Verheerende Entwicklung Mehr als eine Million syrische Flüchtlinge im Libanon

Ein großer Teil der syrischen Flüchtlinge sind noch Kinder.

(Foto: AFP)

Mehr als der Libanon verkraften kann: Die Zahl der Syrer, die vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land Zuflucht im Nachbarstaat suchen, hat den UN zufolge einen "trostlosen Meilenstein" überschritten. Die UN warnen vor einer Destabilisierung des kleinen Landes.

Die Zahl der Menschen, die aus dem syrischen Bürgerkriegsgebiet ins Nachbarland Libanon fliehen, hat heute die Eine-Millionen-Grenze überschritten. Das teilt das UN Flüchtlingshilfswerk mit. Die Organisation spricht von einem "trostlosen Meilenstein", der für den Libanon zu einer Zerreißprobe werden könnte.

Etwa drei Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs in Syrien sei der Libanon damit das Land mit der größten Anzahl von Flüchtlingen pro Einwohner weltweilt. Die Zahl der Flüchtlinge entspreche inzwischen fast einem Viertel der libanesischen Bevölkerung.

Die Flüchtlingsorganisation teilte mit, dass die Auswirkungen einer solch großen Zahl von Flüchtlingen in jedem Land massive Auswirkungen hätte. Im Libanon, einer kleinen Nation, die mit internen Schwierigkeiten kämpfe, sei die Auswirkung "erschütternd", sagte der zuständige UN-Mitarbeiter António Guterres der Mitteilung zufolge. Er hob die "bemerkenswerte Großzügigkeit" der Libanesen hervor und betonte, dass die internationale Gemeinschaft das Land mit dieser Last nicht allein lassen dürfe.

Hunderttausende syrische Schulkinder

Der Libanon leidet massiv unter dem Bürgerkrieg im Nachbarland. Neben den Ausgaben für die Flüchtlinge musste das Land zudem einen Niedergang beim Handel, Tourismus und einen Rückgang der Investitionen hinnehmen. Die Weltbank schätzt, dass die Krise den Libanon allein im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden US-Dollar gekostet habe. Zudem drohe 170 000 Libanesen eine Verarmung.

Etwa die Hälfte der syrischen Flüchtlinge sind den UN zufolge Kinder, mehr als 400 000 sind im Schulalter, was die Zahl der libanesischen Schulkinder weit übersteige. Die Schulen hätten fast 100 000 Kinder aufgenommen - damit sei ihre Kapazität jedoch im Wesentlichen erschöpft.

Guterres kritisiert, dass die internationale Unterstützung für den Libanon zwar langsam anwachse, jedoch in keinerlei Verhältnis dazu stehe, was wirklich gebraucht würde. "Hilfe für den Libanon ist nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern dringend notwendig, um die weitere Erosion von Frieden und Sicherheit in dieser brüchigen Gesellschaft und der gesamten Region zu stoppen", betont Guterres.