Von Von Wolfgang Koydl

Das will nicht einmal US-Präsident Bush wissen: Einem Bericht der New York Times zufolge werden mutmaßliche Al-Qaida-Führer vom amerikanischen Geheimdienst noch brutaler verhört als die Gefangenen im Irak.

(SZ vom 14.5.2004) - Sie sind höchstens zwanzig Leute. Ihre Namen sind meistens unbekannt, ebenso die Orte, an denen man sie festhält, und die Zeit, die sie bereits in amerikanischem Gewahrsam verbracht haben. Noch nicht einmal Präsident George W. Bush weiß, wo der amerikanische Geheimdienst CIA jene Männer untergebracht hat, die zum Führungskreis der Terror-Organisation al-Qaida gerechnet werden. Man möge ihn nicht mit dieser Information behelligen, hatte Bush nach Angaben der New York Times angeordnet.

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Offen ist, ob der Präsident genauso wenig weiß über die Verhörmethoden seines Auslandsgeheimdienstes. Wie die Zeitung berichtete, verlassen sich die Verhörspezialisten der CIA auf eine Reihe von Zwangsmaßnahmen gegen mutmaßliche Top-Terroristen. Sie sollen über jene Methoden hinausgehen, die bei der Befragung von Häftlingen im Irak angewendet wurden und die Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in einer Anhörung vor einem Senatsausschuss verteidigte, bevor er selbst am Donnerstag zu einem Besuch nach Bagdad aufbrach.

Mit dem Ertränken gedroht

Nach dem Bericht der New York Times gehören zu den Foltermethoden der CIA auch Misshandlungen am so genannte "Wasserbrett". Dabei wird der Kopf des Delinquenten unter Wasser getaucht, so dass er glaubt, er solle ertränkt werden. Andere wurden geschlagen, mit Wasser getränkt oder am Schlaf gehindert; wieder anderen wurden Nahrung und Medikamente entzogen. Zu den psychologischen Zwangsmitteln gehört die Drohung mit der Auslieferung des Häftlings an einen anderen Staat, wo ihm härtere Folter oder gar der Tod drohten.

Einige CIA-Mitarbeiter verteidigten diese Praktiken mit dem Hinweis, dass keine davon zu schweren Verletzungen führe und daher streng genommen nicht als Folter bezeichnet werden könne. Das Blatt zitierte aber auch einen anderen Agenten mit den Worten, dass "einige Leute sich schon lange Sorgen darüber machen, dass es irgendwann einen neuen Präsidenten geben oder die Stimmung im Land kippen könnte, und dass man sie dann zur Rechenschaft ziehen würde". Immerhin scheinen die Foltermethoden so hart zu sein, dass führende Beamte der Bundespolizei FBI ihren Agenten rieten, sich nicht an diesen Verhören zu beteiligen.

Manipulation der Sinne

Die Verhörtechniken für mutmaßliche Al-Qaida-Spitzenleute wurden unmittelbar nach den Terroranschlägen vom 11.September 2001 vom Justizministerium und von der CIA ausgearbeitet und verabschiedet. Es ist indes nicht klar, ob sie Bestandteil jener Reihe von Geheimanweisungen sind, die Präsident Bush seinerzeit unterschrieb. Aus dem Weißen Haus lag noch keine Stellungnahme zu dem Bericht der New York Times vor.

Verteidigungsminister Rumsfeld und Generalstabschef Richard Myers verteidigten die Verhörmethoden der amerikanischen Armee im Irak. Sie sind in zwei Gruppen unterteilt: Jene Methoden, die gegen alle Internierten angewandt werden dürfen; und jene, die eine besondere Erlaubnis durch den Oberkommandierenden der US-Streitkräfte im Irak erfordern.

Dazu gehören so genannte Manipulationen von Sinneswahrnehmungen, die Einnahme schmerzhafter Körperhaltungen für längere Zeit, Schlafentzug, Einzelhaft und der Einsatz von Hunden. Rumsfeld betonte, dass "alle Anweisungen des Verteidigungsministeriums von den Anwälten" des Pentagon überprüft worden seien.

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