Mit ihrer Videobotschaft zum Attentat von Tucson will Sarah Palin angeblich Anteilnahme zeigen. Tatsächlich jedoch verteidigt sie sich vor allem selbst - und greift dabei zu einem extrem umstrittenen Begriff.
Pontius Pilatus "wusch die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten, sehet ihr zu! Da antwortete das ganze Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder." Ein Zitat aus der Bibel, genauer dem Evangelium des Matthäus, noch genauer: Der sogenannte Blutanklage-Paragraph. Christliche Fanatiker und Antisemiten beriefen sich auf den Passus, um Juden Ritualmorde an Kindern vorzuwerfen (angeblich würden sie ihr Pessach-Brot mit dem Blut backen) und begründeten so über Jahrhunderte Pogrome und Judenverfolgung.
Sarah Palin: "Journalisten und Experten sollten keine Blutanklage fabrizieren." (© Screenshot facebook.com)
Anzeige
Die amerikanische Politikerin Sarah Palin gilt als tief religiös und bibelfest. Es darf daher angenommen werden, dass sie den Begriff "blood libel" (zu deutsch: Blutanklage, Ritualmordlegende) nicht aus Versehen verwendete. In ihrer Videobotschaft zum Attentat von Tucson, bei dem sechs Menschen starben und die demokratische Abgeordnete Gabrielle Giffords schwer verletzt wurde, sagte sie: "Journalisten und Experten sollten keine Blutanklage fabrizieren, die nur dazu dient, zu jenem Hass und jener Gewalt anzustacheln, die sie angeblich verurteilen."
Nun tobt in Amerikas Medien die Diskussion: Darf eine Politikerin einen so umstrittenen Begriff wie "blood libel" verwenden? Das Video wird von Amerikas Fernsehsendern rauf und runter gespielt und verbreitet sich viral im Netz - Palin ist mal wieder in den Schlagzeilen.
Sie selbst wäscht ihre Hände in Unschuld und wehrt sich in dem Video gegen die in den vergangenen Tagen laut gewordenen Vorwürfe, sie habe mit ihrer oft martialischen Rhetorik ("Nicht nachgeben - nachladen!") den Schützen möglicherweise zu seiner Tat inspiriert. Besonders in der Kritik stand eine Karte auf ihrer Website, in der Fadenkreuze die Wahlkreise von zu besiegenden Demokraten markierten - darunter der Distrikt der nun schwerverletzten Abgeordneten.
Auf Palins Abschussliste
Giffords hatte bereits im vergangenen Wahlkampf dazu gesagt: "Wir stehen auf Sarah Palins Abschussliste. Wenn solche Leute so etwas tun, muss ihnen klar sein, dass solche Aktionen Konsequenzen haben."
Nach der Schießerei von Tucson war die Konsequenz für Palin massive Kritik von allen Seiten - besonders natürlich in den liberalen Medien, aber auch aus ihrer eigenen Partei. Tim Pawlenty, ehemaliger Gouverneur von Minnesota und einer der potentiellen republikanischen Präsidentschaftsanwärter für 2012, sagte in der New York Times, er würde eine solche Karte mit Fadenkreuzen nicht billigen.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Thema
- Sarah Palin RSS
- Arizona: Attentat auf US-Abgeordnete "Zorn, Hass, Bigotterie" 09.01.2011
- Nach dem Attentat von Arizona Die Verschwörerischen Staaten von Amerika 13.01.2011
- Videobotschaft von Sarah Palin Gegenangriff mit gebrochenem Herzen 13.01.2011
- USA: Trauerfeier nach dem Attentat von Tucson Obama rührt die Massen 13.01.2011
- Worte der Woche "Mir sind auch schon Sätze missunglückt" 15.01.2011
- Arizona: Verteidigerin des Attentäters Kampf gegen die Todesstrafe 12.01.2011
- Attentat auf Gabrielle Giffords Wort und Gewalt in Amerika 10.01.2011
Bundespräsident Gauck
Die ganzen Vorgänge in den USA beschäftigen und berühren mich sehr. Persönlich finde ich es zutiefst bedenklich, wenn Politiker oder auch die Medien (Bildzeitung 1968 - Rudi Dutschke) indirekt oder direkt dazu aufrufen Menschen zu töten.
Die politische Auseinandersetzung sollte immer friedlich stattfinden und niemals gewaltsam. Von daher sind auch politische Morde oder der direkte oder indirekte Aufruf zu politischen Morden abzulehnen.
Wenn man eine versöhnliche Rede halten möchte, dann ist jedes Wort wichtig, mißverständliche Begriffe sollte man vermeiden. Die "Blutanklage" ist bis heute ein sehr schwere Anschuldigung, weil es etwas Kannibalistisches in sich trägt und mit aufgeklärten Wertvorstellungen nicht zusammenpasst. Palin hätte diesen Begriff im Umgang mit ihren Widersachern niemals verwenden dürfen, besonders wenn er so schwer wiegt. In einer Rede zu den Vorgängen ist das sowieso unangebracht. Dort sollte man friedliche und versöhnliche Töne anschlagen, um ein zerrissenes Gemeinwesen zu einen.
Viele Menschen in den USA mußten leiden und sterben, weil das Land oder ein Bundesstaat nicht zu sich fand. Die Menschen in den USA sollten sich nicht das Trennende betonen, sondern das Einende und das ist die Flagge, die Hymne, die Geschichte und die Kultur. Wenn das Mikrophon ausfällt bei dem Absingen der Nationalhymne und alle diese dann singen besteht noch Hoffnung.
...wenn ich sehe, wie in anderen Fällen mit wirklich verzweifelter Bemühung Zusammenhänge hergestellt werden, beispielsweise zwischen Computerspielen oder Musik und Amokläufern oder mit der bloßen Teilnahme an einer Demonstration und Gewalttätern.
Wenn sich auf der anderen Seite aber bestimmte politische Bewegungen in einem riesigen Feldzug eindeutiger Symbolik und Rhetorik bedienen, um politische Gegner ins >Fadenkreuz< einer fanatisierten Öffentlichkeit zu manövrieren und dann JEDER eventuelle Zusammenhang mit einem Schusswaffenanschlag vehement geleugnet und stattdessen die Antiamerikanismus-Keule gezückt wird.
Dann befinden wir uns im Jahre 2011 und verstehen: Von deutschen Medien ist keine sachliche, wertfreie Berichterstattung zu erwarten. Die Reaktionen, wenn es sich bei den Zündlern und Hetzern um Muslime gehandelt hätte, würden mich aber schon interessieren.
Man muss die Frau nicht mögen. Persönlich finde mich sie auch unsympathisch.
Aber aus der Rethorik eine Mitverantwortung für die Straftat eines Fanatikers zu konstruieren finde ich ganz schön boshaft und weit hergeholt.
Ich kann mir vorstellen, dass Begriffe wie "nachladen" zum normalen Umgangston in Alaska gehören. Schließlich hat dort jeder eine Schusswaffe.
Gibt es keinen Richter der die Balken in Palins Auge zählt und bewertet?
Sie gehört eigentlich angeklagt mit ihrem Opfer!
keine neuen Kriege anzustoßen . Mein einziger Grund dafür : weil sie eine Frau ist .
( Knarren haben die Amis doch alle , ...und ballern auch damit rum ...)
Paging