Vier Jahre nach Abschuss Ermittler: Flug MH17 von russischer Rakete getroffen

Auf ihrer Pressekonferenz präsentierten die Ermittler die beschädigte Buk-Rakete.

(Foto: Francois Lenoir/Reuters)
  • Vier Jahre nach dem Abschuss eines Passagierflugzeugs von Malaysia Airlines über der Ostukraine hat das internationale Ermittlerteam dem russischen Militär erstmals eine direkte Beteiligung vorgeworfen.
  • Demnach stammte die Buk-Rakete, die Flug MH17 traf, aus dem Besitz der 53. Flugabwehr-Brigade der Russischen Föderation.
  • Die Ermittler untersuchen nun gezielt, inwieweit das Militär aktiv am Abschuss der Maschine beteiligt war. Man sei aber noch nicht so weit, Anklagen zu erheben.
Von Paul-Anton Krüger, Kairo

Die internationale Untersuchungskommission zum Flug Malaysia Airlines MH 17 hat erstmals dem russischen Militär eine direkte Beteiligung an dem Abschuss vorgeworfen. Damit rückt auch die politische Verantwortung von Präsident Wladimir Putin für den Tod der 298 Insassen in den Fokus. Der niederländische Chefermittler Wilbert Paulissen sagte bei einer Pressekonferenz in Utrecht, die Rakete, mit der die Boeing 777 am 16. Juli 2014 über der Ostukraine getroffen wurde, sei von einem Buk-Luftabwehrsystem der 53. Luftabwehrbrigade der russischen Streitkräfte abgefeuert worden. Sie ist in Kursk stationiert, im Westen des Landes.

"Alle Fahrzeuge im Konvoi, der auch die Rakete trug, waren Teil der russischen Streitkräfte", sagte er. Die Untersuchungskommission habe dafür "rechtliche und überzeugende Beweise, die in einem Gerichtssaal standhalten werden". Bisher hatte die Kommission zwar festgestellt, dass die Maschine mit einer Rakete von einem Buk-System abgeschossen wurde, das über die russische Grenze in die Ukraine gelangt war, jedoch ohne es den russischen Streitkräften zuzuordnen.

Moskau bestreitet weiter jede Beteiligung

Der leitende Staatsanwalt, Fred Westerbeke, sagte, es werde weiter untersucht, ob russische Soldaten direkt verantwortlich waren. Die Liste Verdächtiger sei von Hunderten auf einige Dutzend Namen eingegrenzt worden "Wir untersuchen nun gezielt, inwieweit die betreffende Brigade aktiv am Abschuss der Maschine beteiligt war." Man sei aber noch nicht so weit, Anklagen zu erheben.

Die Rechercheplattform Bellingcat hatte bereits vor einiger Zeit Indizien zusammengetragen, die auf dieselbe Einheit des russischen Militär deuteten; auch die Süddeutsche Zeitung hatte berichtet. Die Vorwürfe erhalten aber neues politisches Gewicht, weil nun auch die offiziellen Ermittler zum selben Ergebnis kommen

Moskau bestreitet jede Beteiligung und brachte Theorien in Umlauf, um die ukrainische Seite verantwortlich zu machen. So behauptete der Kreml, ein ukrainischer Erdkampfjet habe die Maschine abgeschossen oder die Rakete habe eine ukrainische Militäreinheit abgefeuert, die auch Waffen des Typs hat.

Der Kreml reagierte zunächst nicht. Russlands EU-Botschafter, Wladimir Tschischow, sagte der Agentur Interfax, das sei "eine alte Geschichte", die schon 2014 in Medien gewesen sei. Auch die pro-russischen Separatisten in der Ostukraine wiesen die Vorwürfe zurück. Sie hätten keine russischen Buk-Systeme gehabt, so ihr Sprecher Eduard Bassurin. Bisher galt als wahrscheinlich, dass Separatisten das System bedienten. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sagte am Donnerstag, er hoffe, dass demnächst Anklage erhoben werden könne.

Die Ermittler beklagten die mangelnde Kooperation russischer Behörden. Sie hätten Resultate vorgelegt und Antworten erbeten, aber nicht erhalten. An dem Team unter niederländischer Leitung beteiligen sich Malaysia, Australien, Belgien und die Ukraine. Die Maschine startete von Amsterdam nach Kuala Lumpur mit Menschen aus 30 Ländern an Bord. Alle starben. Australiens Außenministerin Julie Bishop sagte: "Dass eine komplizierte Waffe der russischen Armee geschickt und benutzt wurde, ein ziviles Flugzeug abzuschießen, sollte von großer internationaler Sorge sein."

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