Interview: Thorsten Denkler

Der anerkannte Terrorismus-Experte Rolf Tophoven über die Rolle der Neu-Muslime im internationalen Terrorismus und eine neue Reisebewegung aus Europa nach Pakistan.

sueddeutsche.de: Herr Tophoven, Sie haben schon vor Monaten vor der Bedrohung durch zum Islam konvertierte Deutsche gewarnt. Fühlen Sie sich jetzt bestätigt?

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Ein Verdächtiger wird von Beamten des BKA abgeführt. Gegen ihn und zwei weitere mutmaßliche Terroristen wurde Haftbefehl erlassen. (© Foto: dpa)

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Rolf Tophoven: Vorab, das war eine brillante Operation der deutschen Nachrichtendienste, ich unterstelle mal mit internationaler und US-amerikanischer Hilfe. Zu Ihrer Frage, nicht nur ich fühle mich bestätigt. Ohne die Konvertiten pauschal zu verurteilen: Die deutschen Sicherheitsbehörden haben immer davor gewarnt, dass in Europa und in Deutschland von rekrutierten Konvertiten eine besondere Gefahr ausgeht.

sueddeutsche.de: Die Konvertiten kommen aus dem deutschen Kulturkreis. Was hat sie so anfällig für den Islamismus gemacht?

Tophoven: Zum einen dürfte natürlich ein ehrliches und starkes Bedürfnis nach religiösem Halt dahinter stecken. Zum anderen aber müssen sie einen großen Hass auf die gesellschaftlichen Verhältnisse verspüren, um diesen Schritt zu gehen. Die Konversion hilft ihnen, diesem Hass Ausdruck zu verleihen. Sie müssen ja die Motivation haben, im Namen des Islam den Westen anzugreifen. Der Islamismus kann ihnen da ein Ventil sein. Über ihn haben sie auch Zugang zu den Ausbildungslagern der al-Qaida. Aber um da ein Rolle spielen zu können, muss man zum Islam übertreten.

sueddeutsche.de: Wieviele Konvertiten gehören diesem harten Kern an?

Tophoven: Es gibt da sicher keine Wellenbewegung. Es sind nicht Hunderte. Aber wir verzeichnen doch eine neue Reisebewegung aus Europa in die Ausbildungslager der al-Qaida in Pakistan. Das sind Blitzkurse in Lagern mit zehn bis 15 Zelten. Dort wird trainiert, mit der Kalaschnikow und mit Sprengstoff. Die Leute strömen dorthin und kommen ausgebildet zurück nach Europa.

sueddeutsche.de: Waren die drei Festgenommenen Teil des al-Qaida-Netzwerks?

Tophoven: Wohl nicht direkt. Sie gehörten offenbar der Islamischen Dschihad-Union an. Die wiederum hält lose Verbindungen zu al-Qaida. Sie wird sozusagen inspiriert durch al-Qaida.

sueddeutsche.de: Was macht Konvertiten so besonders gefährlich?

Tophoven: Sie sind völlig unauffällig. Diese Hardcore-Islamisten haben es verstanden, in unsere Gesellschaft einzutauchen, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Wir haben das gesehen bei den Attentaten auf die Londoner Untergrundbahn. Das waren "Home-Grown-Terrorists", wie die Briten sagen. Die jetzt festgenommenen Verdächtigen sind so gesehen unsere "Home-Grown-Terrorists".

sueddeutsche.de: Der Ermittlungserfolg war möglich ohne Online-Überwachung, wie sie Bundesinnenminister Schäuble fordert. Manche sehen das als Beleg dafür, dass dieses Fahndungsinstrument nicht benötigt wird. Wie sehen Sie das?

Tophoven: Es gibt ja nicht nur die Fußsoldaten, die sich mit dem Sprengstoffgürtel um den Bauch in die Luft jagen, sondern auch sehr intelligente Burschen, die mit Laptop und Internet operieren. Das Internet ist die virtuelle Terrorschule der Islamisten. Da wird rekrutiert, finanziert und indoktriniert. Es muss also möglich sein, das wichtigste mediale Kommunikationsinstrument der Terroristen zu knacken.

Rolf Tophoven ist anerkannter Terrorismus-Experte. Er leitet das Institut für Terrorismusforschung & Sicherheitspolitik in Essen.

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(sueddeutsche.de)