Von Von Gerd Zitzelsberger

Scotland Yard setzt auf die Mithilfe der Bürger und veröffentlicht Fotos der vier Rucksackbomber, die am Donnerstag entkommen konnten. In Birmingham und London nahm die Polizei Verdächtige fest.

In Birmingham sei die Person auf Grund der Anti-Terror-Gesetze verhaftet worden, sagte ein Polizeisprecher. Mindestens zwei Koffer seien beschlagnahmt worden. Der Bahnhof sei geräumt und abgeriegelt worden. Es war zunächst nicht klar, ob die Festnahme in Zusammenhang mit den jüngsten Bombenanschlägen in London zusammenhängt.

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Diese Bilder veröffentlichte Scotland Yard - auf das Pop Up klicken (© Foto: AP)

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Kurz zuvor hatte die Polizei in London die Festnahme eines Verdächtigen in Verbindung mit der Anschlagsserie vom Donnerstag gemeldet.

Tödliche Schüsse in der U-Bahn

Die britische Polizei hat am Freitag in einer Station der Londoner U-Bahn einen Terrorverdächtigen erschossen. Polizeichef Ian Blair sagte, der Zwischenfall stehe in direktem Zusammenhang mit den Terrorattacken vom Donnerstag, als vier Männer versucht hatten, Sprengsätze in einem Bus und drei U-Bahnen zu zünden.

Eine Gruppe des Terrornetzwerks al-Qaida erklärte sich im Internet zum Urheber der Anschläge. Nach den bisherigen Ermittlungen entging die britische Hauptstadt am Donnerstag nur knapp einem weiteren Blutbad, da die verwendeten Sprengsätze nicht vollständig explodierten.

Zu dem tödlichen Zwischenfall in der U-Bahn-Station Stockwell im Süden der Stadt kam es nach Angaben der Polizei, nachdem die Beamten einen Passanten angesprochen hatten. Laut Augenzeugen war es ein jüngerer Mann, der ausgesehen habe wie ein Pakistaner. Er habe keinen Rucksack oder andere Gepäckstücke getragen, aber einen dicken Wintermantel angehabt. Der Mann flüchtete, sprang über die Ticket-Barriere, rannte zum Bahnsteig und in eine voll besetzte U-Bahn, die gerade abfahren sollte.

Drei Polizisten folgten dem Mann. Im Waggon sei es zu einem Handgemenge gekommen, die Beamten hätten auf dem Boden liegenden Verdächtigen fünf Kugeln in den Kopf geschossen. Angeblich sollen die Beamten vermutet haben, dass der Mann eine Bombe am Körper trug. Die Identität des Erschossenen wurde zunächst nicht bekannt gegeben.

Fachleute sehen den tödlichen Ausgang der Verfolgungsjagd als Folge neuer Richtlinien der britischen Polizei. Bei Personen, die als Selbstmord-Attentäter verdächtigt werden, sollen die Beamten nicht auf den Körper schießen, weil dabei eine Bombe getroffen werden könnte. Bei den britischen Muslimen sorgte der tödliche Zwischenfall für Unruhe. Der Dachverband der britischen Muslime forderte Scotland Yard auf, schnell die genauen Hintergründe des Vorfalls offen zu legen.

Kontrollen auch in Deutschland

Unterdessen mehren sich die Hinweise, dass die Londoner am Donnerstag großes Glück hatten. Es gibt Bilder, wonach der Attentäter in dem Doppeldecker-Bus, ähnlich wie die Terroristen zwei Wochen zuvor, einen Rucksack bei sich hatte.

Nach Medienberichten enthielt der Rucksack neben einem Sprengsatz auch Nägel, Schraubenmuttern und Bolzen. In den drei U-Bahn-Zügen hätten die Terroristen ebenfalls "brauchbare" Sprengsätze in der Größe jener Bomben zurückgelassen, die bei den Attentaten vor zwei Wochen verwendet worden waren, meldete die Agentur PA. Die Sprengsätze waren aber offenbar von schlechter Qualität, sodass die Zünder nicht wirkten. Am 7. Juli waren bei Anschlägen mindestens 56 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt worden.

Die vier Terroristen vom Donnerstag konnten offenbar in den Tumulten entkommen, zu denen es nach den kleinen Detonationen gekommen war. Von allen vier Tätern veröffentlichte die Polizei am Nachmittag Bilder, die Überwachungskameras aufgenommen hatten. Die Polizei rief die Bevölkerung auf, Gerüchten keinen Glauben zu schenken. Am Nachmittag durchsuchten Spezialisten Wohnblocks nahe Paddington Station.

In einer Erklärung der "Brigaden Abu Hafs al-Masri" hieß es, die Anschläge seien eine "Warnung" an die Länder, die der US-Politik im Irak folgten. Die "Schläge im Herzen der britischen Hauptstadt" seien eine Botschaft, "dass wir nicht eher Ruhe geben, bis die ungläubigen Soldaten aus dem Irak abgezogen sind". Ob die Botschaft echt war, konnte zunächst nicht geklärt werden.

Bundesregierung verurteilt neue Anschläge

Die Bundesregierung verurteilte die neuen Anschläge "auf das Schärfste". Sie zeugten "von Heimtücke, Rücksichtslosigkeit und Menschenverachtung", sagte Regierungssprecher Thomas Steg. Der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Rainer Lingenthal, sagte, die Sicherheitslage in Deutschland habe sich nicht verändert. Die "maßvolle und sichtbare" Verschärfung der Kontrollen in Bahnhöfen bestehe fort. In New York wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

In Pakistan wurden unterdessen weitere Terrorverdächtige gefasst. In den letzten Tagen hatte es dort mehr als 300 Festnahmen gegeben.

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(SZ vom 23.7.2005)