Von Peter Blechschmidt

Es ist Wasser auf den Mühlen der Skeptiker: Ein ganzes Bündel technischer Probleme sorgt dafür, dass der neue Militär-Airbus A400M frühestens 2012 ausgeliefert wird.

Viele Fachleute prophezeien, dass dieser Vogel niemals fliegen werde.

Airbus A400M; AP

Der Airbus A400M bei einer Präsentation im Juni in Sevilla. (© Foto: AP)

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Wenn Hersteller und Abnehmer des Militärtransporters A400M dennoch bis jetzt tapfer an dem Milliardenprojekt festhalten, so klingt das eher nach seelischer Selbstermutigung als nach realistischer Perspektive.

Den Skeptikern dürfte jetzt die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsabgeordneten Elke Hoff wieder Auftrieb geben. Darin nennt die Regierung erstmals eine neue Hausnummer, um die sich der ohnehin verspätete Start des A400M weiter verzögern wird - nämlich um mindestens 18 statt der bisher prognostizierten zwölf Monate.

Zwar wurde im Juni in Sevilla mit großem Brimborium der sogenannte Rollout des Prototypen zelebriert, doch ist der noch nicht flugfähig. Der Erstflug wird jetzt nicht vor Sommer 2009 erwartet. Das erste einsatzfähige Flugzeug wird frühestens im April 2012 an die Luftwaffe ausgeliefert.

"Die europäische Rüstungsorganisation Occar geht derzeit von einem Lieferverzug von mindestens 18 Monaten aus", steht in dem Regierungspapier. Grund dafür ist ein ganzes Bündel technischer Probleme.

Lange Zeit galt das neu entwickelte Turboprop-Triebwerk als Hauptursache der Verzögerung. Mittlerweile gibt es darüber hinaus Schwierigkeiten mit der Ausstattung des Laderaums, mit der Navigationsanlage, dem Flugmanagementsystem, dem Tiefflugsystem sowie mit der Ausrüstung zum Selbstschutz.

Ein Teil der Probleme liegt darin begründet, dass der A400M ein rundum neu entwickeltes Flugzeug ist. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Belgien, die Türkei und Spanien haben es 2003 in Auftrag gegeben und insgesamt 180 Maschinen fest bestellt. Deutschland will 60 Flugzeuge zum Stückpreis von 80 Millionen Euro abnehmen. Der Luftfahrtkonzern EADS hat für Entwicklung und Produktion eigens die Tochterfirma Airbus Military mit Sitz in Spanien gegründet.

Die Verzögerungen haben nach Angaben von Airbus Military mittlerweile zu Gewinneinbußen von mehr als 1,4 Milliarden Euro geführt. Zeitweilig war in Expertenkreisen sogar kolportiert worden, Airbus denke an einen Rückzug aus dem Projekt, doch wurde dies von EADS-Chef Louis Gallois dementiert. Auch die Bundesregierung "geht derzeit nicht von einer Aufgabe des A400M-Projekts seitens des Auftragnehmers aus".

Allerdings dringt Airbus bei den Abnehmerstaaten darauf, auf vertraglich vereinbarte Regressforderungen bei Lieferverzug zu verzichten. Auch könnten die Abnehmerstaaten bei einer Verzögerung von mehr als zehn Monaten - die mittlerweile ja eingetreten ist - aus dem Vertrag aussteigen. Dazu erklärt die Bundesregierung, dass sie nicht bereit sei, "vertragliche Ansprüche aufzugeben". An eine Reduzierung der Stückzahl von 60 auf 49 Maschinen, wie sie unter anderem von der FDP vorgeschlagen wird, denkt die Regierung nicht.

Keine Angaben macht sie, welche Kosten dadurch entstehen, dass die bis zu 40 Jahre alten Maschinen vom Typ Transall, die vom A400M abgelöst werden sollen, nun länger fliegen müssen als geplant. Der Chartervertrag mit einer russischen Firma über insgesamt sechs Großraumflugzeuge vom Typ Antonow 124, mit dem Kapazitätslücken ausgeglichen werden, soll zunächst um zwei Jahre bis 2010 verlängert werden. Das kostet 40 Millionen Euro.

Die Abgeordnete Hoff kritisiert, das Verteidigungsministerium lasse sich seit Jahren von Airbus hinhalten. Es sei "fahrlässig", dass bisher keine Interims- oder Alternativlösungen geprüft seien: "Jetzt rächt sich, dass beim Lufttransport alles auf eine Karte gesetzt wurde.

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(SZ vom 29.11.2008/cag)