Verteidigungsbündnis Deutschland wird Standort für neues Nato-Hauptquartier

Die Bundeswehr soll beim Aufbau des neuen Hauptquartiers mithelfen.

(Foto: Getty Images)
  • Die Nato-Mitglieder haben sich nach Informationen der dpa auf einen Standort für eine neue Kommandozentrale in Deutschland geeinigt.
  • Vom baden-württembergischen Ulm aus sollen in Zukunft schnelle Truppen- und Materialbewegungen innerhalb des Bündnisses koordiniert werden.
  • Das Bündnis reagiert mit dem neuen Zentrum auf die als aggressiv wahrgenommene Politik Russlands.
  • Die Aufbauarbeiten an dem neuen Hauptquartier sollen schon im Juli 2018 beginnen.

Deutschland wird Standort eines neuen Nato-Kommandos. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur haben sich die Bündnisstaaten abschließend darauf verständigt, das im Zuge der Aufrüstung gegen Russland geplante Hauptquartier für schnelle Truppen- und Materialtransporte in der baden-württembergischen Stadt Ulm anzusiedeln. Die dortige Wilhelmsburg-Kaserne ist bereits heute Standort eines multinationalen Kommandos zur Führung von weltweiten Kriseneinsätzen.

Offiziell soll die Entscheidung für Ulm Ende kommender Woche bei einem Nato-Verteidigungsministertreffen in Brüssel bekannt gegeben werden. Zu dem Treffen wird auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erwartet.

Mit der Stärkung ihrer Kommando- und Streitkräftestruktur reagiert die Nato auf die als aggressiv wahrgenommene Politik Russlands. Vor allem östliche Bündnispartner fühlen sich bedroht, seit Moskau 2014 mit der Unterstützung pro-russischer Separatisten in der Ostukraine begann und sich die Schwarzmeerhalbinsel Krim einverleibte.

Im Zuge der Entspannungspolitik nach dem Ende des Kalten Krieges war die Kommando- und Streitkräftestruktur der Nato enorm reduziert worden. Von den zeitweise mehreren Dutzend Hauptquartieren sind nach Nato-Angaben heute nur noch sieben übrig. Die Personalstärke sank von deutlich mehr als 20 000 Soldaten auf rund 6800.

Bereits im Juli sollen die ersten Arbeiten beginnen

In einem als geheim eingestuften Nato-Bericht äußerten Militärs zuletzt Zweifel daran, ob die Allianz noch angemessen und schnell genug auf einen russischen Überraschungsangriff reagieren könnte. Sorgen bereiten neben dem Zustand von militärisch nutzbaren Straßen- und Schienenverbindungen in Richtung Osten vor allem bürokratische Hürden beim Transport von Truppen und Ausrüstung. Das neue Kommando in Ulm soll helfen, Hürden zu beseitigen. Es wird für die Verlegung, die Unterstützung und den Schutz Alliierter Streitkräfte in Europa zuständig sein.

Aus wie vielen Soldaten das Logistik- und Nachschubkommando insgesamt bestehen wird, ist nach dpa-Informationen noch nicht abschließend entschieden. Den aktuellen Plänen zufolge soll aber bereits im Juli mit dem Aufbau begonnen werden. Bereits im Oktober 2019 könnte es dann seine Arbeit aufnehmen. Die volle Einsatzbereitschaft ist für 2021 vorgesehen.

Neben Deutschland werden die USA in Norfolk (Virginia) ein weiteres neues Kommando aufbauen, das unter anderem einen besseren Schutz der Transportwege zwischen Nordamerika und Europa über den Atlantik sicherstellen soll. Dabei geht es auch um die Absicherung sensibler Infrastruktur. Im Atlantik liegen zum Beispiel Datenkabel, über die Internet- und Kommunikationsverbindungen laufen.

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