Ein britisches Kabinettsmitglied überrascht mit Forderungen nach einer neuen Außenpolitik - und wird vom neuen Regierungschef korrigiert.
Premierminister Gordon Brown hat Spekulationen über eine Abkehr Großbritanniens von seinem besonderen Bündnis mit den USA zurückgewiesen. Er werde weiterhin eng mit der US-Regierung zusammenarbeiten, betonte der seit zwei Wochen regierende Nachfolger von Tony Blair, der die Briten an der Seite der USA in den Irak-Krieg geführt hat.
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Der britische Entwicklungshilfeminister Douglas Alexander verpackte die Botschaft in ausgeschmückte Worte. (© Foto: AFP)
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"Wir werden es nicht zulassen, dass wir bei den gemeinsamen Herausforderungen, vor denen wir stehen, von den USA getrennt werden", sagte Brown dem Rundfunksender BBC.
Ein Mitglied von Browns neuem Kabinett hatte dagegen in einer Rede in den USA zuvor neue Töne anklingen lassen: Er betonte dabei vor allem die Bedeutung eines multilateralen Vorgehens bei der Lösung von Konflikten.
Die Stärke eines Landes hänge von der Fähigkeit ab, internationale Bündnisse zu schmieden, und weniger von militärischer Macht, sagte Entwicklungshilfeminister Douglas Alexander in einer Rede vor dem Council of Foreign Relations in Washington. "Wir müssen in Worten und Taten zeigen, dass wir international denken und nicht isolierend sind, multilateral, nicht unilateral."
Browns Minister sprach sich zudem ausdrücklich für eine größere Rolle der Vereinten Nationen aus: Die Staaten sollten Organisationen wie die UN dafür nutzen, gemeinsame Lösungen für die Probleme dieser Welt zu finden.
"Im 20. Jahrhundert wurde die Macht eines Landes zu oft daran bemessen, wie viel es zerstören kann. Im 21. Jahrhundert sollte die Stärke daran gemessen werden, was wir zusammen aufbauen können", sagte der Politiker vor dem renommierten Forschungszentrum. "Wir müssen neue Allianzen aufbauen. Bündnisse, die sich der Welt öffnen und uns nicht nur vor der Welt schützen sollen."
Blair hatte das nicht vom UN-Sicherheitsrat unterstützte Vorgehen von Präsident George W. Bush im Irak mitgetragen. In Umfragen erhält die nun von Brown geführte Labour-Regierung aber wenig Unterstützung für eine Fortsetzung dieses Kurses.
Angesichts der anhaltend schlechten Sicherheitslage steht mehr als vier Jahre nach dem Einmarsch in den Golfstaat auch Bush unter großem Druck, seine Strategie zu verändern. Im Süden des Landes stehen inzwischen noch etwa 5500 britische Soldaten.
Dem Radiosender BBC sagte Alexander, die Beziehung zu den USA bleibe wichtig für die Regierung Brown, sei aber Teil eines größeren Rahmens. Der neue Premierminister wünsche sich "starke Beziehungen mit unseren Partnern innerhalb der Europäischen Union und auch wachsende und starke Beziehungen mit den aufstrebenden Mächten Asiens, China und Indien".
Die erste Auslandsreise Browns führt den britischen Regierungschef am Montag nach Berlin.
(Reuters)
Szene München
Brown ist vielleicht nicht ganz so Bush-hörig wie Blair (ihm fehlt eben der klerikal-erotische Draht, die diese beiden verband), aber er ist viel europa-feindlicher und amerika-höriger. Er ist dafür bekannt, dass er viel Zeit in den USA verbringt und vor allem amerikanische Politliteratur verschlingt. Schön, dass er zuerst nach Berlin reist. Erwarten sollte man sich aber nicht all zu viel.
Wie, kein Pudel des jeweiligen amerikanischen Präsidenten. Da werden aber uralte Traditionen, die in England heilig sind, gebrochen.