US-Präsident Obama kippt mit dem Raketenschild für Osteuropa ein Projekt seines Vorgängers - Russland freut sich über "Korrektur der missratenen Politik".
Der amerikanische Präsident Barack Obama hat das umstrittene Vorhaben gestoppt, in Polen und Tschechien ein System zur Raketenabwehr zu errichten. Dies ist ein Bruch mit dem Kurs seines Vorgängers George W. Bush. Dessen Plan für den Raketenschild hatte zu massiver Verstimmung mit Russland geführt. Obama will in Europa nun aber andere Abwehrsysteme aufbauen.
Bricht mit der Sicherheitspolitik seines Vorgängers: US- Präsident Obama (© Foto: AP)
Anzeige
"Unsere neue Raketenabwehr in Europa wird für einen stärkeren, intelligenteren und schnelleren Schutz der amerikanischen Streitkräfte und ihrer Verbündeten sorgen", sagte Obama am Donnerstag in Washington.
Das neue Programm sei umfassender und kostengünstiger und führe zu einem nachhaltigen Schutz der USA. Mit modernen Abfangsystemen ausgerüstete Kriegsschiffe sollen nun vom Mittelmeer und von der Nordsee aus für Sicherheit sorgen. Teile des neuen Abwehrsystems sollen laut dem polnischen Außenminister Radoslaw Sikorski in Polen stationiert werden.
US-Verteidigungsminister Robert Gates betonte, die Aufgabe des Bush-Plans basiere auf einer anderen Einschätzung des iranischen Raketenprogramms. Das Abwehrsystem in Osteuropa wurde von der Bush-Regierung als Schutz vor iranischen Langstreckenraketen dargestellt. Teheran setze aber weniger als angenommen auf diese Raketen, weshalb die Abwehr vorerst überflüssig sei, hieß es nun.
Obama bekräftigte, dass die USA an der Seite Polens und Tschechiens stünden. Er bemühte sich, den Kurswechsel nicht als Konzession an Moskau erscheinen zu lassen. Auch seien Irans Kurz- und Mittelstreckenraketen und das Atomprogramm weiter Anlass zu Sorge.
Bereits am Mittwoch hatte Obama den Regierungschefs von Tschechien und Polen seinen Entschluss persönlich mitgeteilt. Russische Politiker begrüßten die Entscheidung. Präsident Dmitrij Medwedjew sprach von einem "verantwortungsvollen Schritt". Außenminister Sergej Lawrow sagte, dies sei "eine Korrektur der missratenen Politik der Bush-Ära".
Hingegen deuteten polnische Politiker den Kurswechsel als falsches Zugeständnis an Moskau und als Signal, dass Obama - anders als Bush - mehr auf Russland und Westeuropa blicke als auf die Staaten des früheren Ostblocks. Tschechiens früherer Premier Mirek Topolanek, dessen Regierung das innenpolitisch umstrittene Raketenabkommen mit den USA ausgehandelt hatte, sprach von einem Zeichen, dass "die Amerikaner nicht mehr so interessiert sind an dieser Gegend."
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Kehrtwende in Washington. Dies sei ein "hoffnungsvolles Signal zu mehr internationaler Gemeinsamkeit". Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte: "Ich freue mich, dass wir nun die Möglichkeit haben, das Thema der Raketenabwehr in Europa mit allen Partnern neu zu diskutieren." Auch die Nato begrüßte die Abkehr der USA vom Raketenschild.
Die US-Regierung hofft, Moskau werde als Gegenleistung für den Verzicht auf das Raketenprogramm nun bereit sein, den Druck auf Teheran zur Einstellung des iranischen Atomprogramms zu erhöhen und verschärfte UN-Sanktionen mittragen.
Militärexperten in Washington betonten, der bisherige Plan zur Raketenabwehr sei nur auf Eis gelegt. Falls Teheran seine Forschungen für Langstreckenraketen wieder verstärke, könnten die USA ihre Entscheidung revidieren. Iran äußerte sich zurückhaltend. Es könne sich um ein Signal handeln, dass die USA von "Bedrohungen und Konfrontation" abrückten, sagte ein Regierungsmitarbeiter in Teheran.
- Thema
- Raketenschild RSS
- Tschechien bestätigt USA verzichten auf Raketenschild 17.09.2009
- US-Präsident Obama Zweifel am Raketenschild 28.08.2009
- Angst vor Moskaus Macht Besorgte Osteuropäer 16.07.2009
- Russland-Amerika-Gipfel Ein bisschen Supermacht 05.07.2009
- Neues US-Raketenabwehrsystem Polen zur Mitarbeit bereit 21.10.2009
- Politik kompakt Berlusconi für Afghanistan-Abzug 18.09.2009
- US-Präsident stoppt Schild Obamas Raketentest 18.09.2009
(SZ vom 18.09.2008/dmo)
UN-Tourismusorganisation
Als Bush den Beschuß, ein Raketenabwehrschild aufzubauen bekanntgab, wurde dieser Schritt als dringende Maßnahme gegen iranische Angriffe mit Atomraketen verkauft. Und die Führungen von Nato und EU- Staaten jubelten obwohl Russland sich nach westlichem Verständnis unberechtigterweise bedroht sah und seinerseits mit Raketenstationierung an der Westgrenze drohte.
Nun sieht Obama keine Notwendigkeit mehr für diesen Schild gegen iranische Raketen und plötzlich haben Polen und Tschechien alles falsch verstanden?
Stimmt natürlich, aber für sowas sind solche Sprüche nicht gerade der passende Einstieg.
" streifenfrei: Toll, Russland
Mit solchen (...) Kommentaren sorgt man dafür, dass bei der nächsten US-Wahl ein "Wer nachgibt ist selber schuld"-Kandidat wieder bessere Chancen hat. "
Nicht, wenn bis dahin was mit ABrüstung und bilaterale Beziehungen passiert.
Mit solchen (...) Kommentaren sorgt man dafür, dass bei der nächsten US-Wahl ein "Wer nachgibt ist selber schuld"-Kandidat wieder bessere Chancen hat.
Bis jetzt läuft obamas Aussenpolitik noch auf rhetorischer Ebene. So wahnsinnig viel wurde objekitv ja noch nich geändert.
Aber ich finde die Richtung gut und halte auch nichts von einer extremistischen Kehrtwende, wo man ehemaige Verbündete zu den Feinden von morgen macht.
Besser ist eine langsame Abkehr von alter Politik, wo man alle zusammenbringt.
Extremisten auf allen Seiten wird das natürlich nie gut genug sein, aber was solls.
Zum Thema Somalia.
Mir ist es egal, was mit Al Quaida Leuten passiert. DAS sind unverbesserliche Extremisten, die einen Krieg gegen uns führen, ob wir wollen oder nicht.
Hab gestern ein Interview mit einem Mann von der Hansa Stavanger gesehen, der so ein bischen von der Entführung erzählte und was die Piraten so für Kankheiten hatten.
Somalia ist am Boden und wie auch immer, irgendwas muss da geschehen.
Wobei es natürlich auch da mit lilitärischen Mitteln alleine nicht geht.
Paging