Der UN-Sicherheitsrat hat einstimmig eine Resolution verabschiedet, die ein Ende der sexuellen Gewalt gegen Frauen und Mädchen in militärischen Konflikten fordert. Damit setzen die Vereinten Nationen ein Zeichen gegen Scham und Tabu.
Kaum ein anderer Straftatbestand des Völkerrechts hat in den vergangenen Jahren eine solche Neubewertung erfahren wie die sexuelle Gewalt gegen Frauen. Lange Zeit wurde Vergewaltigung als eine Art Kriegstrophäe angesehen. Dass sie ein Kriegsverbrechen, ja ein Instrument des Genozids ist, kann als Erkenntnis aus den vergangenen anderthalb Jahrzehnten gewertet werden. Am Internationalen Strafgerichtshof findet sich sexuelle Gewalt mittlerweile in den meisten Anklageschriften gegen die Schlächter dieser Welt.
Frauen und Mädchen werden leicht Opfer von Gewalt in Kriegen. (© Foto: AFP)
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Es hat sich also etwas getan: Dass im Zweiten Weltkrieg deutsche und japanische Truppen Frauen misshandelt und zur Prostitution gezwungen haben, blieb dereinst ebenso ungesühnt wie die Vergewaltigungen deutscher Flüchtlinge durch Soldaten der Roten Armee.
Verberechen werden selten verfolgt
Erst die Massenvergewaltigungen von muslimischen Frauen im Bosnien-Krieg und kurz darauf die Misshandlung Hunderttausender Frauen in Ruanda haben in der westlichen Welt ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass sexuelle Gewalt ein Mittel des Krieges ist, das weltweit strategisch eingesetzt wird.
Verfolgt und geahndet wird dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleichwohl viel zu selten - die Opfer sexueller Gewalt in den vielen Bürgerkriegen und ethnischen Konflikten der Welt bleiben weitgehend mit ihrer Not allein.
Immerhin: Die Erkenntnis, dass auch diese Opfer Schutz brauchen, hat sich in der deutschen Gesetzgebung niedergeschlagen - wenn auch sträflich spät: Die Bundesrepublik hat mit dem Zuwanderungsgesetz 2005 geschlechtsspezifische Gewalt als Asylgrund anerkannt. Im vergangenen Jahr haben davon 183 Frauen profitiert.
Der Sicherheitsrat der UN hat nun einstimmig eine Resolution verabschiedet, die ein Ende der sexuellen Gewalt gegen Frauen und Mädchen in militärischen Konflikten fordert. Die USA, die den Beschluss vorangetrieben haben, verweisen darauf, dass organisierte, systematische Vergewaltigungen zunehmen. Der Appell der Fünfzehn ist löblich - und durchdrungen von Frustration. Denn Appelle an marodierende Kindersoldaten, wildgewordene Soldateska, machtlüsterne Kriegsführer oder brutalisierte Regierungstruppen fruchten gewöhnlich wenig.
Sexuelle Gewalt als Waffe
Das Vergewaltigen und Verstümmeln wird weitergehen: Im östlichen Kongo sind nach Berichten der UN in manchen Regionen drei Viertel aller Frauen Opfer von sexueller Gewalt. Darfur im Sudan ist ein großes "rape camp", ein Vergewaltigungslager, in dem uniformierte Polizisten oder Soldaten die Frauen regelmäßig mit zusätzlichen Verletzungen brandmarken, damit sie die Botschaft an ihre Familien weitertragen: Rette sich, wer kann.
Kriegführende Parteien, die sexuelle Gewalt gegen zivile Opfer als Waffe einsetzen, haben, so zynisch es klingen mag, nur Vorteile: Traumatisierte, verstümmelte Frauen erregen weniger Aufsehen als Leichenberge. Das Risiko für die eigenen Truppen ist gering. Und die langfristige Wirkung mit ihren unerforschten, weil nach wie vor tabuisierten Folgen ist desaströs: Frauen werden vor den Augen ihrer Familien missbraucht, viele unfruchtbar gemacht; Ehen, ganze Dorfgemeinschaften werden zerstört.
Mit Tabubrüchen wie der erzwungenen Vergewaltigung von Töchtern oder Ehefrauen durch männliche Angehörige wird die Moral einer ganzen Gesellschaft zerrieben. Wer die Grundfesten einer Gemeinschaft angreifen will, der kommt mit dem grausamen Instrument der seelischen und physischen Zerstörung von unbeteiligten Opfern seinem Kriegsziel näher. Und bleibt unbehelligt: Die meisten Opfer reden nicht - aus Scham.
Der wohltönende Beschluss von New York wird weder das Zaudern der Völkergemeinschaft im Kongo noch die Untätigkeit im Sudan beenden. Keine Intervention wurde je beschlossen, um die Opfer massenhafter sexueller Gewalt zu schützen. Und auch die juristische Aufarbeitung hinkt: Am Internationalen Strafgerichtshof beispielsweise wurde im Prozess gegen zwei kongolesische Kriegsverbrecher der Vorwurf der sexuellen Versklavung von Frauen fallengelassen - das Gericht konnte die Zeuginnen nicht ausreichend schützen.
Im Prozess gegen den Milizenführer Thomas Lubanga aus dem Kongo, dessen Verfahren gerade ausgesetzt wurde, stand sexuelle Gewalt wider besseres Wissen gar nicht erst in der Anklageschrift - man wollte sich aus Effizienzgründen auf die Rekrutierung von Kindersoldaten konzentrieren. Menschenrechtler aus dem Kongo empfinden das als Hohn gegenüber den Opfern.
Viel kann auch der Sicherheitsrat mit seinen deutlichen Worten nicht erreichen. Aber zumindest Aufklärung, Schutz, medizinische und psychologische Hilfe sowie die juristische Aufarbeitung könnten verbessert werden. Zumindest dafür müsste die paralysierte Völkergemeinschaft doch sorgen können.
Und noch eine Aufgabe gilt es zu lösen: Aufklärung und Bestrafung der eigenen Leute. Denn der Appell des Sicherheitsrats ist auch ein Signal nach innen: Seit immer mehr Fälle von Blauhelm-Soldaten bekannt werden, die sich an jenen vergehen, die sie schützen sollen, müssen die UN sich auch intern und ungewohnt selbstkritisch mit sexuellem Missbrauch in Kriegsgebieten auseinandersetzen.
(SZ vom 24.06.2008/vw)
Die Ärzte in München
"dass im Zweiten Weltkrieg deutsche und japanische Truppen Frauen misshandelt und zur Prostitution gezwungen haben ..."
Das Vergewaltigung von der militärischen Führung (quasi auf "Befehl") wie bei Japanern, für Frankreich kämpfenden Marokanern (in Italien und Deutschland) und Russen erlaubt wurde ist bekannt. Bezogen auf die Wehrmacht höre ich zum ersten Mal davon.
Bitte Belege für die Behauptung!
solcher Beschlüsse ist wichtig, dass sich alle mit dem Thema befassen. Erfreulich ist, dass die Folgen von Vergewaltigungen als lebenslanges Trauma und ihre Wirkungen auf die menschliche Gemeinschaft ins allgemeine Bewusstsein rückt.
Auch die Gleichberechtigung schützt nicht von den Folgen dieser menschenverachtenden Tat. Deswegen sind die Folgen einer Vergewaltigung nicht minder desaströs für die einzelne menschliche Seele und ihre Umgebung. Daher ist es wichtig Signale zu setzen, was sich hoffentlich auch auf andere Gewaltpraktiken ausweiten. Erfreulich für die Opfer, die jetzt wenigstens auf juristische Hilfe hoffen können.
Organisationen können Gewalt verurteilen und bestrafen, aber abschaffen als Lösungsmittel menschlicher Konflikte können sie sie nicht. Das können die Menschen nur selbst, denn Frieden beginnt in uns selbst.
es scheint dass der artikel zu vielfaeltigen assiziationen fuehrt. vom verbleib von afrikanischen kriegsverbrechern ueber das schicksal von soldaten im allgemeinen. ich finde er beschreibt sehr eindruecklich was vergewaltigung und sexueller missbrauch, ob als kriegsstrategie (es ist unvorstellbar!) oder als schon seit jeher im krieg angewandte praxis(hierzu eruebrigt sich ein kommentar), in der gesellschaft bewirkt. die entehrung der frau, des mannes und der ganzen familie. die tabuisierung sexuellen missbrauchs vischlimmert die wirkung um ein vielfaches weil sie die gesellschaft von innen zerfrisst.
um den scham abzubauen und ueber sexuellen missbrauch zu sprechen, bedarf es aber mehr als eines UN-papiers. auch wenn dies ein viel zu spaeter und dringend erforderlicher schritt ist. man kann nicht von traditionellen und muslimischen laendern verlangen, offen ueber vergewaltigung zu sprechen, hierzu muss gleichberechtigung von mann und frau herrschen sowie ein offener dialog in der gesellschaft stattfinden. dass in den vergangenen jahren jedoch vermehrt auch blauhelm-soldaten vegewaltigt und misshandelt haben, zeigt, dass dieses tabu jedoch auch noch in den westlichen und westlich gepraegten gesellschaften herrscht. es ist absurd abzuwaegen ob mord oder vegewaltigung besser fuer ein opfer ist und es ist keine frage ob frauen im krieg schutzbeduerftiger als maenner sind. die armee ist vornehmlich maennersache und das mittel des krieges ist auf einer patriarchischen gesellschaftsordnung enstanden und besteht noch auf dieser (unserer). leider gibt es immer noch armeen oder vielleicht muss es sie immer noch geben. vielleicht kann man den einzigen positiven aspekt des militaerdienstes fuer frauen darin sehen, dass vergewaltigung und sexueller missbrauch im krieg weniger werden weil sich die strukutur der armee aendert.
bewirkt denn schon diese UN-Resolution? Auf diesem Gebiet ist die UN ein Papiertiger.
Das ist wohl eher ein Persilschein für die UN. Dann kann sie zumindest sagen, etwas getan (geschrieben) zu haben. Aber die Aussenwirkung ist gleich Null.
Die vergangenen 20 Jahre haben gezeigt, wo die Totschläger der marodierenden Kindersoldaten, wildgewordenen Soldateska, machtlüsternen Kriegsführer oder brutalisierten Regierungstruppen nach den Mordtaten verbleiben: Die Mörder leben unter uns. Sie sind per Schiff über die Kanarischen Inseln eingereist (ca 150 Personen pro Nacht) oder nach Italien (ca 500 pro Tag) oder per Kurier über die Türkei und Osteuropa (ca 800 Pro Tag). Das Geld für die Transportunternehmen (Menschenhändler erhalten pro Person 1000 bis 2000 Dollar) konnten sie aus der Kriegsbeute leicht aufbringen. Papiere brauchen sie nicht, in Deutschland erhalten sie frei Haus neue. Einschließlich der notwendigen Mittel zum Lebensunterhalt. Dann kann es losgehen mit den Geschäftchen. Der Handel mit Nutten, mit Heroin, Kokain, Marihuana war und ist immer einträglich. Also brachte auch diese Konferenz wieder nichts als hohles Geschwätz hervor.
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