Verfassungsschutzpräsident Fromm tritt zurück Stellvertreter könnte Fromms Nachfolger werden

Doch der Behördenchef muss womöglich nicht nur die Fehler seiner Mitarbeiter ausbaden, sondern auch die politischer Entscheidungsträger. Unter dem damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble waren bereits 2006 die Abteilungen zur Beobachtung des Links- und des Rechtsextremismus zusammengelegt worden. Er "möchte dringend" von diesem Schritt abraten, schrieb Fromm damals an das Innenministerium. Ohne Erfolg. Anfang 2012 wurde der Schritt dann erst wieder rückgängig gemacht.

Opferanwalt und Angehörige der NSU-Mordopfer zeigten sich enttäuscht vom Rücktritt Fromms. Jens Rabe, Opferanwalt und Vertreter der Familie Simsek, sieht die Aufklärung der Mordserie und ihrer Hintergründe gefährdet. "Den Opfern wird wieder ein Stück Gewissheit gestohlen, weil ein Teil der Aufklärung unmöglich geworden ist", sagte dem in Berlin erscheinenden Tagesspiegel.

Als Nachfolger ist der bisherige Stellvertreter Fromms, Alexander Eisvogel, im Gespräch. Das Innenministerium wollte sich zu dieser Frage zunächst nicht äußern. Der neue Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutzes werde in einem "ordentlichen Verfahren" bestimmt, sagte Ministeriumssprecher Beyer lediglich.

Fromm leitete den Inlands-Geheimdienst zwölf Jahre. Spätestens im nächsten Jahr wäre er aus Altersgründen ohnehin ausgeschieden. Fromm wird in der kommenden Woche 64.

Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck forderte, den Verfassungsschutz insgesamt auf den Prüfstand zu stellen. "Die Geheimdienststruktur und interne Struktur stehen nun grundsätzlich zur Debatte."

Die Linke-Obfrau im NSU-Untersuchungsausschuss, Petra Pau, sagte: "Die Fragen und Probleme bleiben."