Erniedrigung als Methode: Laut einem Zeitungsbericht hat das britische Militär seinen Soldaten bei Verhören im Irak zu brutalen Techniken geraten - und damit möglicherweise gegen die Genfer Konvention verstoßen.
"Orientierungslosigkeit, Erschöpfung und Angst" - darauf sollten die Verhörmethoden britischer Soldaten abzielen, von denen eine Londoner Zeitung jetzt berichtet. Das Militär ihrer Majestät hat einem Bericht des Guardian zufolge Handbücher zusammengestellt, nach deren Regeln Gefangene im Irak gequält werden sollten, um sie in Verhören gefügig zu machen.
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Die Handbücher und eine Powerpoint-Präsentation sollen den Soldaten Tipps zur Verängstigung der Gefangenen gegeben haben. Eine Anweisung lautet angeblich, Gefangene bei Befragungen nackt auszuziehen. Zeigten sie sich nicht gefügig, sollten sie länger nackt bleiben.
Verhöre sollten an abgelegenen Orten wie in Schiffscontainern abseits der Öffentlichkeit stattfinden. Um die Gefangenen zu "konditionieren", sollten ihre Genitalien untersucht werden. In einer Anweisung aus dem Jahr 2008 heißt es angeblich, Gefangene müssten zwar jeden Tag acht Stunden schlafen, man solle ihnen aber immer nur vier Stunden am Stück gönnen.
Den Soldaten soll auch geraten worden sein, Augenbinden, Ohrstöpsel und Plastikhandschellen einzusetzen, um die Gefangenen ihrer Sinne und Orientierung zu berauben.
In einem der Armeedokumente heißt es, dass Folter ein "No-No" ist - also nicht in Frage kommt. Die Anweisungen in den Handbüchern widersprechen dem aber - und könnten einen Verstoß gegen die Genfer Konvention bedeuten, schreibt der Guardian. Die internationale Konvention verbietet körperlichen oder moralischen Zwang bei Verhören.
Dass diese Anweisungen jetzt bekanntwerden, hängt möglicherweise mit einem Prozess zusammen, der im November in London beginnt. Die britische Regierung wird von 100 Irakern verklagt, die in ihrer Heimat von britischen Soldaten misshandelt worden sein sollen. In diesem Prozess wollen die Anwälte laut Guardian versuchen zu beweisen, dass im Irak systematisch gefoltert wurde. Einer der Anwälte arbeitet auch mit der Internetplattform Wikileaks zusammen, die am vergangenen Wochenende fast 400.000 geheime US-Militärdokumente öffentlich gemacht hatte. In den Papieren finden sich unter anderem Hinweise auf Folter durch irakische Sicherheitskräfte, von denen die US-Armee wusste.
Die Verhöranweisungen stammen laut Guardian aus der Zeit nach 2003, also nachdem der irakischen Hotelpförtner Baha Mousa in britischer Haft gestorben ist. Seine Leiche wies 93 unterschiedliche Verletzungen auf. Auch dieser Fall ist Gegenstand einer Untersuchung in Großbritannien.
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(sueddeutsche.de/dpa/jab)
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Gegen inhaftierte Personen der IRA wendeten die britischen Sicherheitsorgane bereits 1970 Foltermethoden an, um sie zum Verrat zu zwingen und um Aussagen zu erpressen. Also nichts Neues. Und die damaligen Foltermethoden sind denen in Afghanistan ähnlich.
In Nordirland mußten die Inhaftierten Personen über Stunden hinweg in einer unangenehmen Anspannungshaltung ("stress position") aufrecht gegen eine Wand gelehnt stehen. Sie bekamen eine Kaputze über den Kopf gezogen ("disorientation"), die nur bei Verhören abgenommen wurde. Vor Vernehmungen wurden die Gefangenen über längere Zeit in einem Raum isoliert und ununterbrochen mit einem pfeifenden Geräusch beschallt ("sensory deprivation"). Mit Schlafentzug und Herabsetzung der Portionen für Essen und Trinken wurde eine körperliche Schwächung verursacht. Im Sprachgebrauch der Sicherheitsdienste wurde diese Folterpraxis die "fünf Verhörpraktiken" genannt.
Die Republik Irland verklagte wegen dieser Folter das Vereinigte Königreich vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Die Richter dort, die schnell bei Verurteilungen gegen Serben sind, wanden sich dreimal um ihre eigene Achse, wollten sie doch dem großen England nicht weh tun. Sie verurteilten das Vereinigte Königreich nicht wegen Folter, sondern nur wegen unmenschlicher Behandlung.
ach so, die Herren und Damen haben nur mal nachgelesen. Handbücher benutzen ist ja nicht verboten. Die deutsche Presse hat also recht getan, G.W. Bush zu unterstützen. Kein Makel an den christlich-jüdischen Werten und Freiheit und democracy.
@ rumburak: wollte ihnen hzustimmen, wurde aber zensiert!
@ Handbücher: Jim Brann von der Coalition against Wwar, hat in einem Interview gerade von Handbüchern der britischen Armee erzählt, in denen verschiedene Strategien dargelegt werden ,wie man z.B. mittels False-Flag-Anschlägen zwei verschiedene Gruppen (wie z. B. Schiiten und Sunnien im Irak) gegeneinander aufhetzen und damit die eigenen Truppen entlasten kann..
Wäre das nicht auch mal ein Thema, liebe SZ, nachzuhaken, hinter wievielen Bombenanschlägen von "Al Kaida" und den "Taliban" in Wahrheit westliche Gehemdienste stecken? Präsident Karzai hat ja das gleiche schon über Blackwater/XE-Söldner enthüllt.
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Seit Jahren haben "fehlinformierte"und "verblendete" Mitmenschen auf die Folter durch die USA und GB in ihrem "Krieg gegen den Terror" hingewiesen. Und Jahrelang wurden sie dafür als Verbrecher hingestellt.
Und nun kommen langsam soviele Beweise, dass nichtmal die an der "bürgerlichen Mitte" klebende SZ es mehr unterdrücken kann.
Aber dennoch wird es immer mehr en vogue sein auf die "Gefahr durch den Terror" hinzuweisen, um ein Orwellsches System zu errichten. Auf die "ewige und ultimate Schuld jedes Deutschen" hinzuweisen, um unser Land in den Dreck zu treten.
Denn die wahren Feinde unserer Werte zu ergreifen und zu bestrafen.
Paging