 2009 erstmals seit Jahren wieder zu wachsen. "Das Ziel einer Trendumkehr ist erreichbar", zeigte sich Pofalla überzeugt. Schon in zwei der ersten sechs Monate des Jahres habe es mehr Eintritte als Austritte gegeben. Beide große Volksparteien leiden seit langem unter erheblichem Mitgliederschwund. Als Gründe dafür gelten Parteienverdrossenheit, Unzufriedenheit über den aktuellen Kurs der Parteien sowie Überalterung.

Die CDU hatte kurz nach dem Mauerfall ihr Rekordergebnis mit damals noch 750.000 Mitgliedern verzeichnet. Die SPD verlor seit 1976 sogar fast die Hälfte ihrer Parteibuch-Inhaber und ist nur noch in fünf Bundesländern - Berlin, Hamburg, Bremen, Hessen und Saarland - größer als die Union. Am Mitgliederverlust der SPD, der noch deutlicher ist als bei den Christdemokraten, findet Pofalla nach eigenem Bekunden allerdings kein Gefallen. "Ich halte politische Konkurrenz in Deutschland für etwas Gutes."

Nach Ansicht des Bonner Politikwissenschaftlers Gerd Langguth ist die Schrumpfung von SPD und CDU auch eine Folge des gemeinsamen Regierungsbündnisses. "Gerade in der großen Koalition scheint vielen das inhaltliche Profil der Parteien unterentwickelt und führt zu Frust bei vielen Mitgliedern", sagte das frühere CDU-Vorstandsmitglied der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zudem gebe es einen generellen Trend zur Abkehr von Großorganisationen sowie eine zunehmende "Vergreisung" der Parteien. "Sie sind unfähig, sich insbesondere für junge Menschen attraktiv zu machen."

Die drei Oppositionsparteien im Bundestag freuen sich dagegen über steigende Zahlen. Die Linke gewann nach Angaben von Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch seit Ende 2007 rund 2200 Mitglieder hinzu. Ende Juni zählte die im vergangenen Jahr aus PDS und WASG fusionierte Partei 74.206 Mitglieder, Ende 2006 hatten die beiden Vorgängerparteien zusammen nur 69.000.

Die FDP hat aktuell 65.098 Mitglieder, wie Bundesgeschäftsführer Hans-Jürgen Beerfeltz mitteilte. Das sei ein Nettozuwachs um 1020 im laufenden Jahr. Seit dem Jahr 2000 habe die FDP 1500 Mitglieder gewonnen. Auch die Grünen melden nachhaltiges Wachstum. Am 30. Juni gehörten der Partei 44.700 Mitglieder an, sagte ein Parteisprecher. Das waren 40 mehr als Ende April und 380 mehr als Ende 2007.

"Typus der Volkspartei ist überholt"

Der Politikwissenschaftler Peter Lösche sieht einen Wandel in der politischen Kultur Deutschlands. "Der alte Typus der Volkspartei ist überholt", sagt er angesichts der sinkenden Mitgliederzahlen von CDU und SPD. Zugleich warnt er vor einer Dramatisierung: " Die Parteien haben nicht mehr den Alleinvertretungsanspruch. Das muss nichts Schlechtes sein." Der Mitgliederschwund rühre allerdings am Selbstvertrauen der SPD: "Die Sozialdemokraten haben ihren Gestaltungsanspruch für die Gesellschaft immer auch aus die Zahl ihrer Mitglieder und der stärke ihrer Organisation bezogen".

Der Sprecher des rechten SPD-Flügels, Johannes Kahrs, hält die Mitgliederverluste seiner Partei für teilweise selbst verschuldet. Zwar hätten beide großen Volksparteien derzeit Mühe, die Menschen zu begeistern. Bei den Sozialdemokraten komme aber hinzu, dass die Frage der Kanzlerkandidatur noch nicht geklärt sei. Für viele Menschen sei das "unbefriedigend, weil sie natürlich wissen wollen, in welche Richtung" die SPD gehe, sagte Kahrs.

Zumindest die Linke konnte zuletzt ihre Mitgliederzahl vergrößern, und auch die FDP meldete am Montag positive Ergebnisse. Mit derzeit gut 65.000 Mitgliedern verzeichne die Partei allein in diesem Jahr einen Nettozuwachs von 1020 Mitgliedern, sagte FDP-Bundesgeschäftsführer Hans-Jürgen Beerfeltz. Bei CDU und SPD sehe er hingegen nur den Wettbewerb "Wer schrumpft schneller?"

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(dpa/ddp-bay/cag)