Das Nobelpreis-Komitee hat die richtige Entscheidung getroffen: Es katapultiert das wohl wichtigste globale Thema auf der politischen Agenda noch ein Stück weiter ins Bewusstsein der Menschen. Wenn der Nobel-Hype vorüber ist, wird jemand all die schönen Worte aber noch in Gesetze und Energiesparlampen packen müssen.
Der Friedensnobelpreis war schon immer eine politische Auszeichnung - entweder, weil er eine politische Leistung belohnte, oder weil er in politischer Absicht vergeben wurde. Diesmal glückt dem Vergabekomitee beides: Es zeichnet die Lobbyleistung eines politischen Menschen und die wissenschaftliche Arbeit einer Institution aus, womit es die globale Diskussion um die Klimapolitik befördert, die in diesem Herbst von Gipfel zu Gipfel gereicht wird und die politische Agenda der Industriestaaten auf der ganzen Welt beherrscht.
Ausgezeichnet mit dem Friedensnobelpreis: Der frühere US-Vizepräsident Al Gore (© Foto: dpa)
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Man könnte also behaupten, Preisträger wie Thema waren so naheliegend wie langweilig. Die ganze Welt redet über die Erderwärmung, die Politik handelt (wenn auch zäh), und Al Gore funktioniert prima als Mister Klima, als hollywoodgestählte Projektionsfläche. Ein Thema braucht ein Gesicht - so ist das in der Welt der Bushs, der Putins und der Ahmadinedschads. Die Wirkung des Preises erhöht sich mit dem Namen Gore, das Thema klingt stärker nach, als wenn nur der UN-Klimarat (IPCC) ausgezeichnet worden wäre.
Gore ist allemal vom Langweiler zum Sympathieträger mutiert, seitdem er die weitgehend als unrechtmäßig empfundene Niederlage gegen George W. Bush erlitten hat. Das macht ihn zum idealen Preisträger.
Der Sache nutzt's, dem Mann nutzt's, und das Klimapanel der Vereinten Nation wird auch profitieren. Das Nobelpreis-Komitee hat also die richtige Entscheidung getroffen. Es katapultiert das wohl wichtigste globale Thema auf der politischen Agenda noch ein Stück mehr ins Bewusstsein der Menschen.
Mehr sollte man in die Auswahl der Preisträger aber nicht hineininterpretieren. Es wäre der Menschheit schon sehr geholfen, wenn die Vergabe an das Heer der IPCC-Forscher und an Gore dazu beitrüge, die Tragweite des Klimawandels besser zu verstehen.
Gore beschränkt sich in seinen Kassandra-Rufen ja nicht auf umweltpolitische Gefahren, die als Folge der Erderwärmung drohen. Er zeichnet das breite Bild einer destabilisierten Welt, auf der Menschenströme vor Dürre, Wasserarmut oder Extremwetter fliehen, auf der Kriege wegen des Klimas ausgefochten werden, auf der Ölfässer und Solardächer durch Panzer und Haubitzen im Kampf um Sicherheit und Überlegenheit abgelöst werden.
Kein anderes Thema hat so schnell Einzug gehalten in die globale Politik wie der Klimawandel. Da steht es nun, die Erwartungen wachsen, und die Temperatur steigt dennoch. Gore und das IPCC stehen für den Bewusstseinswandel - Frieden in seinem umfassenden Sinn haben sie damit noch lange nicht geschaffen.
Beide Preisträger haben einen Anteil daran, dass in diesem Herbst mindestens vier hochkarätige Politikerrunden zum Klimawandel tagen. Wesentliche Entscheidungen stehen aber noch aus. Wenn die Nobel-Party vorüber ist, wird jemand all die schönen Worte und den Glanz in Gesetze und Energiesparlampen packen müssen.
(SZ vom 23.10.2007)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
Es wird ja wohl nicht allzu schwer sein, einen Grund zu finden, weswegen sich G.W.Bush ausserstande sehen könnte, seine Präsidentschaft bis zum bitteren Ende auszufüllen. Gerald Ford kam ins Amt, weil Nixon wegen Watergate zurücktreten musste und verlor dann gegen Carter.
Warum zum Teufel soll sich G.W. Bush noch bis 2008 durchquälen?
Dick Cheney hat es mehr als verdient, sich noch ein Jahr lang absolut lächerlich zu machen. Soll er doch noch ein Jahr lang Präsident sein.
Es ist auch völlig egal, welche Meinung man darüber vertritt, ob das Nobelpreis-Komitee versucht, mit seinen Entscheidungen irgendeinen Einfluss auf die Politik der Vereinigten Staaten zu nehmen.
Immerhin hat sogar G.W. Bush selbst dem Nobelpreisträger gratuliert.
Schon allein deshalb ist es hirnrissig, sich reflexhaft in unterschiedliche Lager aufzuteilen, die die Entscheidung für Gore in Frage stellen.
" in Gesetze packen müssen...."
Der Klimawandel ist nur abzuwenden, wenn jeder auf dem Erdball sein eigenes Verhalten ändert.
Und bei allem Geschimpfe auf Bush, was hat sich denn wirklich in Deutschland geändert, bisher?
Ich habe mich heute im Garten wieder gewundert, wieviele Nachbarn sich einen neuen Laubsauger angeschafft haben. Früher tats ein Besen. Na ja, nur so am Rande.
dass Nobel-Kollege Jimmy Carter Al Gore zur Präsidentschaftskanditur 2008 ermutigt.
Ein Gedanke, der fast zu schön wäre, um Realität zu werden.
//Yvo de Boer, the executive secretary of United Nations Framework Convention on Climate Change, which is based in Bonn, Germany, and oversaw negotiations that led to the Kyoto Protocol, said recent moves by political leaders around the world to find ways of reducing emissions would have been hard to imagine without the contributions made by both the I.P.C.C. and Mr. Gore.
We can recommend ways for policy makers to move forward, but without the I.P.C.C. data being there, this would be next to impossible, Mr. de Boer said. He said Mr. Gore could use his enhanced stature from winning the Peace Prize to focus on parts of the developing world where politicians need support to spread knowledge about the dangers of climate change. Its very difficult to advance on these issues without support from the general public, he said.//
......ein gruss an die noergler!
...ich werde das Gefühl nicht los, dass hier wieder politische Interessen im Spiel sind. Ist ja auch gut so, wenn`s denn was bringt!!!!!!!!
Damals, als man einen polnischen Geistlichen zum Papst wählte, war es auch eine politische Entscheidung und ein Segen für Polen und den Ostblock.
Die Auszeichnung für Al Gore ist ein Schuß vor den Bug von G. Bush. Vielleicht geschieht ja auch das Unmögliche und Bush beginnt (leider zu spät) ein wenig darüber nachzudenken daß es nicht nur auf der Welt die Vereinigten Staaten- und dass es nicht nur das HEUTE und JETZT gibt!
Die Hoffnung stirbt immer zuletzt!
Paging