Die Linke ist wegen ihrer Kapitalismuskritik unter Beobachtung. Nach dieser Logik müssten auch Köhler, von Beust und Müntefering Erwähnung im Bericht finden.
Der Innenminister beliebt zu scherzen, als er die Frage hört: "Ich hab daran Vergnügen", sagt Wolfgang Schäuble (CDU) und verweist auf Paragraph 116 des Bürgerlichen Gesetzbuches.
Seit 2005 Bundesinnenminister: Wolfgang Schäuble (© Foto: dpa)
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Weil niemand lacht, sucht er die Stelle raus: "Eine Willenserklärung ist nicht deshalb nichtig, weil sich der Erklärende insgeheim vorbehält, das Erklärte nicht zu wollen", zitiert er und schaut in die Runde. Es lacht noch immer keiner. Wie gesagt, ein Juristenwitz. Muss man nicht verstehen.
Schäuble bezog ihn auf die Frage, ob er das Vergnügen über diese eine Stelle im an diesem Dienstag von ihm vorgestellten Verfassungsschutzbericht teile. Darin geht es um die Linke, genauer um die Chefin der Kommunistischen Plattform, Sahra Wagenknecht. Sie wird darin mit zwei Aussagen zitiert, die wohl die Verfassungsfeindlichkeit der Linken belegen sollen.
Zum einen soll sie in einem Interview gesagt haben: "Wir wollen den Kapitalismus überwinden, das steht fest. Wir wollen das Privateigentum an den Produktionsmitteln zurückdrängen." Außerdem habe Wagenknecht auf die Frage, ob sie den BMW-Konzern enteignen würde, geantwortet mit : "Ja, (...)".
Die Stelle sorgte für einige Erheiterung im großen Saal der Bundespressekonferenz. Denn wenn solche Sätze Grund genug sind, im Verfassungsschutzbericht zu landen, dann müsste wohl auch die komplette Bundesregierung unter besondere Beobachtung gestellt werden. Schließlich ist sie gerade dabei, die HRE-Bank zu enteignen.
Bei der Commerzbank ist sie bereits eingestiegen; und Teile der Bundesregierung denken auch gerne mal laut darüber nach, Opel zu übernehmen.
Kapitalismuskritik als Indiz für Verfassungsfeindlichkeit, das eröffnet den Schlapphüten vom Verfassungsschutz in Köln überhaupt völlig neue Betätigungsfelder. Nach der Linken müsste umgehend auch die SPD unter die Lupe genommen werden.
Müntefering und Bischof Marx - Fälle für den Bericht?
Deren Parteichef Franz Müntefering hatte kürzlich in nicht hinzunehmender Form dem Kapitalismus seine Existenzberechtigung abgesprochen: "Dieser Kapitalismus darf nicht lackiert werden, er muss in die Mülltonne der Geschichte", soll er gesagt haben.
Die katholische Kirche gehört nach dieser Logik ebenfalls sofort unter Beobachtung gestellt. Ihre Demokratieferne ließen die Verfassungsschützer ihr ja noch durchgehen. Aber die Kapitalismuskritik des damaligen Trierer Bischof Reinhard Marx geht dann doch zu weit: Viel zu lange sei auch in Deutschland am Menschenbild des Kapitalismus festgehalten worden, nach dem es nur den auf den eigenen Vorteil bedachten Menschen gebe.
Das Versagen dieser Vorstellung und einer falschen Moral zeige sich in der Finanz- und Wirtschaftskrise, soll er gesagt haben. So etwas gehört künftig in den Verfassungsschutzbericht.
Erstaunlich viel Arbeit dürften Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm und seine Leute mit der CDU haben. Das CDU-Präsidiumsmitglied und Hamburger Bürgermeister Ole von Beust hat erst küzlich den Kapitalismus für "gescheitert" erklärt.
Als der Präsident wetterte
Heiner Geißler, ehemals CDU-Generalsekretär, attestierte dem inzwischen marginalisierten Wirtschaftsflügel seiner Partei, der wolle "nicht einsehen, dass die Marktgläubigkeit die Todsünde des Kapitalismus war". "Arbeiterführer" Jürgen Rüttgers, CDU-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, fordert gar einen "Rheinischen Kapitalismus" zurück.
Selbst ehemalige FDP-Politiker sind vom rechten Pfad abgekommen. Hildegard Hamm-Brücher etwa sagt: "Dieser Kapitalismus hat abgewirtschaftet."
Von einer Wiederwahl Horst Köhlers als Bundespräsident müsste Schäuble im Grunde abraten. Der wetterte erst kürzlich in seiner "Berliner Rede" gegen den herrschenden "Casino-Kapitalismus".
Schäuble jedoch scheint die neuen Verfassungsfeinde nicht erkannt zu haben. Er habe jedenfalls nicht vor, Verfassungsschutzpräsident Fromm aufzufordern, doch mal einen Blick auf die Bundesregierung zu werfen.
Dahinter könnte natürlich auch purer Selbstschutz stehen. Erst am Montag hat der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Winfried Hassemer, den Trend zu mehr Sicherheit auf Kosten der Freiheit in der Politik gegeißelt, der nicht im Sinne der Verfassung sei. Als Trendsetter wahrgenommen wurde bisher vor allem ein Politiker: Wolfgang Schäuble.
Vielleicht ist auch er ein weiterer Fall für den Verfassungsschutz.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de/odg/gba)
Youtube-Hit aus USA
wenn ich meine kritik an dem bestehenden sytem äußere, weil es mir sozial ungerecht erscheint ,gelte ich hier in deutschland als verfassungsfeindlich und werde unter beobachtung gestellt.
das sind methoden einer diktatur und nicht die einer demokratie!
und bei jedem ,der auch nur ein bisschen verstand hat sollten die alarmglocken läuten.
@Diego
Ihnen kann nachgeholfen werden.
'Erbitterter kann ein innerparteilicher Streit nicht geführt werden. Ragnar Lüttke, Kreisvorsitzender der Linkspartei in Lübeck, muss sich momentan für peinliche Fotos rechtfertigen. In Schleswig-Holstein wurden in den letzten Tagen Bilder in Umlauf gebracht, die den Lübecker Kreisvorsitzenden bei einer Fete aus dem Jahr 2004 zeigen vor einem Stalin-Porträt und mit einer Stalin-Torte.'
Die Welt vom 7.10.08
Da wird ein skrupelloser Massenmörder wie Stalin zumBirthday-Popstar eines Landtagsabgeordneten der 'Linke'. Klar war das unclever. Aber im Prinzip gilt Folgendes:Die rechtsextreme Seite steht unter der Bürde von Morden für die Reinheit des Blutes, die linksextreme unter der Bürde von Morden für die Reinheit des Geistes. Und darin, abweichenden meinungen immer noch die Internationale der richtigen Gesinnung blasen zu wollen, ist man auf der linken Seite immer noch Spitze, in der Hetzjagd gegen Alles, was dem Zeitgeist nicht entspricht, wie Sloterdijk vor einiger Zeit schrieb...
Das ist doch Unfug, was Sie erzählen. Es gibt eindeutig qualitative Unterschiede. Wenn Sie sich die "linken" und die "rechten" Straftaten mal genauer ansehen, werden Sie feststellen, daß der Großteil der "linken" Straftaten im Zusammenhang mit Aufmärschen und Demos der Rechten geschehen. Die Zielsetzung ist Protest, aber keine Verfassungsfeindlichkeit. Ganz im Gegenteil, sie richtet sich bei Rechtsaufmärschen gegen verfassungsfeindliche Umtriebe von Rechts. Das ändert nichts daran, daß es sich dabei auch um Straftaten handelt, aber die sind eben im eigentlichen Sinne nicht verfassungsrechtlich relevant. Halten Sie denn das GG für ethisch und human ausgewogen? Falls ja, würde ein Blick ins GG helfen zu erkennen, daß aus gutem Grund der rechten Hälfte des politischen Spektrums weit mehr Fesseln angelegt sind als "linken" Zielsetzungen. Diese Erkenntnis erklärt nämlich auch die eklatante Ungleichverteilung beim Bestreben das GG zu ändern zwischen rechter und linker Hälfte des politischen Spektrums .
+++Darin geht es um die Linke, genauer um die Chefin der Kommunistischen Plattform, Sahra Wagenknecht. Sie wird darin mit zwei Aussagen zitiert, die wohl die Verfassungsfeindlichkeit der Linken belegen sollen.
Zum einen soll sie in einem Interview gesagt haben: "Wir wollen den Kapitalismus überwinden, das steht fest. Wir wollen das Privateigentum an den Produktionsmitteln zurückdrängen." Außerdem habe Wagenknecht auf die Frage, ob sie den BMW-Konzern enteignen würde, geantwortet mit : "Ja, (+++
Na, wenn das nicht reicht. "Überwinden" und "zurückdrängen" sind Vokabeln, die die deutsche Geldelite überhaupt nicht mag. Und für wen sind denn eigentlich Bundesverfassungsschutz und BKA und Bundesinnenminister da? Sie erfühlen die Antwort natürlich. Sie haben die Wagenknecht und ihre möglichen Wähler einzuschüchtern, vorallem die Wähler. Die Bundestagskandidatin der Linken ist nachweisbar nicht schreckhaft, sie wurde Genossin als die Mauer schon gefallen war. Sowas nennt man Charakter.
..seitens Herrn Denkler
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