Vizekanzler Müntefering hat einen Vertrauensschwund in der Koalition beklagt. Der SPD-Politiker übte auch Kritik am Führungsstil von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

"Ich will nicht bestreiten, dass die Zweifel wachsen, ob man sich auf alle Beteiligten in dieser Koalition verlassen kann", sagte Müntefering der Frankfurter Rundschau. "Das muss besser werden." Mit Blick auf die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Merkel sagte er: "(Der frühere Kanzler) Gerd Schröder war - aus guten Gründen - immer zuerst Kanzler, das Ganze im Blick. Auch als Parteivorsitzender war er immer zuerst Kanzler. Das ist jetzt in der großen Koalition anders. Oft gibt es zu viel Parteiprofilierung."

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Das Bundeskabinett nahm er vom Vorwurf des Vertrauensverlustes aus. "Im Kabinett ist das Vertrauen unverändert da", sagte er. "Wenn es da Risse gäbe, wäre ein kritischer Punkt erreicht." Als Belastung empfinde er aber Versuche aus der CDU Nordrhein-Westfalens, "die Sozialdemokraten in eine unsoziale Ecke zu stellen". "Und ich sehe niemanden in der Spitze der Union, der das einfangen und verhindern würde", kritisierte der Vizekanzler. "Das verwundert mich schon."

Müntefering rief CDU und CSU zu mehr Disziplin auf. Eine Legislaturperiode sei kein Wahlkampf. "Deshalb erwarte ich auch vom Koalitionspartner parteipolitische Zurückhaltung. Da habe ich an einigen Stellen das Gefühl, dass nicht alle sich daran halten."

Pofalla wirft Müntefering Ablenkungsmanöver vor

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla wies im Nachrichtensender N24 die Kritik zurück: "Müntefering versucht abzulenken". Die SPD sei "unter Druck" und "verunsichert". Es helfe jetzt aber nicht, Angriffe auf die Union zu richten. Es gebe eine "gute Chance", die "sachliche und erfolgreiche Arbeit der Bundesregierung fortzusetzen", sagte Pofalla mit Blick auf den geplanten Ausbau der Kinderbetreuung und die Reform der Pflegeversicherung.

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(dpa/Reuters)