Wenn jetzt auch noch die Dienstzeitverkürzung auf sechs Monate eintritt, produziert die Bundeswehr schlecht ausgebildete Soldätchen, die sie höchstens als Kurzzeitgehilfen für die richtigen Soldaten, also die Freiwilligen, einsetzen kann. Selbst als Reservisten taugen die Halbjährlinge wenig, weil es anders als im Kalten Krieg eines großen Reserveheeres nicht mehr bedarf, und weil außerdem Geld und Personal fehlen, um Reservisten in Ausbildung zu halten.

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Nun interessieren sich in Deutschland jenseits des Streits um Afghanistan nicht mehr viele fürs Militär. Leider hat man bei Guttenberg auch den Eindruck, dass es ihm mehr um große Ideen und tolle Symbole geht als um so schwierige Dinge wie die Armeestruktur oder den neuen Elite-Kult im Heer. Für Guttenberg ist der Bendler-Block wohl in erster Linie Karriere-Station - so hat er sich auch gegenüber etlichen Leuten dort verhalten.

Zu ihren aktiven Zeiten waren General Schneiderhan und Staatssekretär Wichert selbstbewusste Männer, die manchmal, der Beamte häufiger als der General, so agierten, als seien sie selbst Minister. Das klappte mit Franz Josef Jung gut, denn der war eher ein Abteilungsleiter und Freund der Oberstabsfeldwebel.

Guttenberg dagegen wurde bereits mit zwei Sternen geboren, und wenn einer, der gut reden kann, etwas nicht so gern mag, dann ist es das Zuhören. Minister dieses Zuschnitts kollidieren zwangsläufig mit dem Ministerialapparat.

Jenseits der Tatsache, dass die Bombardierung der Sandbank von Kundus der folgenschwerste Fehler in der Geschichte der Bundeswehr war, gibt es auch kaum ein so gravierendes Beispiel einer Fehleinschätzung durch einen Minister wie Guttenbergs später revidierte Bewertung, der Angriff sei militärisch angemessen gewesen. Hätte er jene Dokumente, die ihm vorlagen, gelesen und verstanden, hätte er zumindest vorsichtiger sein müssen.

Weil er so ist, wie er ist, war er nicht vorsichtig. Und daran ist kein General und kein Staatssekretär schuld.

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  1. Der selbstverliebte Darling
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(SZ vom 19.03.2010/dmo)